Lena Cornelissen, Josia Topf und Tom Liam Brimacombe sorgen am Sonntag für deutsche Rekorde in der SSE. Und die Jagd nach neuen Bestzeiten geht noch bis Dienstag weiter.
© Jo KleindlJanis McDavid wurde ohne Beine und Arme geboren, nun ist der trotzdem Weltrekordler
In diesem Jahr finden die Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) unmittelbar im Anschluss an die Para Swimming World Series statt. Dass die Berliner Traditionsveranstaltung auch in dieser Konstellation Besonderes zu bieten, zeigte sich gleich zu Beginn der 40. IDM-Auflage. Mit zwei Weltrekorden des Neu-Berliners Janis McDavid beim Sieg über 100m Brust in der Startklasse SB1 (3:07,45 Minuten im Vorlauf und im Finale 3:04,95) sowie dem Europarekord von Luca Da Prato (ITA/S6) über 100m Rücken (1:13,40) gab es am Sonntag gleich wieder besondere Highlights in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE).
Deutsche Rekorde über 100m Rücken steuerten zudem Lena Cornelissen (S9/1:15,96), Josia Topf (1:44,81/S3) und Tom Liam Brimacombe (S5/1:53,74 und 1:53,16) bei. Und es werden vermutlich nicht die einzigen Bestmarken dieser Art bei den bis Dienstag laufenden Wettkämpfen bleiben.

Wurde bei der IDM 2026 Dritte über 100m Brust: Elena Semechin
Elena Semechin und Verena Schott am Muttertag mit Topleistungen
„Seit gestern ist auch die Klassifizierung endgültig bestätigt, jetzt kann die internationale Karriere losgehen“, meinte McDavid, der ohne Arme und Beine zur Welt kam und erst vor zwei Jahren seine panische Angst vor Wasser ablegen konnte. Unter Profibedingungen beim Berliner Schwimmteam stellte der 34-Jährige seither binnen kürzester Zeit den Anschluss zur Weltspitze her und träumt nun sogar von den Paralympics 2028. „Im vergangenen Jahr kam mir das noch größenwahnsinnig vor, aber jetzt scheint es tatsächlich möglich. Als ich die Zeit auf der Anzeigetafel sah, dachte ich mir: Krass, jetzt hat du mal eben den Weltrekord gebrochen. Das ist mega, das wird man so schnell nicht vergessen“, meinte McDavid, der damit auch die startklassenübergreifende Punktewertung auf dieser nichtparalympischen Strecke gewann und so für den einzigen deutschen Sieg am ersten IDM-Tag sorgte.
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Als Dritte schaffte es am Muttertag auch Elena Semechin auf das IDM-Podest. Siebeneinhalb Monate nach der Geburt ihres Kindes schwamm die 32-Jährige die 100m Brust in 1:16,22 Minuten. Söhnchen Klaus Phillip war mit Papa und Trainer Phillip Semechin diesmal daheim geblieben, denn er hatte über Nacht Fieber bekommen. „Pünktlich zum Muttertag eine Herausforderung, den Alltag als Mama zu schmeißen ist gar nicht so einfach“, meinte Semechin im Beckenrand zur kurzen Nacht davor. Umso bewundernswerter, dass sie in dieser Woche inklusive der Rennen bei der World Series ein viertes Mal eine 1:16er Zeit ins Becken zauberte. „Ich bin absolut happy, habe mit so einem Niveau nicht gerechnet. Das war ein guter Start, darauf lässt sich aufbauen“, meinte Semechin auch mit Blick auf die Europameisterschaften im September in der Türkei.
Malte Braunschweig schwimmt Norm und erklärt EM-Verzicht
Dort dabei sein wird auch Verena Schott, die in Berlin als Sechste (1:47,99/SB5) zum wiederholten Mal die A-Norm unterbot. Beide jungen Mütter dürften sich gefreut haben, dass die Stiftung Deutsche Sporthilfe am Sonntag eine verstärkte Förderung von schwangeren Spitzensportlerinnen und solchen mit Kindern vorstellte.
Ein EM-Ticket hätte auch Malte Braunschweig verdient. Als Vierter über 100m Schmetterling schwamm der Berliner in 1:01,73 Minuten auf die Hundertstel genau die vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) geforderte A-Norm. Doch wie sein Bruder Ole im Vorjahr wird der 25-Jährige in diesem Sommer auf internationale Einsätze verzichten. „Ich bin sehr zufrieden mit der Zeit. Denn in der vergangenen Saison gab es ein paar Herausforderungen“, erklärte Braunschweig.
© Jo KleindlMalte Braunschweig wusste in seiner Heimatstadt mal wiederzu überzeugen
Und beschrieb seine aktuellen Prioritäten dann so: „Ich habe am Freitag meine letzte Prüfung an der Uni geschrieben und fehlte deswegen bei der World Series. Nun schreibe ich erst an meiner Bachelorarbeit als Bauingenieur. Nebenher lasse ich noch zwei drei gesundheitliche Dinge klären, damit ich nächste Saison dann voll angreifen kann.“
Josia Topf mit seltener Disqualifikation
Etwas Wut im Bauch trieb Josia Topf zu seinem Rücken-Rekord. Am Vormittag war er über 400m Lagen noch wegen eines Fehlstarts disqualifiziert worden und hatte so den möglichen Sieg vergeben. „Ein dummer Fehler, aber das hat mich noch mal ein bisschen wachgerüttelt für die Abendsession“, gestand der Paralympics-Sieger, der vor den Finals als Para Schwimmer des Jahres 2025 geehrt worden war.
Eine Auszeichnung für besondere Verdienste der IDM erhielt aber auch Matthias Ulm. Der langjährige Macher der IDM und Trainer des Berliner Schwimmteams sah immer auch die Vorteile einer solch großen Veranstaltung für den Nachwuchs. Und es freut auch ihn sicher, dass dieser die große IDM-Bühne auch in diesem Jahr zu nutzen weiß. So erfüllte Bàlint Koeszegvary bereits auf der vierten Strecke die Nachwuchsnorm für die Europameisterschaften. Auch Johanna Döhler, Tabea Nele Teschauer, Mieke Sophia Leiße, Kimi Mika Brückner und Marlon Jung konnten sich mit neuen Normen für die Aufnahme in die EM-Mannschaft anbieten.
IDM-Sieger*innen am Sonntag
200m Freistil Frauen: Georgia Sheffield (GBR/S14) 2:09,79 Minuten (832 Punkte)
200m Freistil Männer: William Ellard (GBR/S14) 1:54,41 Minuten (912)
100m Schmetterling Frauen: Lucilene Da Silva Sousa (BRA/S12) 1:07,44 Minuten (819)
100m Schmetterling Männer: William Ellard (GBR/S14) 55,66 Sekunden (902)
100m Brust Frauen: Alessandra Oliveira dos Santos (BRA/SB4) 1:43,20 Minuten (1013)
100m Brust Männer: Janis McDavid (Berliner Schwimmteam) 3:04,95 Minuten (863)
100m Rücken Frauen: Maria Carolina Gomes Santiago Araujo (BRA/S12) 1:08,80 (885)
100m Rücken Männer: Albert Gelis (ESP/S11) 1:06,63 Minuten (964)
400m Lagen Frauen: Siena Oxby (GBR/SM14) 5:40,37 Minuten (603)
400m Lagen Männer: Jonas Kesnar (CZE/SM9) 5:13,56 Minuten (718)