Warum Florian Wellbrocks Fokus 2026 auf dem Freiwasser liegt

Raik Hannemann
Raik Hannemann
10:00

Der Vierfach-Weltmeister spricht vor dem Saisonstart in Ägypten über seine Planungen und Ziele. Und über die besondere Motivation fürs EM-Rennen in der Pariser Seine.

Florian Wellbrock startet am kommenden Freitag in die neue Saison© Jo Kleindl

Florian Wellbrock startet am kommenden Freitag in die neue Saison

Bei den Weltmeisterschaften 2025 in Singapur räumte Florian Wellbrock alle vier Titel im Freiwasserschwimmen ab. Beim Weltcup in Soma Bay (EGY/27. – 28. März) startet der 28-Jährige vom SC Magdeburg am Freitag dieser Woche nun in die neue Wettkampfsaison. Im Sommer stehen dann aber auch die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) an, bei denen wieder in der Seine geschwommen wird.

 

Sie gewannen in Singapur über 10km, 5km, im Knockout Sprint und dann auch noch mit der Staffel. Fällt einem der Start da schwerer als sonst? Wiederholbar ist solch ein Coup vermutlich eher nicht, oder?

Florian Wellbrock: Egal was kommt, es kann nur schlechter werden. Diesen Gedanken hat man zwar schon im Hinterkopf, denkt aber nicht natürlich ständig dran. Zumal sich diese Saison ohnehin nicht vergleichen lässt mit den vorherigen.

Florian Wellbrock will erstmals bei allen Freiwasser-Weltcups der Saison mitschwimmen

Was genau meinen Sie damit?

Wir haben nach langer Zeit mal wieder ein Jahr, in dem „nur“ eine EM stattfindet. Das gab es so 2018 zum letzten Mal. Ansonsten standen wegen Covid und all den damit verbundenen Verschiebungen seither ja immer entweder Olympia oder eine zusätzliche WM an. Diesmal wird es daher eine entspanntere Saison für mich. Und die brauche ich wohl auch mal. Ich merke das daran, dass ich in dieser Saison schon relativ oft krank war – was für mich echt ungewöhnlich ist. Vielleicht muss der Körper einfach ein bisschen Tribut zollen für die letzten Jahre.

 

Zu welchen Zielstellungen führt das konkret?

Ich gehe diese Saison diesmal ohne konkrete Ziele an, halte mich da auch medial zurück. Die Zahl der Trainingskilometer sinkt deswegen aber nicht. In meinem Alter kommt es eh eher auf die Trainingsinhalte an. Ich freue mich vor allem auf die Weltcup-Tour, die in diesem Jahr zeitlich viel kompakter angesetzt ist. Deswegen mache ich diesmal auch alle Rennen mit, das habe ich vorher noch nie geschafft. Darauf liegt jetzt erst einmal der Fokus. Das hat übrigens auch monetäre Ursachen, denn über die marginalen Preisgelder bei einer Europameisterschaft kriegen wir uns ja gar nicht richtig refinanziert.

 

Zahlen des Freiwasser-Weltcups 2026

Für den Sieg im Gesamtweltcup sind wieder 50.000 US-Dollar ausgelobt, dahinter gibt es abgestuft 35.000 und 25.000 US-Dollar bis hin zu Platz zehn (1.500). Einzelne Weltcupsiege werden mit 3.500 Dollar belohnt, für die Sprintwertung sind jeweils 1.000 Dollar zusätzlich drin. Zum Vergleich: Bei den Europameisterschaften 2022 gab es nur 2.000 Euro pro Sieg. Die EM-Prämien für 2026 sind noch nicht öffentlich publiziert.

 

Die Weltcup-Termine sind

  • Soma Bay (EGY): 27./28. März
  • Ibiza (ESP): 24./25. April
  • Golfo Aranci (ITA): 01./02. Mai
  • Setubal (POR): 20. bis 21. Juni
Florian Wellbrock mit seinen vier WM-Goldmedaillen© Jo Kleindl

Florian Wellbrock mit seinen vier WM-Goldmedaillen

Heißt das zugleich, dass das Beckenschwimmen von nun an nur noch eine untergeordnete Rolle spielt?

Nein. Ich kann in diesem Jahr zwar bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin nicht mitschwimmen, weil zeitgleich der Freiwasser-Weltcup auf Ibiza ansteht. Aber ich werde trotzdem versuchen, zwischendurch in Stockholm oder Magdeburg mir den EM-Start im Becken zu sichern. Und dafür muss es schnell werden bei der starken nationalen Konkurrenz. Zum Glück werden diesmal aber auf jeder Strecke vier EM-Plätze vergeben. Daher sollte das dann auch klappen.

 

Auch im eigenen Lager wird die Konkurrenz auf den Langstrecken immer stärker. Sven Schwarz gewann zweimal WM-Silber in Singapur auf den langen Strecken, und in der eigenen Trainingsgruppe macht auch Johannes Liebmann weiter Fortschritte. Nach dem Junioren-Weltrekord im Dezember auf der Kurzbahn war der 18-Jährige im Februar bei der im Becken ausgetragenen EM-Qualifikation über 5km sogar schnellster Deutscher. Wie nehmen Sie das wahr?

Johannes profitiert gerade von biologischen Entwicklungen des Körpers, die in diesem Alter immer anstehen. Und wenn man das auch noch kombiniert mit gutem Training, dann kann das richtig schnell werden. Genau das sehen wir hier gerade. Das ist absolut positiv. Schlimmer wäre ja, wenn bei uns keine schnellen Leute nachwachsen würden.

Die neue Weltrangliste interessiert Florian Wellbrock bislang wenig

Noch einmal zurück zum Freiwasser. In der neu eingeführten Weltrangliste stehen Sie trotz vier WM-Siegen derzeit nur auf Rang zwei. Für Olympia wird 2028 dann aber ein Startplatz für LA an den Weltranglistenersten vergeben. Spielte das schon eine Rolle bei der Entscheidung, keine Weltcups mehr auszulassen?

Ehrlich gesagt: Nein. Mit der Option habe ich mich noch gar nicht ernsthaft beschäftigt. Ich halte die Liste derzeit für nicht sonderlich aussagekräftig, da Leuten mit Doppelstarts im Becken bislang immer einige Rennen und damit Punkte fehlten. Aber letztlich ist das ja vor allem ein Versuch, unseren Sport nach außen hin noch attraktiver zu machen. Wenn das damit klappt, um so besser.

Florian Wellbrock mit seinen vier WM-Goldmedaillen© Jo Kleindl

Florian Wellbrock mit seinen vier WM-Goldmedaillen

Olympia 2028 ist aber nach wie vor das Ziel, oder?

Als ich mich nach Paris 2024 dazu entschied weiterzumachen, galt das für den gesamten Zyklus bis LA. Daran hat sich nichts geändert.

 

Bei der EM in Paris wird Anfang August wieder in der Seine geschwommen. Allerdings in einem anderen Abschnitt als bei Olympiaplatz neun 2024. Was halten Sie davon, es gab ja viel Ärger um Strömung und Wasserqualität.

Ich finde es fast schade, dass es nicht an derselben Stelle passiert. Dann könnte man direkt etwas gutmachen. Grundsätzlich verbinde ich aber keine negativen Erfahrungen mit der Stadt. Ich weiß, dass es damals eine mentale Formsache war. Deswegen kann ich mich sportlich gesehen auf Paris durchaus freuen.

Florian Wellbrock führt das Feld am liebsten an© Jo Kleindl

Florian Wellbrock führt das Feld am liebsten an