Zweites Gold: Moritz Wesemann regiert in Paris das Brett

Philip Häfner
Philip Häfner
23:23

Erst mit dem letzten Versuch machte er diesmal den Sieg perfekt – doch den Grundstein für den Erfolg legte er schon viel früher.

Moritz Wesemann gewann in Paris zwei Europameistertitel für Deutschland© Jo Kleindl

Moritz Wesemann gewann in Paris zwei Europameistertitel für Deutschland

Moritz Wesemann ist im Wasserspringen der Brett-König von Paris. Nach dem Gold vom 1m-Brett am vergangenen Samstag sprang der 24-Jährige vom SV Halle am Mittwochabend auch vom 3m-Brett zum Europameistertitel. Und das auf höchst dramatische Weise. Erst mit dem letzten Versuch schob sich Wesemann mit einem Schraubensalto in Perfektion noch am bis dahin führenden Briten Jordan Houlden vorbei, der beim letzten Sprung böse gepatzt hatte. Am Ende wurde Houlden mit 474,90 Punkten sogar nur Dritter, Silber schnappte sich noch Jules Bouyer (484,60), der Gastgeber Frankreich damit die erste Medaille beim Wasserspringen bescherte.

Ganz oben aber thronte Moritz Wesemann mit 506,80 Punkten. „Ich bin unfassbar glücklich“, sagte er. Und erzählte zum wilden Ausgang im letzten Durchgang: „Ich habe das mitbekommen, weil die Briten direkt vor mir gesprungen sind.“ Normalerweise trägt er während des Wettkampfes nämlich Kopfhörer und versucht, das Geschehen um sich herum weitgehend auszublenden. „Aber irgendwann müssen die Kopfhörer ja raus.“ Trotzdem blieb Wesemann ganz cool: „Beim letzten Versuch ist der Körper unter Schock, fängt ein bisschen an zu zittern. In diesem Wettkampf habe ich das aber gut hingekriegt. Und dann einfach abgerufen habe, was ich trainiert habe. Das ist schon etwas Besonderes mit dem ganzen Adrenalin.“

Die Punktzahl macht diesen Titel noch wertvoller als den ersten

2023 war Wesemann schon einmal Europameister vom 3m-Brett geworden. „Dieser Sieg war noch mal anders als in den Jahren zuvor. Das erste Mal über 500 Punkte international, was die Schwelle ist, mit der man dann in Richtung Medaillen geht auch in der Weltspitze. Das gibt mir super viel Mut, dass ich damit in den nächsten zwei Jahren in Richtung LA gehen kann“, so der Hallenser. Über die Leistung, mit der sie errungen wurde, freute er sich deshalb fast noch mehr als über die Goldmedaille selbst. „Die schönere Leistung sind für mich tatsächlich die 500 Punkte. Die Goldmedaille ist dann die Kirsche auf der Sahnetorte.“

Alle EM-Ergebnisse in Paris

Und während nach dem Wettkampf alle vor allem über den letzten Sprung sprachen, mit dem der Sieg eingetütet wurde, erkannte der Sieger selbst einen anderen Sprung als vorentscheidend dafür, dass weitere Abend später so erfolgreich verlief. Im dritten Durchgang gelang ihm der 3,5-fache Salto rückwärts so gut wie noch nie – einer seiner Wackelsprünge. „Ich bin sehr glücklich, dass mir der Rückwärts geglückt ist, was meiner Meinung nach der mit Abstand schwerste Sprung in der Serie ist für mich. Ich habe aber sehr viel an dem gearbeitet und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass der irgendwann mal im Wettkampf so kommt.“

Auch Lou Massenberg überzeugt im Finale als EM-Fünfter

Entsprechend überschwänglich fällt auch sein Gesamtfazit dieser Titelkämpfe aus. „Für mich hätte es nicht besser laufen können“, meinte Wesemann. „Ich habe Bestleistung von einem Meter und von drei Meter gemacht. Ich habe zwei Goldmedaillen geholt bei einem sehr starken Feld. Darüber freue ich mich sehr.“ Bevor es demnächst in den Urlaub geht, steht am Freitag nun noch eine Weisheitszahn-OP an: „Das wird spaßig. Aber ich muss die Gelegenheit nutzen, dass ich mal nicht trainieren muss.“ Ehe dann der Blick schon wieder auf die nächsten Höhepunkte gerichtet wird.

Für die nimmt auch Lou Massenberg (SV Halle) viel Positives aus Paris mit. Der 25-Jährige wurde im Finale mit 434,20 Punkten Fünfter und konnte dabei gegenüber dem Vorkampf um knapp 60 Zähler zulegen. „Der perfekte Wettbewerb war es nicht, aber ich bin sehr zufrieden. Über 400 Punkte bin ich international noch nicht so oft gesprungen. Das macht Hoffnung auf mehr.“ Nach dieser Leistung und zuvor sogar Gold im 3m-Synchronspringen mit Jonathan Schauer (SV Halle) äußerte auch er sich „extrem zufrieden“ mit dem Verlauf der Wettkämpfe.