Schwimmender Professor über Indiens heiligen Fluss: „Hätte nicht überlebt“

Raik Hannemann
Raik Hannemann
18:32

Nach der Durchquerung von Donau, Rhein und Elbe schwamm Andreas Fath nun im Ganges. Hier erzählt er über die ungewöhnliche Begegnung von Religion und Wissenschaft.

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Seine Abenteuer haben ihm längst den Beinamen „schwimmender Professor“ beschert. Donau (2.857km), Rhein (1.233km) und Elbe (1.094km) hat Andreas Fath bereits am Stück durchkrault, auch den Tennessee River in den USA (1.050km). Die sportlichen Herausforderungen zwischen Quelle und Mündung standen dabei stets im Zeichen des Umweltschutzes. Denn der Wissenschaftler von der Hochschule Furtwangen analysierte unterwegs die Wasserqualität und machte anschließend mit wissenschaftlichen Publikationen, in Filmen oder auch seinem Buch „Aus Liebe zum Wasser“ auf die starken und vor allem gefährlichen Verunreinigungen durch Mikroplastik, Pestizide und auch Hormone aufmerksam.

„Ohne Gold könnten wir leicht überleben, ohne Wasser jedoch nicht. Es ist unser kostbarstes Gut“, lautet Faths Motto dabei. Und dieses trug ihn für sein neuestes Projekt unlängst nach Indien. Dort gilt der 2.525km lange Ganges als heiliger Fluss, doch genau die Kontroverse zwischen Religion und Wissenschaft reizte den Chemieprofessor bei der Anfrage für einen Dokumentarfilm. Vor Ort sah er Flussabschnitte, wo am Ufer Leichname verbrannt und die Asche in den Fluss gestreut werden. Auch das religiöse Ritual, bei dem sich jeden Tag Abertausende Menschen im Fluss waschen. Und zur bakteriellen Verschmutzung kommt leider auch noch eine industrielle. Zusammen ergibt das eine Mischung, die eine Durchquerung als Schwimmer lebensgefährlich machen würde. „Ich hatte Agarplatten dabei. Auf dem Warmwasserboiler unserer Unterkunft haben wir die Abstriche ‚bebrütet‘ – und da war nach drei Tagen weit mehr drauf als bei allen anderen Flüssen zusammengenommen“, so Fath.

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Heiliger Fluss mit der Reinheit eines Abwasserkanals

Dennoch suchte Andreas Fath sich einige vertretbar saubere Stellen in Städten wie Haridwar und Varanasi, um wenigstens ein paar Schwimm-Meter für den Dokumentarfilm zu absolvieren. Dreimal rund 20 Minuten, mehr war dabei nicht drin. Natürlich nahm Fath dabei auch wieder Wasserproben, die nun ausgewertet werden. „Ich muss ja argumentieren können, warum ich den Ganges nicht komplett geschwommen bin“, so Fath. Er betont schon vor der detaillierten Vorstellung seiner Ergebnisse: „Ich hätte das nicht überleben können.“

Trotz seiner spirituellen Bedeutung wird der Ganges nämlich behandelt wie ein Abwasserkanal. Es gibt keine Klärung. Die Bevölkerung glaubt offensichtlich nicht nur daran, dass der Ganges Seelen reinwäscht. Sondern auch, dass er mit Plastik und Verschmutzung zurechtkommt, allen menschengemachten Müll einfach fortträgt. Ein Irrtum, über den Fath aufklären möchte, natürlich ohne dabei den Glauben der Menschen infrage zu stellen.

Professor Andreas Fath im Ganges

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Andreas Fath versucht nimmermüde die Aufklärung immer im Kleinen

Fath nutzte seine Reise daher vor allem auch zur Aufklärungsarbeit über Mülltrennung und Recycling. Suchte das Gespräch mit den Menschen vor Ort, mit Schüler*innen im Goethe-Institut genauso wie mit spirituellen Führern im Ashram. Er organisierte Workshops und Clean-Ups entlang des Ufers. Und freute sich, wenn sich spontan Freiwillige anschlossen und die Menschen Interesse zeigten an seinem Lebensthema. „Systemische Veränderungen muss man im Kleinen beginnen. Ohne erhobenen Zeigefinger. Ich hatte schon das Gefühl, dass insbesondere die jungen Menschen das Problem erkennen“, sagt Andreas Fath. Die kleinen Fläschchen mit dem heiligen Wasser aus dem Ganges könnten damit auch der Beginn von etwas Großem sein. Denn nirgends dürfte der Impact für das Thema sauberes Wasser und Umweltschutz größer sein als in Indien mit seinen anderthalb Milliarden Menschen. Auch deswegen wird Faths Buch auch bald in englischer Sprache erscheinen.

Ganz nebenbei profitiert auch der Extremsportler in Fath von den wissenschaftlichen Expeditionen. So manche Einladung zu Rennen der weltweiten Jedermann-Serie Oceanman konnte er zuletzt unterwegs wahrnehmen, mit seinen 61 Jahren könnte er dort womöglich sogar die Gesamtwertung gewinnen. „Durch das viele Flussschwimmen kann ich über eine lange Distanz immer noch ein gewisses Tempo halten“, erzählt Fath, der als junger Mann auch an Deutschen Meisterschaften teilgenommen hatte. Und bis heute regelmäßig ambitioniert trainiert. „Bei meiner Standardserie schwimme ich im Training immer noch Zeiten wie vor 20 Jahren“, sagt er nicht ohne Stolz. Konkret heißt das: 15x100m mit Abgang alle 1:30 Minuten absolviert er im Becken immer noch mit einem 1:15er Schnitt. Fath: „Das ist schon auch eine Win-win-Situation, wenn ich unterwegs bin und die Leute mich erst Kraulen sehen. Durch meine schwimmerischen Aktivitäten komme ich letztlich viel besser und glaubhafter an die Leute heran als durch ein wissenschaftliches Paper.“

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