Schwedens Superstar trainiert bereits wieder ernsthaft für Paris, nachdem sie im August ihr Baby bekam. Mit einer weiteren Goldmedaille würde sie zur Rekord-Europameisterin aus Deutschland aufschließen.
© picture alliance / BILDBYRÅN | JOEL MARKLUNDSarah Sjöström mit ihrem MannJohan de Jong Skierus und Baby Adrian kurz nach der Geburt
Über fünf Wochen verbrachte Sarah Sjöström rund um den Jahreswechsel in der Wärme Südafrikas. Das macht Schwedens Schwimmstar seit 2016 jedes Jahr, diesmal hatte das Trainingslager aber eine besondere Bedeutung. Stand doch zugleich die Rückkehr in den Alltag einer Leistungssportlerin an.
Eineinhalb Monate nach der ungewöhnlichen Geburt ihres Kindes Ende August 2025 war Sjöström zwar schon ein- bis zweimal pro Woche wieder ins Wasser gestiegen, doch erst jetzt übte sie wieder mit strukturierten Plänen. Neben sechs Schwimmeinheiten ging es fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio. „Ich habe mir erst gar keinen Stress gemacht, wieder ins Training einzusteigen. Ich habe einfach trainiert, wenn ich Zeit dafür hatte. Jetzt, im Januar, bin ich wieder mit einem strukturierten Trainingsplan unterwegs, was mir sehr guttut“, verriet Sjöström dem Portal Swimswam nach der Rückkehr in die Heimat. „Es ist schön, wieder regelmäßig Sport zu machen. Mir geht es jeden Tag besser. Ich vergleiche mich nicht mit meinem früheren Zustand, aber ich kann die Fortschritte von Tag zu Tag sehen. Im Vergleich zu vor Paris ist der Unterschied natürlich enorm, aber es macht Spaß, die Fortschritte jetzt täglich zu beobachten.“
Sarah Sjöström legt Schwerpunkt aufs Krafttraining
Der aktuelle Trainingsplan unterscheide sich deutlich von ihrem vorherigen vor der Schwangerschaft, sagte sie. Um mehr Kraft aufzubauen, benötige sie aktuell zwischendurch auch mehr Erholung, weshalb sie auch vergleichsweise wenige Schwimmeinheiten pro Woche absolvierte. „Mein Trainer Antonio Lutula hat mich drei Wochen lang begleitet, um mir beim Wiedereinstieg zu helfen, und danach habe ich einige Wochen alleine trainiert. Der Fokus lag darauf, wieder Kraft aufzubauen, insbesondere im Fitnessstudio, und das Training war wirklich gut“, sagte Sjöström. Und unter der südafrikanischen Sonne gab es auch keine Motivationsprobleme: „Im Moment haben wir in Schweden viel Schnee. Jeden Morgen das Auto freizuschaufeln, kann ganz schön anstrengend sein, deshalb ist es ganz angenehm, vor allem mit dem Baby hier, in der Sonne zu sein.“
Trainer Lutula klang in einem Videointerview mit SVT Sport sehr optimistisch, dass Sjöström schon in diesem Jahr wieder Spitzenleistungen bringen wird. Zumal die Konzentration auf den 50m-Strecken im Freistil und Schmetterling liegen wird, hier hält die junge Mutter beide Weltrekorde und ist auch EM-Titelverteidigerin. „Ich bin überzeugt, dass sie genügend Zeit hat, ihre Kraft wieder aufzubauen, da bis zu den Europameisterschaften im Sommer noch eine Weile Zeit ist“, meinte Lutula.
© pa/Fredrik Sandberg/TTNach ihren Olympiasiegen in Paris über 50m und 100m Freistil legte Sarah Sjöström eine Pause ein, nun trainiert sie fürs Comeback
Schlafmangel ist ein Problem für Sportmütter
Sjöström betonte, die EM-Teilnahme sei für sie das Ziel. Aber eben auch nur, wenn sie ihr Können unter Beweis stellen und im Kampf gegen Rivalinnen wie Angelina Köhler und Nina Holt auch konkurrenzfähig sein könne. „Ich möchte mich dort richtig wohlfühlen. Ich würde nicht hinfahren, nur um ins Halbfinale zu kommen. Natürlich möchte ich dabei sein und konkurrenzfähig sein, aber ich werde mich nicht stressen. Ich werde entspannt bleiben und alles Schritt für Schritt angehen, nichts überstürzen und sehen, was dabei herauskommt. Mein Trainingspensum wird weit von dem der Vergangenheit entfernt sein, aber vielleicht reicht das, was ich jetzt mache, um wieder ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wir werden sehen. Natürlich wird mein Baby im Mittelpunkt stehen. Und jeder, der ein Baby hat, weiß, dass Schlaf jetzt nicht wirklich Priorität hat – wenn ich überhaupt schlafe.“ Schlaf ist für die Regeneration nach Trainingsbelastungen aber entscheidend.
Motivation für die dreimalige Olympiasiegerin und 20-fache Weltmeisterin könnte sein, den EM-Rekord von Franziska van Almsick zu brechen. Die Deutsche gewann 18 Goldmedaillen in ihrer erfolgreichen Karriere. Sjöström steht aktuell bei 17. Zweimal gewann sie dabei schon die 50m Freistil, fünfmal sogar die 50m Schmetterling.
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