Brustschwimmer präsentiert sich auch wegen der bei der RTL-Show „Let‘s Dance“ gesammelten Erfahrungen sehr stark in Berlin. Und gehört natürlich zu den insgesamt 23 Aktiven, die nun zur Nominierung für die EM vorgeschlagen werden.
Mit zwei Weltrekordkrachern von Taliso Engel ist am Dienstag die 40. Auflage der Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) im Para Schwimmen zu Ende gegangen. Der 23-jährige Nürnberger verbesserte die Bestmarke über 50m Brust in der Startklasse SB13 im Vorlauf erst auf 28,44 Sekunden und im Finale dann sogar auf 28,01.
Doch damit nicht genug, der Brustsprint in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) bot noch weitere Superlative mehr. Als Dritter der startklassenübergreifenden Punktwertung erzielte Bruce Dee (GBR) nämlich noch einen Europarekord für die Starklasse SB6 (37,09). Und Florian Reiter stellte eine deutsche Bestmarke für Aktive mit intellektueller Beeinträchtigung (SB14/31,85) auf. „Ich bin schon bei der Schwimm-DM vor zwei Wochen Bestzeit geschwommen und jetzt noch einmal zweieinhalb Zehntel schneller, das ist schon eine gute Ecke über 50 Meter. Erst habe ich es gar nicht gecheckt, aber dann war es total geil“, beschrieb Engel seine Gefühle nach dem Anschlag. Durch seine starke Sehbeeinträchtigung kann er seine Zeit nicht selbst an der Anzeige ablesen, sondern ist auf Zurufe aus dem Publikum oder auch der Konkurrenten angewiesen.
© Jo KleindlPara Schwimmer Taliso Engel hatte bei der IDM in Berlin viel Grund zum Jubeln
Taliso Engel: Bei der EM steht dann die 100m-Strecke wieder im Fokus
Nach dem 200m-Weltrekord am Tag zuvor zeigte Engel auch auf der kürzesten Renndistanz erstaunliche Fortschritte. Krankheitsbedingt hatte es in diesem Jahr immer mal wieder Zwangspausen, doch bremsen lassen will sich Engel davon nicht. „Was eine große Rolle spielt ist, dass ich im Training immer 110 Prozent gebe. Das habe ich letztes Jahr gemacht, als ich durch „Let‘s Dance“ (seine Auftritte in der RTL-Tanzshow ließen zwölf Wochen lang kein Schwimmtraining zu, Anm. d. Red.) lange aus dem Wasser war. Und dieses Jahr wieder, als ich krankheitsbedingt einige Ausfälle hatte. Let‘s Dance hat mir gezeigt, dass man auch mit wenig Training trotzdem gute Zeiten schwimmen und Vollgas gegen kann. Aus der Staffel und auch aus der Tour habe ich viel mitgenommen. Mental ziehe ich auch viel Stärke aus dieser Erfahrung.“
Für die Konkurrenz dürfte damit kaum etwas zu holen sein, wenn im September die Europameisterschaften in der Türkei anstehen. Dort will Engel dann auf der paralympischen 100m-Distanz weitere Meilensteine setzen. „Ich will eigentlich immer Bestzeiten schwimmen, das ist mir hier ganz gut gelungen. Und die Zeiten hier über 50 und 200 Meter sind wegweisend dafür, dass in Zukunft auch die 100 Meter gut funktionieren können. Da hat bislang irgendeine Stellschraube nicht gepasst. Aber insgesamt ist das eine sehr, sehr gute Richtung, in die ich da unterwegs bin“, meinte Engel. Sein großer Traum ist es schließlich, 2028 den dritten Paralympics-Sieg in Folge zu schaffen. Mit Weltrekord natürlich. Am liebsten unter einer Minute. „Ich will mich nicht selbst zu sehr unter Druck setzen. Aber jeder Tag bringt das große Ziel LA ein Stück näher.“
BSB-Präsident Mutlu: Diese IDM pusht Olympiabewerbung
Ein weiteres Glanzlicht setzte am Dienstag der Brite William Ellard mit seinem Europarekord über 400m Freistil (S14/4:08,80). Weitere deutsche Bestmarken gab es zudem über 50m Freistil durch Lavinia Schroth (AB/28,53) Jonas Schneider (AB/24,37) und Janis McDavid (S1/1:29,18). Mit insgesamt sieben Weltrekorden hatte die IDM damit sogar mehr zu bieten als die direkt davor ausgetragene Para Swimming World Series.
© Jo KleindlWilliam Ellard aus Großbritannien glänzte zum IDM-Abschluss mit Europarekord
Özcan Mutlu, der Präsident des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Berlin (BSB), stellte auch deswegen nicht ohne Stolz fest: „Das neue Format mit der IDM direkt im Anschluss an die Para Swimming World Series war ein voller Erfolg und hat dem Wettkampf eine echte paralympische Dimension verliehen. Mit 420 Athletinnen und Athleten, zahlreichen Rekorden und herausragenden Bestleistungen ist die IDM 2026 eindrucksvoll zu Ende gegangen. Berlin hat damit einmal mehr bewiesen, dass wir als Sporthauptstadt Deutschlands internationale Großveranstaltungen auf höchstem Niveau ausrichten können und bereit sind für Paralympische und Olympische Spiele!“
EM-Team mit einer Mischung aus Topstars und Talenten
Die IDM bildete zugleich den Abschluss der Qualifikation für die Europameisterschaften in Kocaeli (TUR/07. – 12. September). Über 400m Freistil erfüllte Alessia Tina Kollmer (S7) am Dienstag als letzte von insgesamt 23 Aktiven eine der EM-Normzeiten und wird von Bundestrainerin Ute Schinkitz beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) zur Nominierung vorgeschlagen. „Wir können dank unserer etablierten Kräfte auf eine erfolgreiche EM hoffen. Für die jüngere Hälfte des Teams wird es zugleich die Premiere bei internationalen Titelkämpfen sein, bei der man viel für den weiteren Karriereweg lernen kann“, sagte Schinkitz.
Vorgeschlagen zur EM-Nominierung werden:
- Elena Semechin (Berliner Schwimmteam)
- Tanja Scholz (PSV Union Neumünster)
- Gina Böttcher (SV Motor Babelsberg)
- Mira Jeanne Maack (Berliner Schwimmteam)
- Johanna Döhler (Berliner Schwimmteam)
- Nisanur Kocabas (SV Motor Babelsberg)
- Verena Schott (BPRSV)
- Charlotte Kast (Berliner Schwimmteam)
- Mieke Leiße (SG Essen)
- Tabea Teschauer (Berliner Schwimmteam)
- Judith Pein (SG PSV-MFZK Schwerin)
- Alessia Tina Kollmer (SC Regensburg)
- Josia Topf (SV Motor Babelsberg)
- Taliso Engel (SG Bayer)
- Maurice Wetekam (SG Bayer)
- Philip Hebmüller (SG Neuss)
- Janis McDavid (Berliner Schwimmteam)
- Julian Füllgraf (VfL Osnabrück)
- Marlon Jung (SSV Leutzsch)
- Balent Köszegvary (SC Delphin Lübeck)
- Linus Harms (SV Motor Babelsberg)
- Kimi Brückner (SG Bamberg)
- Florian Reiter (Berliner Schwimmteam)
Für Naomi Maike Schwarz (SV Motor Babelsberg) erfolgt die Nominierung bei Normerfüllung bis 05. Juli.
Die IDM-Sieger*innen am Dienstag
Die IDM-Sieger*innen am Montag
200m Schmetterling Frauen: Poppy Maskill (GBR/S14) 2:35,27 Minuten (621 Punkte)
200m Schmetterling Männer: Jonas Kesnar (CZE/S9) 29,96 Sekunden (616)
50m Freistil Frauen: Maria Carolina Gomes Santiago Araujo (BRA/S12) 26,98 (927)
50m Freistil Männer: Thomaz Rocha Matera (BRA/S11) 26,26 (840)
50m Brust Frauen: Beatriz de Araujo Flausino (BRA/SB14) 32,68 (914)
50m Brust Männer: Taliso Engel (GER/SB13) 28,01 Sekunden (Weltrekord/1021)
400m Freistil Frauen: Johanna Döhler (GER/S13) 4:49,69 Minuten (719)
400m Freistil Männer: Talisson Henrique Glock (BRA/S6) 4:59,45 (905)
50m Schmetterling Frauen: Poppy Maskill (GBR/S14) 27,68 (885)
50m Schmetterling Männer: Malte Braunschweig (GER/S9) 27,37 (833)