Der Hallenser startet mit viel Potenzial, aber ohne Druck in die Titelkämpfe. Wie ihm die Rückkehr nach Deutschland geholfen hat und was er dem DSV-Team in Paris zutraut.
Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Wasserspringer Moritz Wesemann auf seinem Instagram-Account ein humorvolles Video, in dem er sich für die bevorstehenden Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) in Stimmung brachte. Im Zug in die französische Hauptstadt sitzend, mit einem angeklebten Oberlippenbart und einer Baskenmütze auf dem Kopf, probierte Wesemann die landestypischen Spezialitäten Croissant, Camembert und ein Gläschen Rotwein.
Ein Gag, ganz offensichtlich. Doch zugleich auch Ausdruck der Lockerheit, mit der der 24-Jährige an die Titelkämpfe ab diesem Freitag herangeht. Natürlich sind die Erwartungen an seine Person da. Vom 1m-Brett startet Moritz Wesemann als Titelverteidiger, auch vom 3m-Brett gewann er 2023 bereits einmal den EM-Titel. Aber: „Beim Wasserspringen kann so viel passieren. Es hilft mir nicht, mir vorab großen Druck zu machen für Dinge, die nicht in meiner Hand liegen“, meint der Springer vom SV Halle.
Medaillen seien auf jeden Fall möglich, so Wesemann, in allen Disziplinen. „Aber das ist nicht das Hauptziel. Für mich persönlich geht es in erster Linie darum, die Fortschritte, die ich gemacht habe, international zu beweisen. Wenn ich 510 Punkte springen würde, was eine neue Bestleistung bedeuten würde, und dann drei oder vier andere besser wären, bin ich nicht unzufriedener, als wenn ich 460 Punkte springe und damit gewinne.“
© Jo KleindlMoritz Wesemann geht bei der EM in Paris als Titelverteidiger vom 1m-Brett an den Start
Bei der WM überzeugte Wesemann als doppelter Sechster
Sein Potenzial stellte der Hallenser zuletzt bei der WM 2025 in Singapur unter Beweis, wo er in beiden Brett-Disziplinen Sechster wurde und daraus kräftig Selbstvertrauen tankte. „Das hat mir nochmal sehr viel Rückenwind gegeben“, sagt er.
Seitdem hat sich in seinem Umfeld einiges verändert. Wesemann ist zurück aus den USA, trainiert nun in Berlin bei Chef-Bundestrainer Christoph Bohm. „Das klappt sehr harmonisch und hilft mir, die in Deutschland vermittelte Technik wieder ein bisschen besser zu verstehen. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren viel gesehen und konnte davon einiges für mich mitnehmen. Trotzdem habe ich ja quasi mein ganzes Leben die deutsche Technik gelernt und bin dort einfach am sichersten“, erklärt er. „Es ist schön, wieder in Deutschland zu sein.“
© Jo KleindlMoritz Wesemann profitiert von der Zusammenarbeit mit Bundestrainer Christoph Bohm
Späte Wettkampfzeiten als besondere Herausforderung
Mit diesem guten Gefühl geht es für ihn nun zu den Europameisterschaften. Beim Wasserspringen (wie auch beim Synchronschwimmen) gibt es bekanntlich jedes Jahr kontinentale Titelkämpfe – in diesem Jahr ist der Stellenwert aber noch einmal höher, weil es der Saisonhöhepunkt ist. Gleichzeitig bringt eine „große“ EM besondere Herausforderungen mit sich. „Wir teilen uns das Becken mit den Synchronschwimmer*innen, dadurch liegen unsere Wettkämpfe sehr spät. Die Vorkämpfe beginnt erst um 14:00 Uhr, und die Finals gehen teilweise bis 23:00 Uhr. Das ist ganz anders als bei jedem anderen Wettkampf, da muss man sich ein bisschen anpassen“, erklärt Wesemann.
In Paris tritt er außer in den beiden Einzeldisziplinen vom Brett zum Auftakt am Freitag auch noch im Team-Event an, zusammen mit Lena Hentschel, Pauline Pfeif (beide Berliner TSC) und Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen). Auch die anderen zum Zeitpunkt der Nominierung noch offenen Besetzungen stehen inzwischen fest: Zweiter Springer im 3m-Einzel wird Lou Massenberg (SV Halle), im 3m-Synchronspringen wird Jette Müller (Dresdner SC 1898) an der Seite von Lena Hentschel springen, im Mixed-Turm-Synchronspringen Pauline Pfeif mit Ole Rösler (WSC Rostock).
EM-Zeitplan 2026 Wasserspringen
| Tag | Uhrzeit | Disziplin | Geschlecht | Wettkampftyp |
|---|---|---|---|---|
| 31. Juli | 14:30 | Team Event | Mixed | Finale |
| 01. August | 12:00 | 1m-Brett | Männer | Vorkampf |
| 01. August | 20:00 | Turm-Synchron | Frauen | Finale |
| 01. August | 20:00 | 1m-Brett | Männer | Finale |
| 02. August | 12:30 | 1m-Brett | Frauen | Vorkampf |
| 02. August | 19:00 | 3m-Synchron | Mixed | Finale |
| 02. August | 19:00 | 1m-Brett | Frauen | Finale |
| 03. August | 13:00 | Turm | Frauen | Vorkampf |
| 03. August | 19:00 | 3m-Synchron | Männer | Finale |
| 03. August | 19:00 | Turm | Frauen | Finale |
| 04. August | 12:30 | 3m-Brett | Frauen | Vorkampf |
| 04. August | 19:30 | Turm-Synchron | Männer | Finale |
| 04. August | 19:30 | 3m-Brett | Frauen | Finale |
| 05. August | 10:30 | 3m-Brett | Männer | Vorkampf |
| 05. August | 18:30 | Turm-Synchron | Mixed | Finale |
| 05. August | 18:30 | 3m-Brett | Männer | Finale |
| 06. August | 10:30 | Turm | Männer | Vorkampf |
| 06. August | 17:30 | 3m-Synchron | Frauen | Finale |
| 06. August | 17:30 | Turm | Männer | Finale |
„Wir haben ein starkes Team und haben in nahezu allen Disziplinen Medaillenchancen, sowohl im Einzel als auch in den Synchronwettbewerben“, sagt Moritz Wesemann. „Die meisten von uns haben auch schon sehr viel internationale Erfahrung in der offenen Klasse sammeln können, und alle versuchen gemeinsam, das Beste zu erreichen. Es herrscht eine sehr schöne Teamharmonie.“ Bei der auch der Humor nicht fehlen darf. Ob mit oder ohne Bart und Baskenmütze.
Das DSV-Aufgebot zur EM im Wasserspringen:
Männer:
Lou Massenberg (3m-Brett, 3m-Synchron), Moritz Wesemann (1m-Brett, 3m-Brett, Team-Event), Jonathan Schauer (alle SV Halle/1m-Brett, 3m-Synchron), Luis Avila Sanchez (Berliner TSC/Turm-Synchron, Mixed-3m-Synchron), Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen/Turmspringen, Turm-Synchron, Team-Event), Ole Rösler (WSC Rostock/Turmspringen, Mixed-Turm-Synchron)
Frauen:
Lena Hentschel (1m-Brett, 3m-Brett, 3m-Synchron, Mixed-3m-Synchron, Team-Event), Pauline Pfeif (Turmspringen, Turm-Synchron, Mixed-Turm-Synchron, Team-Event), Elena Wassen (alle Berliner TSC/Turmspringen, Turm-Synchron), Jette Müller (Dresdner SC 1898/3m-Brett, 3m-Synchron)