Jette Müller wird bei der EM in Paris außerdem Sechste. Die Italienerin Chiara Pellacani feiert derweil bereits ihren vierten Titel.
Den Abend nach dem EM-Finale vom 3m-Brett wollten Lena Hentschel (Berliner TSC) und Jette Müller (Dresdner SC 1898) noch mit einem Film auf dem gemeinsamen Hotelzimmer ausklingen. Eine Liebesschnulze vorzugsweise, „irgendwas, was ein bisschen die Gedanken abdriften lässt“, meinte Hentschel. Auch als Ablenkung darüber, dass im Wettkampf bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) am Dienstagabend nicht alle Hoffnungen aufgegangen waren.
© Jo KleindlLena Hentschel beim Schraubensalto im EM-Finale vom 3m-Brett
Platz fünf mit 297,65 Punkten für die Berlinerin und Platz sechs mit 287,00 für Müller standen am Ende zu Buche. „Es war ein guter Wettkampf, aber in dem Feld braucht man halt einen sehr guten Wettkampf – und den hatte ich heute leider nicht. Es war auf jeden Fall mehr drin“, meinte Hentschel. Sie könne mit keinem Sprung wirklich unzufrieden sein. „Es hat nur dieses letzte Fünkchen gefehlt.“
Jette Müller haderte vor allem mit dem 2,5-fachen Salto rückwärts gleich zu Beginn, der ihr deutlich misslang. „Der erste Sprung hätte nicht sein müssen“, sagte sie. „Aber ich habe den Kopf nicht in den Sand gesteckt und danach noch gezeigt, was ich draufhabe. Mit den restlichen Sprüngen bin ich eigentlich relativ zufrieden und habe gegenüber dem Vorkampf starke Verbesserungen gezeigt.“ Dieses positive Gefühl wollen beide jetzt in den 3m-Synchronwettkampf am Donnerstag mitnehmen. „Darauf fokussieren wir uns jetzt beide voll“, sagte Müller.
Den Titel sicherte sich einmal mehr die Italienerin Chiara Pellacani, die in Paris damit bereits ihr viertes Gold feierte. Mit 358,05 Punkten lag sie deutlich vor Yasmin Harper (GBR/318,70) und Nadezhda Trifonova(NAB/312,40). „Da kann ich nur meinen Hut ziehen“, zollte Lena Hentschel der Siegerin Respekt. „Ich kenne Chiara jetzt schon so lange, wir sind damals noch Jugendwettkämpfe zusammen gesprungen. Deswegen habe ich ihre ganze Entwicklung miterlebt. Und was sie da gerade für eine Dominanz zeigt: Chapeau!“
Risiko von Eikermann/Avila Sanchez wird nicht belohnt
Beim Turm-Synchronspringen hatten zuvor Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen) und Luis Avila Sanchez (Berliner TSC) mit 392,43 Punkten Platz fünf erreicht. Es war ein Wettkampf, der wieder einmal deutlich machte, wie nah Glück und Unglück in einer solch komplexen Sportart wie Wasserspringen beisammen liegen. Nach den ersten drei von insgesamt sechs Durchgängen waren die Deutschen noch Zweiter gewesen, nur Punkt hinter den führenden Briten, die am Ende ebenfalls leer ausgehen sollten. Dann aber misslang ihnen der 3,5-fache Salto rückwärts. Innerhalb einer Runde betrug der Rückstand zum Bronzerang auf einmal 20 Punkte, den sie trotz eines gelungenen Schraubensaltos zum Abschluss nicht mehr aufholen konnten.
© Jo KleindlJaden Eikermann (vorne) und Luis Avila Sanchez versuchten in Paris, wurden aber nicht belohnt
„Wir können zufrieden sein“, meinte Avila Sanchez dennoch. „Wir sind ein Risiko eingegangen und haben diese Serie international zum ersten Mal gezeigt. Es ist ein bisschen schief gegangen beim Rückwärts, den können wir auf jeden Fall besser. Aber es war nicht das letzte Mal, dass wir diese Serie zeigen werden.“ Eikermann war da schon mehr geknickt: „Im Training lief der Sprung mega. Ich bin eigentlich mit einem sehr guten Gewissen in diesen Sprung reingegangen.“
Das Niveau der Konkurrenz war allerdings auch beachtlich. Gold ging mit 443,82 Punkten an die letztjährigen Vizeweltmeister Nikita Shleikher und Ruslan Ternovoi (NAB), gefolgt von Simone Conte und Raffaele Pelligra aus Italien (416,46) und den Titelverteidigern Oleksii Sereda und Mark Hrytsenko aus der Ukraine (406,05). „Mit 392 Punkten sind Timo Barthel und ich vor vier Jahren EM-Dritter geworden, jetzt musste man deutlich über 400 springen. Das zeigt natürlich, dass die Leute hier was draufhaben“, ordnete Jaden Eikermann ein.