Auch die Frauenstaffel über 4x100m Freistil sichert sich in den Vorläufen einen Finalplatz, diese deutschen Athlet*innen schwammen sich außerdem ins Halbfinale.
© Jo KleindlJohannes Liebmann nach seinem starken 800m-Vorlauf bei der EM
Mit seinem Europarekord im April in Stockholm (SWE) hat Johannes Liebmann die Schwimmwelt ins Staunen versetzt. Am heutigen Mittwoch kämpft der 19-Jährige vom SC Magdeburg im Finale über 800m Freistil gemeinsam mit dem WM-Zweiten Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover) nun sogar um Gold bei den Europameisterschaften in Paris (FRA). Im Vorlauf am Dienstag hatte der EM-Debütant mal eben die schnellste Zeit hingelegt und sagte danach: „Nach dem Knockout Sprint im Freiwasser hatte ich schon ein bisschen Respekt, aber nach diesem Rennen bin ich sehr zuversichtlich.“
Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit ist groß. Vor gut einem Jahr war Liebmann in die Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn gewechselt, um mit Topstars wie Lukas Märtens, Florian Wellbrock und Oliver Klemet zu trainieren. Die Fortschritte ließen nicht lange auf sich warten, nach dem Gewinn mehrerer JEM-Medaillen mischt Liebmann jetzt auch in der offenen Klasse ganz vorne mit.
Viel Unterstützung von Stars wie Florian Wellbrock
„Insgesamt verlief der Übergang für mich relativ reibungslos, da ich viel Unterstützung von meinen Trainingspartnern Flo (Florian Wellbrock), Olli (Oliver Klemet) und Lukas (Märtens) sowie von Trainer Bernd (Berkhahn) erhielt. Ich habe einfach mit ihnen trainiert, ohne mir zu viele Gedanken darüber zu machen. Die körperliche Anpassung erfolgte mit der Zeit ganz natürlich. Anfangs fiel es mir schwer, bei dem hohen Tempo mitzuhalten. Körperlich war es phasenweise definitiv eine Herausforderung. Mental hatte ich jedoch keine Probleme damit. Zudem bin ich in dieser Saison gesund geblieben, was natürlich ebenfalls geholfen hat“, sagte Liebmann.
Natürlich habe es auch mal Tage gegeben, an denen es nicht so gut lief. Oder die einfach nur müde machten. „Meine Freundin hat mich immer wieder aufgebaut, wenn ich einen schlechten Tag hatte. Auch die Jungs aus der Trainingsgruppe waren eine große Hilfe. Sie haben mich als Gleichberechtigten behandelt und hatten für jede Situation einen guten Rat parat“, verriet Liebmann. „Wenn man gerade mit der Schule fertig ist – so wie ich –, bedeutet das automatisch, dass man selbstständiger wird. Flo war mir dabei zum Beispiel eine riesige Hilfe.“
Teenager Liebmann hat auch schon LA 2028 im Blick
Druck macht sich Liebmann trotz des Europarekords in Frankreich keinen. „Ich bin erst 19 Jahre alt. Ich bin also eher der Jäger als der Gejagte. Natürlich hat mir der Europarekord gezeigt, dass ich im Elitebereich konkurrenzfähig sein kann. Aber mehr auch nicht.“ Dass er nach dem Verzicht auf die Deutschen Meisterschaften Ende April in Berlin wegen seiner (erfolgreich bestandenen) Abiturprüfungen dann im Juni in London (GBR) zeigen konnte, dass seine Topzeiten keine Eintagsfliege gewesen sind, war ihm „wichtig, und es gibt einem wirklich ein gutes Gefühl“.
In Paris hofft er nun auf gute Ergebnisse und idealerweise auch auf persönliche Bestzeiten. „Ich möchte mich mit den Besten messen und sehen, wie weit ich kommen kann. Für mich geht es darum, Erfahrungen auf höchstem Niveau zu sammeln, aber auch darum, jede Chance zu nutzen. Mein Ziel ist es, mich weiter zu verbessern und in dieser Saison einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Ich möchte immer besser werden – mit Blick auf die Weltmeisterschaften 2027 und auch die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Genau das ist bei dieser starken Konkurrenz nötig.“
EM 2026 in Paris: Die DSV-Ergebnisse am 12. August
| Strecke | DSV-Starter*in | Zeit | Platz |
|---|---|---|---|
| Vorläufe | |||
| 200m Freistil Frauen | Linda Roth | 01:57,60 | 3. (Q) |
| Maya Tobehn | 01:58,95 | 14. (Q) | |
| Nicole Maier | 01:59,19 | 22. | |
| Nina Holt | 02:00,03 | 29. | |
| 100m Schmetterling Männer | Kaii Liam Winkler | 00:51,38 | 6. (Q) |
| Luca Armbruster | 00:51,80 | 11. (Q) | |
| Josha Salchow | 00:51,87 | 13. | |
| Björn Kammann | 00:52,39 | 27. | |
| 50m Rücken Frauen | |||
| 200m Brust Männer | Lucas Matzerath | 02:11,22 | 14. (Q) |
| Mathis Schönung | 02:12,27 | 22. | |
| Malte Gräfe | 02.12,98 | 26. | |
| 400m Lagen Frauen | Noelle Benkler | 04:46,65 | 9. |
| 4x100m Freistil Frauen | Nina Holt, Nina Jazy, Julianna Bocska, Maya Tobehn | 3:31,83 | |
| Finals ab 18:30 Uhr | Persönliche Bestzeit | Deutscher Rekord | |
| 200m Freistil Frauen Halbfinale | Linda Roth | 01:57,52 | 01:55,68 |
| Maya Tobehn | 01:57,25 | ||
| 200m Rücken Männer Finale | 01:55,85 | ||
| 50m Schmetterling Frauen Finale | Angelina Köhler | 00:25,50 | 00:25,50 |
| 100m Freistil Männer Finale | 00:47,80 | ||
| 100m Brust Frauen Finale | Anna Elendt | 01:05,19 | 01:05,19 |
| 200m Brust Männer Halbfinale | Lucas Matzerath | 02:10,33 | 02:07,47 |
| 50m Rücken Frauen Halbfinale | 00:27,23 | ||
| 100m Schmetterling Männer Halbfinale | Kaii Liam Winkler | 00:50,92 | 00:50,92 |
| Luca Nik Armbruster | 00:51,21 | 00:50,92 | |
| 400m Lagen Frauen Finale | 04:36,10 | ||
| 800m Freistil Männer Finale | Johannes Liebmann | 07:37,94 | 07:37,94 |
| Sven Schwarz | 07:38,12 | 07:37,94 | |
| 4x100m Freistil Frauen Finale | 3:31,83 |
© Jo KleindlAnna Elendt hofft auf ihre erste EM-Medaille in Paris
Anna Elendt ist wie in Singapur im Finale Außenseiterin
Nicht weniger im Fokus steht am Mittwoch Anna Elendt (SG Frankfurt). Die Weltmeisterin über 100m Brust geht nach dem Gold-Coup in Singapur diesmal als Fünftschnellste ins Finale. „Meine Wende war immer noch sehr lang, das Problem hatte ich auch schon im Vorlauf. Daher hoffe ich, dass ich das im Finale noch ein bisschen sauberer reinbekomme, und dann schauen wir mal, wo mich das platziert“, sagte die Hessin.
Favoritin ist dort Angharad Evans (GBR), die im Halbfinale mit 1:04,97 Minuten schneller als Elendt beim WM-Triumph in Singapur war und damit wie schon im Vorlauf einen Meisterschaftsrekord aufstellte. Aber auch die Britin muss mit dem Erwartungsdruck jetzt erst einmal zurechtkommen. Und Elendts Leitspruch aus dem Vorjahr gilt schließlich immer noch: „Wenn du eine Bahn hast, hast du auch eine Chance.“
© Jo KleindlJunioren-Europameisterin Linda Roth schwamm einen überzeugenden EM-Vorlauf über 200m Freistil
4x100m-Freistil-Staffel der Frauen im Finale, Noelle Benkler leider nicht
Das gilt auch für Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin), die im Endlauf über 50m Schmetterling auf der Außenbahn acht antritt. In den Vorläufen am Vormittag zog die Staffel über 4x100m Freistil als Achte ins Finale ein. Nina Holt (SC Magdeburg/55,12), Nina Jazy (SG Essen/54,97), Julianna Bocska (SG Essen/53,96) und Maya Tobehn (Dresdner SC 1898/54,75) schafften in 3:38,80 Minuten eine Punktlandung mit 14 Hundertsteln Vorsprung auf Schweden. „Die Arbeit ist getan, jetzt kommt das Vergnügen“, meinte Jazy mit Blick auf das Finale am Abend.
Noelle Benkler (SV Nikar Heidelberg) verpasste dagegen knapp den Finaleinzug über 400m Lagen. Ihre 4:46,65 Minuten bedeuteten Rang neun. In die Halbfinalläufe eingezogen sind dagegen Linda Roth (SC Magdeburg) und Maya Tobehn (Dresdner SC 1898/beide 200m Freistil), Kaii Liam Winkler und Luca Armbruster (beide SG Neukölln Berlin/beide 100m Schmetterling) sowie Lucas Matzerath (Team Bochum/200m Brust).