Verband kommunaler Unternehmen (VKU) macht die Probleme der Schwimmbad-Betreiber öffentlich und fordert mehr Förderung durch die Bundes- und Landesregierungen. Die steigenden Kosten werden sonst auch für die Schwimmvereine immer mehr zu einem Problem.
© AM Sport/Marc NiemeyerSo leer ist ein Schwimmbad nur bei einem Fotoshooting
Der dritte bundesweite Trikottag soll am heutigen Dienstag (20. Mai) darauf aufmerksam machen, dass die Sportvereine mit ihren über 28 Millionen Mitgliedschaften mehr Unterstützung aus Politik und Gesellschaft verdienen. Eigentlich bräuchte es zusätzlich auch noch einen Badehosentag, das verdeutlichen die Nachrichten der vergangenen Tage.
So ergab eine Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 113 Schwimmbad-Betreibern in Deutschland, dass bereits 35 Prozent in diesem Jahr die Eintrittspreise erhöht haben. Und trotz dieser für die Nutzer*innen meist sehr schmerzhaften Preissteigerungen rechnen viele Einrichtungen mit weiterhin zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten. Laut VKU-Umfrage erwarten 72 Prozent der Betreiber von Frei- und Hallenbädern eine Verschlechterung ihrer finanziellen Lage in den kommenden fünf Jahren. Nur vier Prozent rechnen mit einer Verbesserung. 16 Prozent der Befragten ziehen sogar in Erwägung, kurz- oder mittelfristig einzelne Bäder zu schließen. Als größte Herausforderungen nannten die Befragten den anhaltenden Fachkräftemangel, den Sanierungsstau sowie fehlende finanzielle Mittel. In Berlin werden beispielsweise viele Freibäder nicht mehr beheizt, obwohl das im Gegenzug auch Einnahme-Einbußen mit sich bringt.
Weckruf an die Bundes- und Landesregierungen: Schwimmbäder brauchen mehr Förderung
Als einen „Weckruf an die Bundes- und Landesregierungen“ bezeichnete VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing die Umfrage vor allem mit Blick auf die finanzielle Belastung. „Wir brauchen bessere und besser ausgestattete Förderprogramme für den Erhalt unserer Schwimmbäder – auch wenn eine Milliarde Euro ein Schritt in die richtige Richtung sind“, sagte Liebing den Funke-Zeitungen unter Verweis auf den Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung. Darin wurden mindestens eine Milliarde Euro für die Modernisierung und Sanierung von Sportstätten vereinbart.
„Schwimmbäder sind der kleine Sommer für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.”
„Schwimmbäder sind der kleine Sommer für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt”, betonte der VKU-Chef. „Es sind die Orte für Gesundheit, für Fitness und Orte, an denen wir die Lebensfertigkeit Schwimmen erlernen und sich Menschen aller sozialen Milieus austauschen.“ Dies dürfe keine Frage des Wohnorts oder der Haushaltslage der Kommune sein. „Zumal uns die zunehmende Zahl von Kindern, die nicht schwimmen können, Sorge bereitet“, so Liebing.
© AM Sport/Marc NiemeyerIns Schwimmbad zu gehen, wird leider immer teurer. Auch für die Schwimmvereine
Vorgegebenes Lernziel können Schulen so nicht erreichen
Schon vor acht Jahren hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) sicheres Schwimmen als in allen Lehrplänen zu formulierende Kernkompetenz definiert. Repräsentative Umfragen zeigen aber, dass bundesweit maximal die Hälfte der Grundschüler*innen das Ziel erreicht. Denn die Infrastruktur für die Schwimmausbildung ist oftmals gar nicht vorhanden – oder auch stark sanierungsbedürftig. Und das, obwohl die Kinder selbst meist unbedingt Schwimmen lernen wollen.
Im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) setzt man sich daher für eine Infrastrukturoffensive für mehr Wasserflächen und eine bundesweite Verankerung des Bäderbetriebs als kommunale Pflichtaufgabe ein. Solange Bäder als freiwillige Leistung gelten, werden viele Kommunen spätestens ab 2027 angesichts der zu erwartenden explodierenden CO2-Abgaben und Energiekosten den Eintritt eher noch weiter verteuern – oder gar zugunsten anderer Prioritäten aufgeben.
Vereinsbeiträge steigen und werden damit für sozial Schwache unbezahlbar hoch
Steigende Bahnmieten stellen Schwimmvereine mitunter aber schon jetzt vor eine Zerreißprobe. In Dresden gab es nach einer Ankündigung, die Bahnmiete auf über 50 Euro pro Stunde zu erhöhen, Protestaktionen, die einen Aufschub bewirkten. In Falkensee (Land Brandenburg) führte eine Miete von rund 65 Euro pro Bahn im neuen 25-Becken bereits dazu, das pro Monat stolze 60 Euro Vereinsbeitrag erhoben werden müssen. Sozial schwächere Familien können sich das gar nicht mehr leisten.
„Wir haben in Falkensee den teuersten Schwimmverein Deutschlands. Und das in der sportlichsten Stadt Brandenburgs. Ein Armutszeugnis“, wetterte Vereinsvorstand René Janenz daher in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“. Denn alle anderen Vereine der 45.000 Einwohnerstadt können ihre Sportstätten kostenlos nutzen. Insbesondere der Schwimmsport verdient hier mehr Unterstützung aus Politik und Gesellschaft.