Warum die Aussicht auf Olympia in NRW Klara Bleyer zusätzlich motiviert

Philip Häfner
Philip Häfner
16:35

Bis Sonntag läuft das Referendum über eine Bewerbung der Region „KölnRheinRuhr“ für die Sommerspiele. Die Synchronschwimmerin macht sich für Olympia stark.

Synchronschwimmerin Klara Bleyer aus Deutschland im Solowettbewerb beim Weltcup 2026 in Paris© Anh Viet CHAU / World Aquatics

Klara Bleyer sieht in Olympia in Deutschland die Chance auf ein weiteres Sommermärchen – so wie 2006 zur Fußball-WM

An diesem Sonntag sollen in Nordrhein-Westfalen die Weichen für Olympia gestellt werden. Bis zum 19. April sind mehr als vier Millionen Menschen in 17 NRW-Städten dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, ob sich ihre Kommune an der Bewerbung „KölnRheinRuhr“ um Olympische und Paralympische Spiele beteiligen soll. Längst ist das Thema auch im Umfeld von Synchronschwimmerin Klara Bleyer regelmäßiges Gesprächsthema. „Das Interesse an Olympia ist spürbar“, sagt sie. Überall im Land würde für die Kampagne die Werbetrommel gerührt, Banner prankten auf Bussen, Bahnen und im weiteren Stadtbild. „Da ist es doch logisch, dass sich die Leute mit ihren Freund*innen darüber unterhalten.“

Da kriege ich direkt Gänsehaut.

Bei ihr zu Hause war Olympia schon immer eine große Sache. „Wir haben gemeinsam vor dem Fernseher gesessen und die Wettbewerbe verfolgt“, erzählt die 21-Jährige, die sich persönlich klar für eine NRW-Bewerbung ausspricht. Dass sie 2036, 2040 oder 2044, wenn die Sommerspiele womöglich nach über 60 Jahren wieder einmal nach Deutschland kommen sollen, selbst noch als Aktive am Start sein würde, hält Bleyer zwar für eher unwahrscheinlich. Die Aussicht auf Olympia im eigenen Land, womöglich gar vor der eigenen Haustür, motiviert die Europameisterin von den Freien Schwimmern Bochum aber schon jetzt. „Das wäre für mich auch kurzfristig ein zusätzlicher Ansporn. Einfach weil es zeigt, wie sehr der Sport die Menschen hierzulande fasziniert.“

Auf Schalke winken Zuschauerrekorde für Schwimmen und Synchronschwimmen

Gerade für Sportarten wie das Synchronschwimmen, das sonst häufig eher im Schatten steht, bietet Olympia die perfekte Bühne. „Ich kann mir vorstellen, dass wenn Olympische Spiele hier vor Ort stattfinden, sich dann auch mehr Leute fürs Synchronschwimmen begeistern können“, sagt Klara Bleyer. Bei einem Erfolg der Bewerbung „KölnRheinRuhr“ wäre diese Bühne so groß wie nie. Schließlich sollen nicht nur die Schwimmwettbewerbe in der Fußball-Arena auf Schalke stattfinden, sondern auch die im Synchronschwimmen, und das vor über 60.000 Besucher*innen. „Das wäre nochmal eine andere Hausnummer für unseren Sport. Da kriege ich direkt Gänsehaut“, so Bleyer.

Die Synchronschwimmerinnen Klara Bleyer und Amélie Blumenthal Haz aus Deutschland beim Weltcup 2026 in Medellin im Duett© Federacion Colombiana de Natacio/ World Aquatics

Zusammen mit ihrer Duettpartnerin Amélie Blumenthal Haz will Klara Bleyer (l.) 2028 in Los Angeles auch sportlich zu Olympia

Synchronschwimmerin Solène Guisard testet den Olympia-O-Mat

Überhaupt hat die NRW-Bewerbung enorme Dimensionen. Das Konzept sieht 17 Städte vor, in denen die verschiedenen Wettbewerbe ausgetragen werden: Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal. Dazu kämen noch Kiel oder Warnemünde und Markleeberg als Standorte für Segeln beziehungsweise Kanuslalom. Gleichwohl ist das Konzept kompakter als Paris (FRA) 2024 oder Los Angeles (USA) 2028. Rund 14 Millionen Tickets sind vorgesehen.

Das Interesse an Olympia ist spürbar.

Von Olympia profitiert auch der Breitensport

Klara Bleyer glaubt, dass die Region bereits durch die Olympiabewerbung profitiert, weil beispielsweise der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und in die Sportstätten investiert wird. „Diese Anlagen stehen dann nicht nur dem Leistungssport zur Verfügung, sondern auch dem Breitensport“, sagt sie. Die Lebensqualität würde dadurch steigen.

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Die Synchronschwimmerin setzt außerdem darauf, dass Olympia den Zusammenhalt in der Gesellschaft befördert und die Menschen zusammenbringt – ein Sommermärchen 2.0 wie bei der Fußball-WM 2006. „Irgendwie teilen in dem Moment doch alle eine gemeinsame Leidenschaft und erleben zusammen diesen Moment. Das ist ein Gefühl, das man nicht ersetzen kann.“ Wie begeisterungsfähig die Menschen in NRW sind, haben im vergangenen Jahr bereits die World University Games an Rhein und Ruhr gezeigt. „Die Stimmung war super“, sagt Bleyer, „die Leute haben richtig mitgefiebert. Das zeigt ja, dass die Menschen hier Lust auf tollen Sport haben und NRW bereit ist für Olympia.“

So läuft die deutsche Olympiabewerbung

NRW ist der zweite nationale Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele, der seine Bürger*innen zum Referendum bittet. Bereits im Oktober 2025 hatte sich in München eine deutliche Mehrheit von über 66 Prozent der Bevölkerung für Olympia ausgesprochen. Weitere Interessenten aus Deutschland sind Hamburg und Berlin. In Hamburg ist das Referendum für den 31. Mai angesetzt. In der Hauptstadt gibt es aus Verfassungsgründen keinen Bürger*innenentscheid, sondern eine Volksinitiative mit anschließender Abstimmung im Abgeordnetenhaus.

Die Entscheidung über den deutschen Kandidaten fällt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 26. September 2026. Potenzielle internationale Mitbewerber für die Spiele 2036, 2040 und 2044 sind Indien mit Ahmedabad, Doha (QAT), Istanbul (TUR), Chiles Hauptstadt Santiago sowie Budapest (HUN) und Südafrika.