Deutschlands erfolgreichste Para Schwimmerin schwimmt im März in Barcelona und danach auch beim Heimspiel in Berlin schon wieder mit. Hier spricht die 32-Jährige erstmals über ihre Rückkehr.
© pa/Eibner-Pressefoto/Michael MemmlerElena Semechin bei der Sportgala in Baden-Baden. Dort erhielt die Para Schwimmerin im Dezember einen Sonderpreis
Während eines Trainingslagers auf Teneriffa (ESP) hat Paralympics-Siegerin Elena Semechin (geb. Krawzow) verkündet, dass sie genau ein halbes Jahr nach der Geburt ihres Sohnes Klaus ihr Comeback im Wettkampfbecken geben wird. Die sehbeeinträchtigte Schwimmerin, die zwischen ihren großen Siegen in Tokio (JPN) 2021 und Paris (FRA) 2024 einen Hirntumor therapieren musste, beeindruckt damit ein weiteres Mal.
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„Am 20. März werde ich mein Comeback beim Worldcup in Barcelona angehen und meinen ersten Wettkampf nach der Schwangerschaft schwimmen. Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder auf den Startblock zu steigen und alles zu geben“, schrieb Semechin auf Instagram. „Auf das Ergebnis bin ich gespannt und wünsche mir natürlich, mindestens so schnell zu sein wie bei meinem letzten Rennen zu Beginn meiner Schwangerschaft, genau bei demselben Wettkampf in demselben Becken vor einem Jahr.“
Elena Semechin plant fest mit World Series und IDM in Berlin
Wenige Wochen später gastiert die World Series dann auch in Berlin, natürlich will Semechin vom 07. – 09. Mai auch bei ihrem Heimspiel dabei sein. Anschließend folgt mit den Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM/10. – 12. Mai) gleich ihr Lieblingswettkampf, an dem die 32-Jährige nun erstmals als Mutter teilnehmen möchte.
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Denn im Schwimmbecken läuft schon vieles wieder wie früher. In Teneriffa schlüpfte sie erstmals wieder in den engen Wettkampfdress. „Auch die Zeiten waren für meinen aktuellen Trainingsstand schon ziemlich gut. Darüber habe ich mich sehr gefreut und die Sprints haben einfach Spaß gemacht. Dieses Tempo, dieses Brennen in den Muskeln, dieses Gefühl, alles rauszuhauen – super“, so Semechin.
Elenea Semechins Mann und Trainer Phillip nimmt gerade Elternzeit
Die Rückkehr ins Leben als Sportlerin sei ihr anfangs aber alles andere als leichtgefallen, verriet Semechin. „Ich hatte das Leben als Elena, als Sportlerin, als Speakerin irgendwie gar nicht mehr drauf. Ich hatte immer Klaus im Kopf und meine Gedanken sind immer wieder abgeschweift, sodass ich mich teilweise gar nicht konzentrieren konnte. Auch beim Training hatte ich das Gefühl, mein Kind weint und ich muss jetzt zu ihm, obwohl er zu Hause und gut versorgt war. Inzwischen gelingt es mir besser, aber ich gehe weiterhin auch mit einem weinenden Auge aus der Tür“, verriet Semechin im ntv-Interview.
Ihr Mann Phillip Semechin, bisher auch ihr Trainer, nahm extra Elternzeit. Er schreibt zwar weiterhin die Trainingspläne für Elena, die Arbeit am Beckenrand übernahmen derzeit aber noch andere Kollegen. Zudem hat Semechin inzwischen auch eine Assistentin, die ihr im Büro vieles abnimmt. Schließlich engagiert sich die Schwimmerin auch im Präsidium der Interessenvertretung Athleten Deutschland, unter anderem für bessere Rahmenbedingungen für Mütter im Sport. „Ich finde es traurig, dass sich Sportlerinnen heutzutage entscheiden sollen zwischen der sportlichen Karriere und Mama sein“, sagte sie selbst.
Elena Semechin wollte ihr Kind unbedingt noch sehen können
Semechin erzählte zudem, dass sie während der Schwangerschaft keine Kontrolluntersuchungen zu ihrer Krebserkrankung durchführen konnte. Und dass nach der Geburt aber dann herauskam, dass nichts nachgewachsen sei. „Ich bin sehr beruhigt und freue mich auf die schöne nächste Zeit mit dem Wissen, da ist nichts“, sagte sie.
Viel mehr beschäftigt hätte sie, dass Ärzte keine gute Prognose über den Erhalt der verbliebenen zwei Prozent Sehfähigkeit erstellt hatten. „Ich war bei der Diagnose noch schwanger und hatte viele Sorgen: Was ist, wenn die zwei Prozent nicht reichen, bis mein Sohn da ist? Ich wollte unbedingt noch meinen Sohn sehen. Auch wenn es nur zwei Prozent Sehkraft sind, für mich sind sie die Welt. Gott sei Dank habe ich sie noch immer. Aber die Angst ist da, auch den Rest zu verlieren.“
