Schließung der Elbeschwimmhalle in Magdeburg beeinträchtigt auch die Norddeutschen Meisterschaften, die nun mit Handzeitnahme stattfinden müssen. Bernd Berkhahns erfolgreiche Trainingsgruppe steht aber auch im Trainingsalltag vor neuen Herausforderungen.
© Jo KleindlBernd Berkhahns Trainingsgruppe mit Florian Wellbrock, Isabel Gose, Bernd Berkhahn, Oliver Klemet, Celine Rieder wurde in Singapur auch Staffel-Weltmeister
Im Schwimmsport geht es in diesem Jahr schon ab Mitte Februar zur Sache. Denn mit den Norddeutschen Meisterschaften „Lange Strecke“ in Magdeburg beginnt am Samstag bereits die Qualifikation für die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August). Konkret geht es hier um Startplätze für das 5km-Freiwasserrennen in der Seine. Mit Isabel Gose, Florian Wellbrock (beide SC Magdeburg), Celine Rieder (Sport-Union Neckarsulm) und Oliver Klemet (SG Frankfurt) sind daher auch alle Weltmeister*innen von Singapur 2025 dort am Start. Genauso wie Olympiateilnehmerin Leonie Märtens oder Junioren-Weltrekordler Johannes Liebmann (beide SC Magdeburg).
Zum Meldeergebnis Norddeutsche Meisterschaften
Das 5km-Rennen steigt am frühen Samstagmorgen allerdings nicht wie sonst üblich in der Elbeschwimmhalle. Es muss in der Halle in der Großen Diesdorfer Straße stattfinden. Denn das 50m-Becken in der Heimat des Bundesstützpunktes ist seit Dezember gesperrt. Turnusgemäße Bauwerksprüfungen im Herbst hatten ergeben, dass vier von zwölf Bindern der Dachkonstruktion nicht die erwartete Betondruckfestigkeit erreichen. Seither wird begutachtet und diskutiert, wie mit den statischen Risiken umzugehen ist. Schnelle Lösungen noch in diesem Jahr erscheinen derzeit unrealistisch. Zumal der Leiter des Kommunalen Gebäudemanagements im Stadtrat im „Magdeburger Lokalanzeiger“ dieser Tage sogar von einem „multiplen Organversagen“ in der Elbeschwimmhalle sprach.
Sogar eine Eichmessung des Ausweichbeckens wurde vorgenommen
Zum Glück hat Sachsens-Anhalts Hauptstadt (244.000 Einwohner*innen) noch weitere 50m-Pools als Ausweichlösung. Nur fehlen in der Diesdorfer Halle noch funktionierende Verkabelungen für die elektronische Zeitmessung. Daher wurde vom Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) nun kurzfristig eine Handzeitnahme für die Norddeutschen Meisterschaften genehmigt. Ebenso wurde kurzfristig auch noch eine Eichmessung vorgenommen. Die Beckenlänge stimmt exakt, Chancengleichheit ist damit in der ortsübergreifenden Qualifikationsphase garantiert. Bis zum „Pokal der Gothaer“ Mitte April, wo EM-Normen im Beckenschwimmen gemäß internationalen Vorgaben anerkannt werden sollen, wird es dann aber auf jeden Fall eine elektronische Lösung geben.
“Die Probleme in der Elbeschwimmhalle zeigen deutlich auf, wie dringend notwendig es ist, den Bau des nationalen Schwimmzentrums für Deutschland voranzubringen.“
© Jo KleindlDraußen ist es hierzulande zu kalt fürs Freiwasserschwimmen, daher beginnt die EM-Qualifikation für Florian Wellbrock und Co. im Becken
Während einer wie der zweifache WM-Zweite Sven Schwarz aus Hannover nur an diesem Wochenende den Umweg in die andere Halle fährt, gehört das für Wellbrock und Co. nun zum Alltag. Damit wird zumindest vorübergehend einer der Standortvorteile des Bundesstützpunkts ausgehebelt, alles kompakt an einem Platz zu haben. Fast alle Topkader wohnen nämlich auch direkt an der Elbeschwimmhalle, wo übrigens wie bisher das Krafttraining stattfindet. Nun verlieren alle mittlerweile eineinhalb Stunden täglich im Straßenverkehr, um zum Wassertraining nach Diesdorf zu kommen. Auch Bundestrainer Bernd Berkhahn, dessen Kalender ohnehin schon sehr voll ist.
Täglich eineinhalb Stunden Fahrzeit zusätzlich
„Die dazu gekommene Fahrerei war eine große Umgewöhnung“, sagt Deutschlands schnellste Sprinterin Nina Holt. „Und für die, die auf Fahrgemeinschaften oder ÖPNV angewiesen sind wie alle Schüler*innen, ist es noch schwieriger.“ Die anstehenden Trainingslager werden da auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung sein.
DSV-Sportvorstand Christian Hansmann betont dennoch: „Die Probleme in der Elbeschwimmhalle zeigen deutlich auf, wie dringend notwendig es ist, den Bau des nationalen Schwimmzentrums für Deutschland voranzubringen.“ Erst im November hatte der Bund seine Förderzusage für das 50-Millionen-Projekt in Magdeburg gegeben.
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