Am ersten Tag der Deutschen Meisterschaften in Berlin sichern sich auch Talente wie Linda Roth und Yara Fay Riefstahl mit starken Leistungen das EM-Ticket für Paris.
Die vergangenen Trainingsmonate gehörten sicher zu den härtesten in Angelina Köhlers Karriere. Zusammen mit ihrem Coach Lasse Frank hatte die 25-Jährige von der SG Neukölln Berlin die Intensität noch einmal ordentlich nach oben geschraubt. Und das machte sich bereits am ersten Tag der diesjährigen Deutschen Meisterschaften in Berlin bezahlt. Zweimal stieg die Lokalmatadorin am Donnerstag ins Becken – zweimal stieg sie mit Gold dekoriert wieder heraus. Sowohl über 100m Schmetterling mit 56,35 Sekunden als auch über 50m Freistil mit 24,81 war Köhler die Schnellste und erfüllte auf beiden Strecken deutlich auch die EM-Norm.
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„Die letzten Monate habe ich sehr hart trainiert. Da ist es natürlich schön, dass sich das auszahlt und schon so gut klappt“, sagte Köhler. „Wir sind im Prinzip zurück zu den Wurzeln gegangen. Letzte Saison hatte ich viel an Start, Wenden und Tauchphase gearbeitet – die klappen jetzt sehr gut. Aber ich bin halt nicht mehr hintenraus gekommen. Deswegen schwimmen wir wieder ein bisschen mehr Kilometer mit härteren Sets“, erklärte sie.
© Jo KleindlAngelina Köhler durfte am ersten Tag der Deutschen Meisterschaften gleich zwei Titel bejubeln
Die tolle Atmosphäre in der der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) tat ihr übriges. Im ZDF-Livestream schwärmte Köhler vom schnellsten Pool der Welt. Und sie jubelte nicht allein, denn auch die Zweitplatzierte Yara Fay Riefstahl (SC Chemnitz) knackte mit 58,23 die Norm für die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) und verbesserte zugleich deutlich den Jahrgangsrekord für 18-Jährige. „Ich bin überwältigt“, sagte sie. „Letzte Woche hatte ich noch damit zu kämpfen, die JEM-Norm zu schwimmen, heute früh war ich froh, dass ich einen Haken dahinter setzen konnte. Und im Finale wollte ich dann einfach Spaß haben und mein Ding machen. Aber dass dabei eine solche Zeit herauskommt, hätte ich niemals gedacht.“
Mit der Kappe ihres Freundes zu Goldmedaille Nummer zwei
Kurz darauf war Angelina Köhler auch über 50m Freistil erfolgreich. Im vergangenen Jahr hatte sich auf dieser Strecke den Titel noch mit Nina Holt (SC Magdeburg) teilen müssen, die diesmal Dritte wurde (25,06). Dieses Mal stand die Berliner ganz allein auf dem höchsten Treppchen. „Meine drei Titel will ich schon für mich haben“, meinte sie augenzwinkernd – und gab damit die Marschroute für die nächsten DM-Tage vor, an denen sie auch noch über die 50m Schmetterling antreten wird.
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Ihren Sprint-Titel sicherte sich Köhler übrigens mit der Kappe ihres Freundes Ole Braunschweig. „Ole und ich sind ein Paar, deswegen trage ich seine Kappe. Er ist eher der Sprinter, und heute habe ich Oles Sprintglück gebraucht. Das ist eine ganz süße Geste von ihm, so ist er immer bei mir.“ Hinter der Siegerin erfüllten Julianna Dora Bocska (SG Essen/25,04), Holt und Nina Jazy (SG Essen/25,15) jeweils die U23-EM-Norm. Damit kann der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) auf dieser Strecke das Kontingent von bis zu vier Starterinnen pro Nation voll ausschöpfen. Leonie Mau (SSV PCK 90 Schwedt) erfüllte mit 25,67 die JEM-Richtzeit.
Isabel Gose kratzt bereits früh im Jahr am deutschen Rekord
Insgesamt wurden in den DM-Finals bei den Frauen am Donnerstag sogar neun neue EM-Normen erreicht, plus eine weitere für die Jugend-Europameisterschaften in München (07. – 12. Juli) durch Zarina Selimovic (SG Dortmund) als Siegerin des B-Finales über 400m Freistil in 4:15,98 Minuten. Im A-Finale glänzte auf dieser Strecke Isabel Gose (SC Magdeburg), die mit 4:02,92 gerade mal acht Zehntel über ihrem eigenen deutschen Rekord von den Olympischen Spielen in Paris blieb.
© Jo KleindlIsabel Gose war über 400m Freistil eine Klasse für sich
„Ich bin ja oft ein bisschen selbstkritisch. Aber dafür, dass ich aktuell mit meiner Schulter zu tun habe und deshalb diesmal auch nicht so gut durchs Höhentrainingslager gekommen bin, sind 4:02 echt top!“, freute sie sich. Auf Nachfrage, wo sie trotz Schulterproblemen eine solche Zeit hergeholt habe, meinte sie: „Das ist das Training der letzten Jahre. Ich bin ja nicht erst seit gestern bei Bernd (gemeint ist Bundestrainer Bernd Berkhahn, Anm. d. Red.) trainieren, da bringe ich einen großen Puffer mit und dann kriegt man selbst so eine Verletzung gut über die Runden.“
Hinter Gose und Vereinskollegin Maya Werner (4:06,18), die die EM-Norm ebenfalls schon im Vorfeld abgehakt hatte und sich jetzt noch einmal steigern konnte, boten sich zwei weitere Magdeburgerinnen mit der U23-Norm für das Paris-Team an. Julianna Buttler (Jahrgang 2009) überraschte als Dritte in 4:11,45, knapp vor Leonie Märtens (4:11,79), die bereits im Freiwasser für die Europameisterschaften qualifiziert ist.
Roth und Benkler machen das Lagenrennen spannend bis zum Schluss
Spannend bis zum Schluss war das längste Rennen des Tages über 400m Lagen. Nach Schmetterling, Rücken und Brust hatte lag Noelle Benkler (SV Nikar Heidelberg) noch klar auf Kurs Titelverteidigung. Auf der Kraulstrecke kam dann aber Linda Roth (SC Magdeburg) immer näher heran und schob sich schließlich auf den letzten Metern noch an Benkler vorbei. Mit 4:43,20 beziehungsweise 4:43,38 jubelten aber beide über die EM-Norm. „25 Meter nach der Wende von Brust auf Kraul habe ich gemerkt, dass ich es schaffen kann, nochmal ranzukommen, und dann habe ich alles gegeben“, so die Siegerin. Für Roth (Jahrgang 2008) steht vor der EM in Paris noch die Jugend-Europameisterschaften in München (07. – 12. Juli) auf dem Plan. „Ich freue mich riesig auf die JEM in München vor Heim-Publikum“, sagte sie. Benkler kommentierte den knappen Rennausgang mit: „Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, so ist der Sport. Linda hat das verdient und ich freue mich mit ihr. Ich kann mit meiner Leistung zufrieden sein, die Zeit war sehr gut.“
© Jo KleindlLinda Roth freute sich am ersten Wettkampftag über den DM-Titel über 400m Lagen samt EM-Norm
Anders als Benkler konnte über 100m Rücken Lise Seidel ihren Titel verteidigen und gewann in 1:01,51 Minuten. Für die Chemnitzerin läuft diese Saison bislang nicht wie geplant, die 19-Jährige plagt sich mit Rückenproblemen und einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung herum, zudem bedeuten die Abiturprüfungen eine zusätzliche Herausforderung abseits des Beckens. „Mein Ziel war es, diesen Titel zu verteidigen und mich für die EM in eine gute Position für die Staffel zu bringen. Aber ich merke durch das wenige Training, dass es hinten raus noch fehlt. Das muss ich jetzt versuchen, bis zur EM wieder aufzuholen.“
Alle Deutschen Meisterinnen von Donnerstag:
100m Schmetterling: Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin) 56,35
100m Rücken: Lise Seidel (SC Chemnitz) 1:01,51
400m Lagen: Linda Roth (SC Magdeburg) 4:43,20
50m Freistil: Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin) 24,81
400m Freistil: Isabel Gose (SC Magdeburg) 4:02,92
4x100m Freistil: Dresdner SC 1898 (Hannah Victoria Bürger, Leni von Bonin, Helena Göde, Maya Tobehn) 3:52,49
4x100m Lagen Mixed: SG Frankfurt (Fritz Dietz, Anna Elendt, Ankush Yalgi, Pia Helli Henning) 3:54,46
Erfüllte EM-Normen 2026
Angelina Köhler 24,81
Julianna Dora Bocska 25,04 (U23)
Nina Holt 25,06 (U23)
Nina Jazy 25,15 (U23)25,15 25,00 50m Freistil 22,10 22,25 Martin Werde (22,18 (U23)
Linda Roth (54,30 (DJR)
Nina Holt 54,5255,00 54,60 100m Freistil 48,90 49,20 Kaii Liam Winkler 48,24Josha Salchow 48,49
Timo Sorgius 49,08 (U23)
Maya Tobehn 1:58,69
Linda Roth 1:59,02
Nina Holt 2:00,02 (U23)2:00,10 1:59,60 200m Freistil 1:47,20 1:48,00 Lukas Märtens 1:45,67
Jarno Bäschnitt 1:46,61
Oliver Klemet 1:46,79
Timo Sorgius 1:47,07
Isabel Gose 4:02,92
Maya Werner 4:06,18
Juliana Buttler 4:11,45 (U23)
Leonie Märtens 4:11,79 (U23)4:12,80 4:08,40 400m Freistil 3:46,60 3:48,60 Lukas Märtens (gesetzt)
Oliver Klemet 3:43,14
Johannes LIebmann 3:44,59
Sven Schwarz 3:46,52
Isabel Gose 8:24,69
Maya Werner 8:31,088:36,50 8:32,20 800m Freistil 7:48,90 7:52,50 Sven Schwarz (gesetzt)
Lukas Märtens (gesetzt)
Johannes Liebmann 7:37,94 (ER)
Oliver Klemet 7:45,66
Isabel Gose 15:55,04
Maya Werner 16:16,30
Leonie Märtens 16:23,57 (U23)16:28,70 16:17,30 1500m Freistil 15:04,70 15:14,10 Sven Schwarz (gesetzt)
Johannes Liebmann 14:39,67
Oliver Klemet 14:41,71
Angelina Köhler (gesetzt) 26,45 26,25 50m Schmetterling 23,45 23,60 Luca Nik Armbruster 23,29
Ole Mats Eidam 23,41
Josha Salchow 23,42
Angelina Köhler 56,35
Yara Fay Riefstahl 58,2359,10 58,60 100m Schmetterling 52,00 52,30 Luca Armbruster 51,60
Kaii Winkler 51,73
Björn Kammann 51,78
Josha Salchow 51,89
2:12,00 2:11,00 200m Schmetterling 1:57,00 1:57,90
28,45 28,25 50m Rücken 25,15 25,35 Vincent Passek 24,63
Ole Braunschweig 24,70
1:00,80 1:00,40 100m Rücken 54,40 54,80 Cornelius Jahn 53,97 Vincent Passek 54,31
Timo Sorgius 54,54 (U23)
Mitja Bauer 54,61 (U23/DJR)
Lise Seidel 2:12,29 (U23)
Maya Werner 2:12,77 (U23)2:12,80 2:11,80 200m Rücken 1:58,10 1:59,00 Lukas Märtens 1:55,85 (DR)
31,20 31,00 50m Brust 27,35 27,55 Melvin Imoudu 27,08
Anna Elendt (gesetzt) 1:07,30 1:06,80 100m Brust 59,70 1:00,20 Melvin Imoudu 59,56
Lena Ludwig 2:26,58 (U23) 2:27,20 2:26,10 200m Brust 2:10,90 2:11,90
Noelle Benkler 2:12,19 2:13,80 2:12,80 200m Lagen 2:00,60 2:01,50 Timo Sorgius 2:00,66 (U23)
Finn Hammer 2:01,35 (U23)
Linda Roth 4:43,20
Noelle Benkler 4:43,384:44,60 4:43,50 400m Lagen 4:15,60 4:17,50 Cedric Büssing 4:13,56
3:39,80 4x100m Freistil 3:15,40
7:57,50 4x200m Freistil 7:10,00
4:01,40 4x100 m Lagen 3:35,40
4x100m Lagen Mixed 3:46,70
4x100m Freistil Mixed 3:28,50
4x200m Freistil Mixed 7:31,00
Pro Strecke können bis zu vier Startplätze vergeben werden Stand 24. April 13:20 Uhr