Sven Schwarz und Lukas Märtens gewannen bei der WM über 800m Silber und Bronze. Die Leistung ihres jungen Landsmanns hat auch sie überrascht.
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Ausgiebig genießen konnte Johannes Liebmann den großen Coup erst einmal nicht. In Stockholm (SWE) hatte der 19-Jährige am Sonntagabend den Europarekord über 800m Freistil auf 7:37,94 Minuten gedrückt. Es war das Finale furioso eines ziemlich perfekten Wochenendes, an dem der Schwimmer vom SC Magdeburg auch Weltjahresbestzeit über 1500m Freistil (14:39,67) kraulte. Für die beste Leistung bei den Swim Open gab es zum Abschluss des Wettkampfs einen Scheck über 4.000 Euro, aber keine Feier.
“Ab jetzt ist er nicht mehr der kleine Johannes. Denn mit so einer Zeit gewinnt man bei einer EM auf jeden Fall eine Medaille.“
Am nächsten Morgen klingelte nämlich bereits um sechs Uhr der Wecker. Der Flieger nach Berlin startete kurz nach 09:00 Uhr. Per Auto kam Liebmann dann am Nachmittag in Magdeburg an. Dass ihn seine Leistungen in Schweden zu einem Goldkandidaten für die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) haben werden lassen, war in der ganzen Hektik noch gar nicht zu realisieren. Liebmann will sich auch ganz bewusst noch nicht mit möglichen neuen EM-Ziele beschäftigen. „Davor kommen erst einmal meine Abi-Prüfungen, über die ich mir mehr Gedanken mache. Aber ich denke, es wird gut.“
Zwei DM-Rennen mitten im Abi-Stress
Liebmann sieht seine Schulnoten „im guten Durchschnitt“. Bei den Prüfungen in Bio, Mathe, Englisch, Geschichte und Sport soll es auch einen gelungenen Abschluss geben. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin (23. – 26. April) wird er trotz Prüfungsstress dennoch zwei Rennen bestreiten. Über 1500m Freistil kommt es dabei zum direkten Duell mit dem WM-Zweiten Sven Schwarz.
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Der 24-Jährige von Waspo 98 Hannover hielt den 800m-Europarekord bislang, aufgestellt hatte Schwarz diesen bei den Deutschen Meisterschaften im Vorjahr. „Ich wusste natürlich, dass dieser Rekord so nicht ewig halten wird. Dafür sind derzeit einfach zu viele gute Schwimmer in diesem Bereich unterwegs. Dass allerdings Johannes nun derjenige ist, der diese Bestmarke unterbietet, damit hätte ich nicht unbedingt gerechnet“, räumte Schwarz am Montag offen ein. Natürlich habe er in gemeinsamen Trainingslagern längst das Potenzial Liebmanns gesehen, die Geschwindigkeit seiner Entwicklung überraschte dennoch: „Um so größer ist jetzt der Respekt und die Anerkennung. Auf den Langstrecken war die Konkurrenzsituation schon immer extrem, daher entsteht für mich aber keine neue Situation“, so Schwarz.
© Sweden Aquatics/Marcus JohnssonJohannes Liebmann bejubelt seinen Europarekord in Stockholm
Im EM-Vorlauf kann niemand taktieren
Auch Olympiasieger und Weltmeister Lukas Märtens, der im Vorjahr in Stockholm sogar Weltrekord über seine Paradestrecke 400m Freistil schwamm und die Reise nach Schweden diesmal kurzfristig wegen Erkältung absagte, staunte über Liebmanns Rekord. „Im ersten Moment war ich sprachlos, aber schon seine 400-Meter-Zeit war ja richtig schnell. Da konnte man schon mit einer starken Verbesserung rechnen. Aber dass es gleich so schnell wurde, ist natürlich richtig stark“, sagte der WM-Dritte des Vorjahres auf dieser Strecke. „Ich habe Johannes sofort geschrieben und gratuliert. Wir haben ein super Verhältnis, sind gut befreundet. Er konnte sich erst einiges abschauen bei mir und sich heranpirschen. Aber ab jetzt ist er nicht mehr der kleine Johannes. Denn mit so einer Zeit gewinnt man bei einer EM auf jeden Fall eine Medaille.“
Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) kann für Paris pro Disziplin vier Startplätze vergeben. Für die 800m Freistil wird das sicher der Fall sein. Schwarz und Märtens waren nach ihren WM-Erfolgen gesetzt, hinter Liebmann hat auch Oliver Klemet (SG Frankfurt) die geforderte Normzeit bereits erfüllt. Das bedeutet aber auch, dass bereits im EM-Vorlauf volles Tempo geschwommen werden muss, denn ins Finale kommen nur maximal zwei Starter pro Nation. Märtens mag das nicht als Nachteil sehen: „Das ist ein Luxusproblem. Konkurrenz tut im Sport eigentlich immer gut.“
© Sweden Aquatics/Marcus JohnssonMagdeburg räumt ab in Stockholm: Oliver Klemet, Isabel Gose, Trainer Bernd Berkhahn, Johannes Liebmann und Moesha Johnson