Warum Klara Bleyers EM-Reise nach Paris viel mehr als ein Solo-Trip ist

Raik Hannemann
Raik Hannemann
13:00

Training von Mimik und Gestik vor dem Spiegel sorgte für die größten Fortschritte in dieser Saison. Mindestens genauso wichtig wie die Titelverteidigung im Solo ist der Synchronschwimmerin aber das Duett mit Maria Denisov.

Klara Bleyer gewann in dieser Saison drei verschiedene Weltcups© Jo Kleindl

Klara Bleyer gewann in dieser Saison drei verschiedene Weltcups

Aus ihren Ambitionen mochte Klara Bleyer vor der Zugreise zu den Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) gar keinen Hehl machen. Nachdem die 22-Jährige von den Freien Schwimmern Bochum im Vorjahr als erste deutsche Synchronschwimmerin überhaupt kontinentaler Champion in der Freien Kür des Solowettbewerbs geworden war, würde sie ihre Position im Centre Aquatique Olympique von St. Denis nun natürlich gern behaupten.

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„Letztes Jahr war der Sieg eine Überraschung. Nun möchte ich meinen Titel verteidigen, daher ist schon auch etwas Druck da. Denn die Konkurrenz ist stark, gerade weil die Russinnen und Weißrussinnen diesmal wieder dabei sind. Es war interessant zu sehen, wie die mit dem neuen Wertungssystem umgehen. Daraus konnte man auch für sich selbst noch etwas herausziehen“, sagte Bleyer.

Klara Bleyer: Drei Weltcupsiege stärken das Selbstvertrauen

Das Selbstbewusstsein der 1,53m großen Sportlerin ist aus gutem Grunde ausreichend groß vor den Titelkämpfen: „Im Weltcup habe ich schon gesehen, dass es trotzdem funktionieren kann“, so Bleyer. In Kanada, Frankreich, Kolumbien und China hat sie im Saisonverlauf drei Solo-Siege und insgesamt acht Weltcup-Podestplatzierungen in dieser Disziplin erkämpft. Und dabei auch abseits der Zahlen gutes Feedback von den Wertungsgerichten erhalten.

Die großen Fortschritte in der sogenannten Artistic Impression sind also aufgefallen. Für dieses Thema hat Bleyer besonders viel Zeit und auch eine Menge Geld investiert. Sie bringt die Kür dank des Coachings durch Spaniens Superstar Ona Carbonell nun noch überzeugender rüber, neben komplexen Schwierigkeiten glänzt sie auch verstärkt mit persönlichem Ausdruck. Dort haben die Wertungsrichter*innen schließlich den größten Spielraum für Unterscheidungen bei ihrer Einschätzung, müssen sich nicht wie beispielsweise bei einigen technischen Elementen nach einer Höhentabelle richten. „Mimik und Gestik vor dem Spiegel zu trainieren, da kommt man sich manchmal auch ein bisschen doof vor, aber es gehört nun mal dazu“, berichtet Bleyer aus dem Trainingsalltag.

 

Klara Bleyer möchte den Titel als Europameisterin in Paris nur zu gern verteidigen© Jo Kleindl

Klara Bleyer möchte den Titel als Europameisterin in Paris nur zu gern verteidigen

Übergeordnetes Ziel ist die erste Olympiateilnahme seit 1992

Die Gefahr, dabei zur Narzisstin zu werden, besteht bei ihr jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Bleyer ist trotz der Erfolge als Solistin total auf Teamwork fixiert. Das Duett ist neben dem Teamwettbewerb die einzige olympische Disziplin im Synchronschwimmen. Um sich den Traum von den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles (USA) zu verwirklichen, trainiert sie inzwischen überwiegend mit Maria Denisov (SG Stadtwerke München). Erst im Laufe der Saison bildeten die beiden ein festes Duett und bereiten sich seitdem gemeinsam auf die kommenden internationalen Wettkämpfe vor. Für sie ist es zugleich der Schlüssel zu einer langfristig besseren Förderung im deutschen Sportsystem. Deutschland hat seit 1992 keine Olympiateilnehmerin im Synchronschwimmen mehr gestellt.

Hilfreich ist auf dem Weg seit Kurzem die Unterstützung durch den neuen „Tipico Champion Fonds“ der Sporthilfe, der zur Finanzierung anerkannter Choreograph*innen eingesetzt wird. Und nach Platz sechs im Duett beim Weltcupfinale in Toronto (CAN) hofft Bleyer nun auch gleich auf ein starkes EM-Ergebnis. „Von Podium möchte ich dabei noch nicht sprechen. Für uns geht es vor allem darum, mit einer starken Leistung zu zeigen, dass man mit uns in den kommenden Jahren rechnen muss. Am besten, indem wir schon mal vor unseren direkten Rivalinnen im Kampf ums Olympiaticket landen.“ Gemeint sind hier Nationen wie die Schweiz oder die Türkei. Vergeben werden die Olympiaplätze dann aber erst bei der WM 2027 und dem Weltcup-Superfinal im Frühjahr 2028.

Maria Denisov ist die neue Duett-Partnerin von Klara Bleyer© Jo Kleindl

Maria Denisov ist die neue Duett-Partnerin von Klara Bleyer

Die EM-Starts des DSV-Teams

31. Juli, ab 09:00 Uhr: Vorkampf Duett Freie Kür mitKlara Bleyer/Maria Denisov (Freie Schwimmer Bochum/SG Stadtwerke München)
31. Juli, ab 18:00 Uhr: Entscheidung Duett Technische Kür mitKlara Bleyer/Maria Denisov (Freie Schwimmer Bochum/SG Stadtwerke München)

 

01.August, ab 09:00 Uhr: Vorkampf Solo Freie Kür mit Klara Bleyer (Freie  Schwimmer Bochum)

01.August, ab 18:00 Uhr: Finale Duett Freie Kür ggf. mit Klara Bleyer/Maria Denisov (Freie Schwimmer Bochum/SG Stadtwerke München)

 

02. August, ab 18:00 Uhr: Finale Mixed Duett Technische Kür mitSoléne Guisard/Robin Wiehn (beide SG Stadtwerke München)

 

03. August, ab 09:00 Uhr: Finale Solo Freie Kür ggf. mit Klara Bleyer (Freie  Schwimmer Bochum)

 

04. August, ab 09:00 Uhr: Finale Solo Technische Kür ggf. mit Klara Bleyer (Freie Schwimmer Bochum)