Brustschwimmer verbessert eigene Bestmarke trotz schlafloser Nacht deutlich. Doch auch mehrere andere sind in der SSE schneller als je zuvor.
© Jo KleindlTaliso Engel freut sich über den Weltrekord bei der IDM
Ihrem Ruf als Rekordfestival werden die Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) in Berlin auch in diesem Jahr wieder vollauf gerecht. Am zweiten von drei Wettkampftagen sorgten Paralympics-Sieger Taliso Engel und Co. in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) für insgesamt drei Weltrekorde und zwei Europarekorde, zusätzlich wurden sieben deutsche Bestmarken erzielt.
In der Industrieproduktion gilt der Montagvormittag ja als qualitätsanfällig, beim Para Schwimmen in der deutschen Hauptstadt kamen keine Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Aktiven auf. Ganz im Gegenteil: Schon am Vormittag pulverisierte der Engel seinen Weltrekord beim Sieg über 200m Brust, in 2:20,78 Minuten blieb der 23-Jährige mehr als zweieinhalb Sekunden unter seiner bisherigen Bestmarke in der Startklasse 13.
Italiener schwimmt Weltrekord und zwei Europarekorde an einem Tag
„Ich bin sehr, sehr froh, dass es hier nochmal schneller geklappt hat als vor zwei Wochen bei der Schwimm-DM. Ich war die letzten Tage viel unterwegs, im Flugzeug. Habe dann gestern bis kurz nach zwei nicht geschlafen, weil im Hotel irgendwie Radau war“, sagte Engel. „Das spricht zum einen natürlich von einem guten Trainingsniveau, zum anderen aber auch einfach von Willenskraft. Ich bin nun mal ein Mensch, der, wenn er was erreichen will, das Ganze sich dann so in den Kopf setzt, dass es im Endeffekt dann auch irgendwie klappt.“ Gut zu wissen ist in dem Zusammenhang, dass Engel am Dienstag über 50m Brust noch einmal mit ähnlichen Ambitionen startet.
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Einen grandiosen Montag erlebte aber auch Luca Da Prato (ITA/S6). Denn der 42-Jährige verbesserte in der SSE den Weltrekord über 200m Rücken auf 2:40,83 Minuten, zudem schwamm er zweimal Europarekord über 50m Rücken: 34,21 Sekunden im Vorlauf und 34,14 im Finale. Da Prato sitzt seit einem Autounfall vor drei Jahren mit Querschnittslähmung im Rollstuhl und kam über Therapie zum Schwimmen. „Im Wasser spürte ich die Freiheit der Bewegung wieder. Schon bald wuchs in mir dabei der Wunsch, mich anderen zu messen“, sagte er. „Ich habe zuletzt viel trainiert. Und auch in Italien wird viel über das schnelle Becken in Berlin erzählt. Deswegen wollte ich es unbedingt selbst ausprobieren hier. Und es lief dann noch besser als erwartet.“
© Jo KleindlSchnelle Rückenschwimmer: Mark Tompsett, Albert Gelis und Luca Da Prato (v.l.)
Je zwei Landesrekorde von Lena Cornelissen und Janis McDavid
Nur ist das Niveau bei der IDM manchmal eben auch so hoch, dass selbst ein Europarekord nicht zum Sieg in der startklassenübergreifenden Punktewertung reicht. Das erfuhr auch Da Prato bei seiner Berlin-Premiere. Denn über 50m Rücken siegte Albert Gelis (ESP), der den Weltrekord in seiner Startklasse S11 auf 30,27 Sekunden drückte. „Ich war vor zwei Wochen sogar schon mal noch schneller, aber bei dem Wettkampf in Spanien konnten keine Rekorde anerkannt werden. Jetzt bin ich auch offiziell Weltrekordler. Und glücklich“, meinte Gelis.
Über nationale Rekorde konnten sich auch mehrere Deutsche freuen. Lena Cornelissen verbesserte die Bestmarke über 200m Lagen gleich zweimal an einem Tag (SM9/2:47,82 und 2:47,25), Janis McDavid (S1) setzte über 50m Rücken (1:29,83) und 200m Brust (6:34,55) neue Standards. Ebenfalls über 200m Brust war Amelie Fröhlich (SB8/3:31,75) schneller als jede Schwimmerin zuvor. Genau wie Mira Jeanne Maack über 50m Rücken (S8/37,84) und Tom Liam Brimacombe über 200m Rücken (S5/4:00,01). Die IDM ist und bleibt halt ein Rekordfestival des Para Sports.
Die IDM-Sieger*innen am Montag
Die IDM-Sieger*innen am Montag
100m Freistil Frauen: Maria Carolina Gomes Santiago Araujo (BRA/S12) 59,96 Sekunden (887 Punkte)
100m Freistil Männer: Arthur Xavier Ribeiro (BRA/S14) 50,66 Sekunden (989)
50m Rücken Frauen: Maria Carolina Gomes Santiago Araujo (BRA/S14) 32,22 Sekunden (895)
50m Rücken Männer: Albert Gelis (ESP/S11) 30,55 Sekunden (951)
150m Lagen Frauen: Mariarne Silva Riberio (BRA/SM4) 3:41,91 (515)
150m Lagen Männer: Johann Peutler (Team Bayern) 5:57,25 Minuten (325)
200m Lagen Frauen: Poppy Maskill (GBR/SM14) 2:29,15 Minuten (778)
200m Lagen Männer: Talisson Henrique Glock (BRA/SM6) 2:46,41 (868)
200m Brust Frauen: Sophie Wendler (GER/AB) 2:46,18 Minuten (610 Punkte)
200m Brust Männer: Janis McDavid (GER/SB1) 6:34,55 (DR/923)
200m Rücken Frauen: Verena Schott (GER/S6) 3:09,86 (763)
200m Rücken Männer: Albert Gelis (ESP/S11) 2:31,04 (845)
© Jo KleindlDeutschland, Berlin, Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark – 11.05.2026: IDM Schwimmen 2026 – Tag 2 Vorlaeufe, Taliso Engel, SG Bayer (TSV Bayer 04 Leverkusen) (Photo by JoKleindl | www.swimpixel.com)