Heike Schmidt und Kilian Graef gewinnen den Deutschland-Ice-Cup. Und der Weltcup-Gesamtsieger sorgt bei den Zollhaus Open für Verwunderung.
Der Himmel leuchtete spätabends dunkelblau, der Boden war weiß und die Lufttemperatur weit unter null Grad. Bei den Zollhaus Open – in diesem Jahr zugleich Deutsche Meisterschaften im Eisschwimmen sowie Finale des Deutschland-Ice-Cups und des Weltcups – konnte man von der Landschaft und den Bedingungen her denken, man wäre in Finnland gelandet. Das Wettkampfbecken im Wald, umrandet von Fichten, deren Nadeln mit einer dicken Schneeschicht bedeckt sind, war für die über 100 Athlet*innen bei 2,4 Grad Wassertemperatur fast schon eine willkommene Möglichkeit, sich aufzuwärmen.
© Kilian Graef
„Fünf Tage vor dem Event war es ziemlich warm“, sagte Gerrit Curcio, der die Zollhaus Open zusammen mit Christof Wandratsch und seinen Söhnen ins Leben gerufen hat. „Wir mussten das Becken zwar jeden Tag von Eis befreien, aber dank der warmen Tage im Voraus war es immer nur eine dünne Schicht.“ Am Freitag war der Pool im See dann bereit für die Titelkämpfe.
Heike Schmidt macht bei den Zollhaus Open den DM-Titel im Eisschwimmen perfekt
Auf den langen Strecken (500m und 1000m) war Lisa Holm (VfL Osnabrück) beste Deutsche und holte sogar Rang drei im Gesamtweltcup. Vize-Weltmeisterin Marie-Therese Bartl (Serwus Burghausen) startete nur am Samstag, da aber gleich in drei Rennen. Die Freistilspezialistin siegte über die 50m, 100m und 250m. Sie war mit ihren Zeiten auf den kurzen Strecken allerdings nicht ganz zufrieden: „Das Wasser war relativ dunkel, das hat die Orientierung schwer gemacht.“ Ihre ersten beiden Rennen beendete sie weit über Bestzeit. „Über die 250 Meter hatte ich mich dann schon dran gewöhnt.“ Obwohl sie die meisten Titel holte, freut sich Bartl nach knapp vier Monaten Eisschwimmsaison nun langsam auf die Saisonpause. „Wenn man erstmal im Wasser ist, macht es Spaß und der Ehrgeiz ist da“, sagte sie, „aber zwischen den Wettkämpfen ist die Luft langsam ein bisschen raus.“
Mit den Zollhaus Open endete der Deutschland-Ice-Cup. Die Wettkampfserie entschied nach vier Wettkämpfen in Hannover, Burghausen, Veitsbronn und Neuhermsdorf bei den Frauen Heike Schmidt für sich. Die Eisschwimmerin von den Rostocker Seehunden machte als eine von sechs Athlet*innen in Deutschland alle Stationen mit und setzte sich mit 77 Punkten Abstand gegen 120 Konkurrentinnen durch. In der Para-Wertung siegten Joseph Rothenaicher (Serwus Burghausen) und Tina Deeken (SSF Obernkirchen), die jeweils nur eine Station ausließen.
Zum Endstand in der Gesamtwertung
Nur die längeren Fingernägel entscheiden bei den Männern
Extrem knapp ging es bis zum letzten Wettkampf bei den Männern zu. Thomas K. Hamann (SG Stadtwerke München) und Kilian Graef (SC Regensburg) trennten zwei Punkte. Mit drei Deutschen Meistertiteln setzte sich der Regensburger am Ende knapp durch. Ähnlich eng verliefen die Einzelrennen. Über die 250m Freistil erlebte das Publikum, wie sich der Tscheche Jiri Polansky nach furiosen letzten 100m mit 0,02 Sekunden Vorsprung gegen Graef durchsetzte. Im Anschlagduell über 50m Freistil gegen den Ex-Vize-Weltmeister über diese Strecke Christian Virgil Tranulea hatte dann Graef die längeren Fingernägel. 0,06 Sekunden rettete der 20-Jährige gegen den späteren Gesamtweltcup-Sieger ins Ziel.
© privat
Der Rumäne sorgte bei den Zollhaus Open für Verwunderung. Trotz Meldungen ließ er die 1000m, 500m und 250m Freistil aus. „Ich habe mir genau ausgerechnet, was ich für den Weltcup-Gesamtsieg schwimmen muss“, sagt Tranulea. „Ich bin froh, dass die kurzen Strecken gereicht haben. Alles über 250 Meter ist nichts für mich.“ Bei der Heim-WM 2027 in Rumänien möchte er sich wieder über die Kurzstrecken beweisen. Aber daran denkt nach den offenen Deutschen Meisterschaften erstmal noch niemand. „Jetzt ist erstmal Grundlagentraining und Sommer genießen angesagt“, so Graef. „Kaltes Wasser kann ich jetzt nicht mehr sehen. Bis ich es wahrscheinlich im Herbst wieder vermisse.“