EM-Qualifikation im Freiwasserschwimmen mit völlig neuem Ansatz

Raik Hannemann
Raik Hannemann
18:35

Für jede Disziplin gibt es in diesem Jahr unterschiedliche Wege nach Paris. Die EM-Qualifikation beginnt bereits Mitte Februar im Becken, für die 10km ist der Weltcup in Ägypten wichtigster Wegweiser.

Oliver Klemet wurde in Singapur WM-Vierter und möchte auch bei der EM in Paris ganz vorn landen© Istvan Derencsenyi/World Aquatics

Oliver Klemet wurde in Singapur WM-Vierter über 10km und möchte auch bei der EM in Paris ganz vorn landen

Die Europameisterschaften in Paris (31. Juli – 16. August) bilden auch im Freiwasserschwimmen den internationalen Wettkampfhöhepunkt im Jahr 2026. Drei Einzelrennen pro Geschlecht und die Mixedstaffel werden dann in der Seine ausgetragen, am Bras de Grenelle diesmal allerdings etwas weiter westlich als bei den Olympischen Spielen zwei Jahre zuvor. Öffentlich bekannt gemacht wurde nun auch der nationale Qualifikationsweg. Für die Aktiven des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) ist laut Nominierungsrichtlinie auf der olympischen 10km-Distanz der Weltcupauftakt in Soma Bay (EGY/27. – 28. März) von entscheidender Bedeutung für die EM-Tickets.

DSV-Nominierungsrichtlinien Freiwasserschwimmen 2026

Bis zu drei Startplätze werden bei den Frauen in Ägypten vergeben. Wenn man dort im bereinigten Ranking (also drei Aktive pro europäischer Nation) wenigstens Platz zwölf belegt. Bei den Männern ist unter Umständen aber nur noch ein EM-Platz frei. Denn Aktive mit einer Top-vier-Platzierung bei den vorherigen Weltmeisterschaften können vom DSV auf der jeweiligen Strecke wieder vorrangig nominiert werden bei Erfüllung bestimmter Vorbedingungen. Das träfe dann auf Weltmeister Florian Wellbrock (SC Magdeburg) in allen drei Einzeldisziplinen zu. Und bei Oliver Klemet (SG Frankfurt) kann diese Regelung über 10km greifen, über diese Distanz war der Olympiazweite von 2024 im Vorjahr in Singapur nämlich WM-Vierter geworden. Da beide Topschwimmer mit Doppelstarts im Becken planen, wird diese Regelung auch deren Saisonplanung erleichtern.

Für die 5km-Rennen beginnt die Qualifikation bereits im Februar

Für die EM-Rennen über 5km wird das Qualifikations-Ranking bei Beckenrennen über diese Distanz im Zeitraum zwischen 14. Februar und 07. März ermittelt. Also bei Landesgruppenmeisterschaften oder als vorab angemeldeter Time Trial. Ein Weltcupstart in Soma Bay ist anschließend jedoch obligatorisch.

Zur EM-Qualifikation für den Knockout Sprint können im Zeitraum der EM-Qualifikation fürs Beckenschwimmen (30. März bis 26. April) dann Punkte auf den drei Langstrecken 400m, 800m und 1500m Freistil gesammelt werden. Wobei die kürzeren Strecken wegen ihrer größeren Relevanz für diese Disziplin einen höheren Multiplikator erhalten. Für die Staffelbesetzung sind dagegen allein die 1500m-Zeiten in diesem Zeitraum maßgeblich. „Diese EM-Saison bietet die Möglichkeit, in die Freiwasser-Nationalmannschaft aufzusteigen. Wir hoffen auf zahlreiche Ergänzungen des etablierten Teams“, betonte Bundestrainer Bernd Berkhahn.

JEM-Qualifikation erfolgt komplett im Becken

Für die JEM-Teilnahme in Ungarn (23. – 26. Juli 2026) wird für die Aktiven der Jahrgänge 2007 bis 2012 ein Punkte-Ranking erstellt. Das berücksichtigt Zeiten über die drei Langstrecken im Becken (geschwommen zwischen September 2025 und 26. April 2026) sowie die 5km-Rennen im Frühjahr 2026. Außer beim Knockout Sprint, da greift die gleiche Multiplikationsregelung wie im Elitebereich. Eine Teilnahme an der Junior*innen-WM im September in Argentinien setzt zudem starke JEM-Ergebnisse voraus.

„Die neuen Nominierungskriterien berücksichtigen die methodische Hinführung auf die längeren Strecken. Und sie ermöglichen zudem einen direkten Leistungsvergleich auch schon im Frühjahr“, sagte Nachwuchs-Bundestrainer Stephen Bibow. „Neben den Leistungen über 1500m Freistil gehören für uns auch Leistungen über 5000m Freistil im Beckenschwimmen zu bedeutsamen Voraussetzungen für das Freiwasserschwimmen.”