Zum vierten Mal warb der DSV zusammen mit weiteren in der Schwimmausbildung tätigen Verbänden für mehr Sicherheit im und am Wasser.
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Ein Bronzeabzeichen, sorgfältig an den Badeanzug genäht: Leonie Beck erinnert sich noch genau an diesen Moment und an den Stolz, den sie dabei empfand. Die Freiwasser-Weltmeisterin war damals nicht älter als die Kinder, die in der vergangenen Woche in Hunderten deutschen Schwimmbädern ihre Schwimmabzeichen ablegten. „Meine Oma hatte einen kleinen Pool im Garten“, erzählte Beck. „Damit wir Kinder dort spielen konnten, mussten wir alle schwimmen können – aus Sicherheitsgründen. Das Abzeichen stand dafür, dass man sich sicher im Wasser bewegen kann und keine Angst mehr haben muss.“
Diese Erfahrung ist es, die die Schwimmabzeichentage jedes Jahr neu bieten: einen ersten, entscheidenden Schritt ins Element Wasser. Bundesweit fand das Event vom 13. – 21. Juni bereits im vierten Jahr statt – und das mit Rekordbeteiligung.
© Tino HenschelBei den Schwimmabzeichentagen 2026 gab es eine Rekordbeteiligung
Über 18.000 Schwimmabzeichen wurden abgelegt
Organisiert als gemeinsame Initiative des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV), der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, des Verbandes Deutscher Sporttaucher, des Deutschen Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister wurden dabei insgesamt über 18.000 Abzeichen abgenommen – vom Seepferdchen bis zum Deutschen Schwimmabzeichen in Gold. Eine erneute Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als es knapp 17.000 gewesen waren. Am häufigsten nahmen die Prüfer*innen im Aktionszeitraum das Schwimmabzeichen Bronze ab, das als Nachweis für das sichere Schwimmen gilt. „Das ist ein starkes Statement für mehr Sicherheit im und am Wasser“, sagte Jan Pommer, Vorstandsvorsitzender des DSV. „Die Schwimmabzeichentage zeigen, wie viel Freude Schwimmenlernen machen kann.“
Dass diese Basisarbeit dringend nötig ist, zeigen die Zahlen: Rund die Hälfte aller Grundschulkinder in Deutschland verlässt die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können – jedes Jahr rund 500.000 Kinder. „Früher konnte nahezu jedes Kind schwimmen, heute kann es die Hälfte nicht mehr. Dagegen müssen wir etwas unternehmen“, betonte Jan Pommer.
Schwimmabzeichentage als wichtige Grundlage
Leonie Beck ist überzeugt, dass der Weg dorthin über genau solche Momente führt wie jetzt bei den Schwimmabzeichentagen. Die 29-Jährige war selbst mit viel Freude bei einem Event dabei, das der Berliner TSC im Rahmen der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in Berlin organisierte. „Nicht jeder muss Leistungssportler werden – aber alle brauchen diese Grundlagen“, meinte sie. Und es gebe noch mehr Vorteile: „Wer im Verein schwimmt, lernt nicht nur Technik. Man lernt, wie man sich motiviert, mit Niederlagen und Siegen umgeht, im Team denkt. Schwimmen gibt einem so viel mit auf dem weiteren Lebensweg.“
© Tino HenschelAuch Freiwasserschwimmerin Leonie Beck unterstützte bei den Schwimmabzeichentagen 2026
Mark Warnecke, ehemaliger Weltmeister und Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1996 in Atlanta (USA), war ebenfalls in Berlin vor Ort. „Schwimmen ist eine notwendige Grundausbildung, die jeder haben sollte. Im Sommer am Fluss oder am Baggersee zu sein und nicht schwimmen zu können, kann Leben kosten“, warnte er nicht nur mit Blick auf die bevorstehenden Sommerferien.
Doch genau diese Grundlage ist unter Druck. Bäder schließen, es fehlt an Wasserflächen und Personal, Wartelisten für Schwimmkurse werden vielerorts immer länger. „Es kann nicht sein, dass Kinder in Deutschland nicht schwimmen können, weil Bäder schließen oder Personal fehlt. Das müssen wir uns als Gesellschaft leisten“, forderte Warnecke.
DSV mit konkreten Vorschlägen, wie Deutschland wieder zur Schwimmnation wird
Der DSV hat die politische Debatte aktiv mitgestaltet. Im Sportausschuss des Deutschen Bundestages hat der Verband konkrete Vorschläge eingebracht – darunter den Deutschen Schwimmbadplan als langfristige Leitlinie für Sanierung und Neubau der Bäderinfrastruktur. „Wir müssen mit den Schulen kooperieren, unsere 2.500 Vereine weiter mobilisieren und gegenüber Politik und Gesellschaft deutlich vernehmbar bleiben“, sagte DSV-Vorstand Jan Pommer. „Das größte Problem aber ist, dass die Infrastruktur seit Jahrzehnten verfällt und dringend ertüchtigt werden muss. Nach dem Goldenen Plan der Siebziger- und Achtzigerjahre hat sich zu wenig getan – das muss jetzt nachgeholt werden.“
© Tino HenschelDSV-Maskottchen Otto freute sich mit allen, die ihr Schwimmabzeichen erfolgreich ablegten
Erste Fortschritte gibt es bereits: Im Rahmen des nationalen Sondervermögens fließen erste Mittel – insgesamt rund 250 Millionen Euro – in den Schwimmbadbau. „Das ist ein ermutigender Anfang, und wir sind dankbar dafür“, so Pommer. „Aber es fehlen noch immer Milliarden. Der Weg ist richtig – und wir müssen ihn konsequent weitergehen.“
Das erklärte Ziel: Bis 2035 soll kein Kind mehr die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können. „Schwimmen ist eine lebenslange Kompetenz, vom Babyschwimmen bis zur Rentnerin mit der Blümchenbadekappe. Früher war das so selbstverständlich wie Lesen und Schreiben. Da wollen wir wieder hin“, bekräftigte Jan Pommer.