Wie Weltmeisterin Anna Elendt wird die Brustschwimmerin ab 2027 dann von Carol Capitani in Texas betreut.
© Jo KleindlDie Heidelbergerin Lena Ludwig wurde 2026 deutsche Lagenmeisterin im BrustschwimmenElendt
Im September reiste Lena Ludwig quer durch die USA. Die Schwimmerin vom SV Nikar Heidelberg schaute sich für ihre Zukunftsplanung die Universitäten in Indiana, Tennessee und Texas genauer an. Als mehrfache Europameisterin der Juniorinnen und JWM-Zweite lagen der 19-Jährigen mehrere lukrative Angebote vor, der US-Collegesport wird derzeit bekanntlich von so vielen Milliarden US-Dollar durchflutet wie noch nie. Ludwig entschied sich am Ende für Austin (Texas) und gab ihre mündliche Zusage, dort will sie ab Herbst 2027 mit einem Vollstipendium Ernährungswissenschaften studieren. Schriftlich fixiert werden soll alles dann wohl im November.
Und nicht minder wichtig: Ludwig kann dort unter tollen Bedingungen bei einem der aktuell wohl angesagtesten Projekte der Schwimmwelt trainieren. „Stars wie Summer McIntosh jeden Tag zu erleben, ist sicher etwas ganz Besonderes“, sagte Ludwig. Natürlich hat sie sich auch schon viel mit Deutschlands Weltmeisterin Anna Elendt ausgetauscht, die vor fünf Jahren ebenfalls diesen Weg gegangen war und nach Abschluss des Studiums weiter dort blieb. Auch Regan Smith (USA), Léon Marchand (FRA), Hubert Kós (HUN) und neuerdings US-Toptalent Audrey Derivaux schwimmen allesamt in Texas.
Gute Erfahrungen mit Uta Brandl in Heidelberg
Bald dann also auch Lena Ludwig. Den letzten Ausschlag dafür gegeben hat übrigens, dass mit Carol Capitani wieder eine Frau ihre Trainerin sein wird (Starcoach Bob Bowman kümmert sich hauptsächlich um die Männer). Schon in den ersten drei Jahren am Heidelberger Bundesstützpunkt hatte Ludwig mit Uta Brandl eine Trainerin gehabt und das sehr zu schätzen gelernt. „Uta war immer für einen da, fast wie eine Mama“, so Ludwig. Um dann zu präzisieren: „Ich habe einfach das Gefühl, dass mit einer Frau eine andere Trainer-Sportler-Beziehung möglich ist. Das ist jetzt nichts gegen Santi, aber bei den Gesprächen mit Carol hat mich vieles einfach an Uta erinnert.“
„Santi“ meint Bundesstützpunkttrainer Santiago Marquez Fuentes, zur Elitegruppe des Spaniers zählt Ludwig seit vergangener Saison. Und geht mit ihm dort auch noch den Weg zu den Weltmeisterschaften 2027 in Budapest (HUN/10. – 18. Juli) an. Dass der nächste Wechsel anders als bei Vereinskollegin Noelle Benkler (will ab Herbst 2028 an der Universität von Kalifornien in Berkeley studieren) zu Beginn der olympischen Saison stattfindet, ist sportlich natürlich nicht ohne Risiko. Aber das geht Ludwig ganz bewusst ein.
Das Leben neben dem Sport ist Lena Ludwig auch wichtig
„Noelle macht erst ein Jahr später Abi als ich, deswegen wechselt sie auch erst nach Olympia. Ich bin durch die Schulzeitstreckung aber schon 20, wenn ich mit dem Abi fertig werde und will einfach nicht noch ein Jahr länger warten mit dem Studium. Denn es gibt halt auch noch ein Leben abseits des Sports“, erklärte Ludwig.
In Sachen Olympiatraum hat sie auch ganz klare Vorstellungen: „Es ist eine Fifty-Fifty-Chance. Man weiß nie vorher, wo es besser klappt. Außerdem habe ich langfristig ja auch noch für Brisbane 2032 eine Chance. Deswegen gehe ich das Risiko ganz bewusst ein. Und setze mich da überhaupt nicht unter Druck. Und wer weiß: Vielleicht wird es ja auch mega.“ Bei Disziplinkollegin Anna Elendt hat es in Texas schließlich auch hervorragend geklappt.