Mit deutschem Rekord landet der 34-Jährige auf Rang zwei bei der Para Swimming World Series in Berlin, dabei er hatte vor zwei Jahren noch panische Angst vor Wasser.
© Jo KleindlJanis Mc David gewann am Freitag seine erste internationale Medaille
Bei der Para Swimming World Series in Berlin hat Janis McDavid das nächste Kapitel seines rasanten Aufstiegs geschrieben. Erst vor gut zwei Jahren besiegte der ohne Arme und Beine geborene Sportler seine panische Angst vor dem Wasser, entschied sich dann aber gleich für den Einstieg in den Leistungssport. Im vergangenen Jahr maß der auch als Buchautor und Motivationscoach bekanntgewordene McDavid sich bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) dann erstmals mit internationaler Konkurrenz, am Freitag erkämpfte er mit Silber über 50m Brust nun sogar seine erste Weltcupmedaille.
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Doch damit nicht genug. Im Vorlauf verbesserte McDavid dabei sogar den deutschen Rekord in der Startklasse SB1 auf 1:26,63 Minuten, im Finale am Abend bekam nur der Israeli Ami Omer Dadaon (SB3/49,03) mehr Punkte in der startklassenübergreifenden World-Series-Wertung als der 34jährige Deutsche (1:27,89). „Es fühlt sich großartig an – und ein bisschen surreal, nachdem ich erst vor eineinhalb Jahren mit dem Leistungstraining angefangen habe, nun auf dem Podium beim World Cup zu stehen“, sagte McDavid.
Janis McDavid: Erster EM-Start im Sommer und die Paralympics 2028 als Ziel
Und die nächsten Schritte stehen nun auch schon fest. Am Vortag hatte McDavid über 50m Rücken bereits die Normzeit für die Europameisterschaften in Kocaeli (TUR/07. – 12. September) erfüllt, am Samstag will er das auch noch über 100m Rücken schaffen. Die Vorfreude die ersten internationalen Titelkämpfe im Spätsommer ist groß, sogar die Paralympics 2028 in Los Angeles (USA) rücken nun langsam in Reichweite.
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„Letztes Jahr habe ich das Thema noch von mir gewiesen. Da war es noch viel zu weit weg. Aber so langsam sehe ich, dass ich im internationalen Bereich angekommen bin, da fängt man natürlich an, darüber nachzudenken, was in den nächsten zwei Jahren noch möglich ist“, sagte McDavid. „Ich glaube, dass vor allem noch viel Training auf mich zukommt, aber da freue ich mich drauf und bin gespannt, was ich zusammen mit dem Berliner Schwimmteam noch erreichen kann.“
Zwei deutsche Rekorde und EM-Norm für Julian Füllgraf
Für zwei weitere nationale Rekorde sorgte Julian Füllgraf über 200m Freistil in der Startklasse 14. Am Morgen kraulte er 2:04,81 Minuten, im Finale belegte er in 2:03,22 Rang sieben. Füllgraf sicherte sich damit ebenfalls das EM-Ticket. „Besser hätte es nicht laufen können, da steckt aber natürlich auch viel Arbeit dahinter. Im Sommer werde ich nun aber noch härter trainieren“, versprach er.
Für EM-Starts im deutschen Team empfahlen sich durch Normerfüllungen am Freitag auch Johanna Döhler (S13/100m Schmetterling und 200m Lagen), Nisanur Kocabas (SM6/200m Lagen), Charlotte Kast (SM7/200m Lagen), Philip Hebmüller (S13/100m Schmetterling und 200m Lagen), Maurice Wetekam (SM9/200m Lagen), Balint Koeszegvary (SM10/200m Lagen und Taliso Engel (SM13/200m Lagen). Engel, sonst bekanntlich eher im Brustschwimmen sehr erfolgreich, sah danach nun sogar EM-Medaillenchancen auf seiner Nebenstrecke: „Irgendwann wäre das schon auch mal schön.“
© Jo KleindlNachwuchshoffnung Johanna Döhler schwamm auch am Freitag mehrfach unter EM-Norm
Paralympics-Sieger sorgen für Glanzlichter
Für Weltklasse-Leistungen sorgten am Freitag auch die internationalen Gäste. So kraulte Weltmeister und Weltrekordler William Ellard (GBR/14) als Sieger über 200m Freistil in 1:53,43 eine absolute Topzeit. „Ich bin selbst überrascht, dass es so schnell war“, meinte Ellard anschließend. „Die 200m Freistil sind aber nun mal meine Lieblingsdisziplin, die habe ich in den vergangenen zwei, drei Jahren auch am meisten trainiert.“
Über 100m Schmetterling siegte der dänische Paralympicssieger Alexander Hillhouse (S14) in 55,18 Sekunden. Hillhouse meinte zu der erstaunlich schnellen Zeit, dass er im Sommer den Weltrekord angreifen möchte. „Das ist das Ziel. Wenn ich noch ein paar Monate länger trainiere, bin ich da bestimmt gut im Geschäft“, meinte der 22Jährige. Das Schwimmen helfe ihm auch, die kürzlichen Tod von Vater und Opa zu verarbeiten. „Beim Schwimmen kann ich ganz bei mir sein. Das hilft dabei, den Kopf freizubekommen. Ich weiß, dass er wollte, dass ich weiter schwimme, und das mache ich in den nächsten zwei Jahren Richtung Los Angeles 2028.“