Drei Deutsche im EM-Finale beim Knockout Sprint

Philip Häfner
Philip Häfner
14:30

Florian Wellbrock, Johannes Liebmann und Oliver Klemet meistern alle Runden des Eliminationswettbewerbs. Den Titel holt aber ein Ungar.

Oliver Klemet und Florian Wellbrock mischten auch in ihrem dritten EM-Rennen ganz vorn mit© Jo Kleindl

Oliver Klemet und Florian Wellbrock mischten auch in ihrem dritten EM-Rennen ganz vorn mit

Drei Deutsche in einem Finale – das sieht man beim Schwimmen sonst nie, wo normalerweise immer nur zwei Aktive aus jeder Nation bei der Entscheidung dabei sein dürfen. Bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) war das anders, und das Trio des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) nutzte die seltene Gelegenheit: Florian Wellbrock, Johannes Liebmann (beide SC Magdeburg) und Oliver Klemet (SG Frankfurt) zogen geschlossen in das Finale des Knockout Sprints ein.

Nachdem sie auf dem Weg dorthin mit starken Leistungen erneute Medaillenhoffnungen geweckt hatten, wurde es dann allerdings nichts mit dem erhofften Edelmetall in dieser so spektakulären Disziplin. Am Morgen hatte Isabel Gose ebenfalls aus der Magdeburger Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn noch über den Titel der Europameisterin jubeln dürfen. Die deutschen Männer sortierten sich anschließend auf den Plätzen sieben (Wellbrock), acht (Liebmann) und neun (Klemet) ein.

Wellbrock sieht hohe Qualität beim rasanten Sprintfinale

„Natürlich lief es ein bisschen anders als erhofft. Wenn man sich souverän fürs Finale qualifiziert hat und die letzten zwei Wettkampftage so performt hat, dann hatte ich mir schon ein bisschen mehr erhofft. Aber von der Qualität war es heute glaube ich fast das stärkste 500-Meter-Sprintfinale, was wir jemals hatten. Ich fand es cool, dass wir mit drei Deutschen da waren. Hintenraus hat die Platzierung nicht ganz gereicht. Dennoch ist es fürs deutsche Team heute – gerade auch mit der Performance von Isabel – ein gutes Ergebnis gewesen.“

Alle EM-Ergebnisse aus Paris

Gold sicherte sich der Ungar Dávid Betlehem, der mit sichtlicher Genugtuung lautstark auf die Anschlagplatte klatschte, nachdem er über 10km und 5km noch jeweils Zweiter hinter Florian Wellbrock geworden war. Silber und Bronze ging nach Frankreich an Marc-Antoine Olivier und Logan Fontaine.

In den Runden zuvor hatten die Deutschen beim Eliminationswettbewerb immer wieder Ausrufezeichen gesetzt. Der erst 19 Jahre alte Johannes Liebmann, Europarekordler über 800m Freistil im Becken, gewann den ersten Vorlauf ebenso wie Wellbrock den zweiten. Auch im Halbfinale lag Liebmann wieder vorne, im zweiten Lauf lag dort dann diesmal Klemet vor Weltmeister Wellbrock.

Bis zur  ersten Boje legt der Ungar den Grundstein zum Sieg

Beim Finale erwischte allerdings Betlehem das beste Rennen und schwamm von vorne weg, auch an der wichtigen ersten Boje hatte er die beste Spur. „Die erste Boje zu gewinnen war ein großer Faktor. Das haben wir nicht geschafft. Ich war außen, Johannes auch außen, wir mussten den deutlich längeren Weg gehen als die beiden innen, und bei der nächsten Boje dann wieder. So sind wir deutlich zurückgefallen und haben es dann einfach auch nicht mehr geschafft, nach vorne zu kommen. Das hat schon sehr viel entschieden“, sagte Klemet.

Trotzdem schien das DSV-Trio kurz vor dem Zieltrichter noch einmal in den Medaillenkampf eingreifen zu können, während ganz vorne David Betlehem ungefährdet dem Sieg entgegenschwamm. Auf den letzten Metern ging allen drei Deutschen dann aber ein wenig die Puste aus. „Meiner Meinung nach standen Olli und ich uns selbst so ein bisschen gegenseitig im Wege – aber mein Gott, das passiert“, meinte Wellbrock. „Das muss man auch noch lernen, in so kurzer Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen, ohne den Mitstreiter des eigenen Teams irgendwie zu behindern. Dennoch war es ein sehr faires Rennen auch untereinander.“

Johannes Liebmann wusste bei seinem EM-Debüt vor allem in den ersten beiden Läufen sehr zu überzeugen© Jo Kleindl

Johannes Liebmann wusste bei seinem EM-Debüt vor allem in den ersten beiden Läufen sehr zu überzeugen

Youngster Johannes Liebmann sammelt wertvolle Erfahrungen

Für Johannes Liebmann war es der erste Start im Freiwasser in der offenen Klasse. Der junge Magdeburger nahm dabei viel Lehrreiches für die Zukunft mit. „Die 1.500 Meter waren, was den Konkurrenzkampf anging, noch ziemlich entspannt. Dass das dann so extrem stark zunimmt, war auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich machen musste. Es ist auf jeden Fall sehr interessant. Ich konnte die letzten paar Tage bei den Jungs immer zugucken und viel lernen – einfach nur durchs Zuschauen, wie die so ihren Ablauf machen. Die haben viel Routine drin, aber auch wie sie schwimmen, was sie taktisch schlau machen – das fand ich sehr, sehr interessant. Und das dann heute so ein bisschen auszuprobieren hat mir auch sehr viel Spaß gemacht“, sagte er. Bei seinen Beckenrennen hat Liebmann dann ab Montag wieder eine eigene Bahn für sich.