Olympiaquali im Wasserspringen: Warum der Weltcup künftig noch wichtiger wird

Philip Häfner
Philip Häfner
11:36

World Aquatics hat den Qualifikationsmodus für Los Angeles 2028 verkündet. Warum dieser eine besondere Herausforderung darstellt und was der Chef-Bundestrainer davon hält, erfährst du hier.

Wasserspringerin Jette Müller aus Deutschland springt beim Weltcup in Windsor in Kanada vom 3m-Brett© World Aquatics

Der Weg zu Olympia 2028 im Wasserspringen hat sich auch für Jette Müller verändert

Der Weg zu Olympia sieht beim Wasserspringen für Los Angeles (USA) 2028 ganz anders aus als bei den Spielen zuvor. Denn genau wie beim Beckenschwimmen, wo dort die Tickets für die neuen 50m-Disziplinen vergeben werden, spielt diesmal der Weltcup für die Qualifikation eine entscheidende Rolle. Damit erhält die Weltcupserie im Olympiajahr eine zusätzliche Aufwertung und der Schwimmsport auch über den internationalen Saisonhöhepunkt hinaus eine noch größere Wahrnehmung.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Weltverband World Aquatics haben die Qualifikationsmodus jetzt bekanntgegeben. Die wichtigste Neuerung: Die vorherigen Weltmeisterschaften 2027 in Budapest (HUN), mit über 10.000 Aktiven die größten Wassersport-Titelkämpfe aller Zeiten, ist für die vier Synchrondisziplinen diesmal gänzlich irrelevant. Stattdessen erfolgt die Qualifikation dafür diesmal ausschließlich über die ersten beiden Stationen des Weltcups in 2028.

Die aktuell stärksten Teams sollen in Los Angeles dabei sein

Die Top drei des ersten Events lösen ihr Ticket ebenso wie die drei besten Paare des zweiten Stopps, die nicht schon beim ersten erfolgreich waren. Theoretisch reicht dort also sogar Rang sechs, sollte das Podium bei beiden Weltcups identisch ausfallen. Den letzten Startplatz erhält das Team, das bei einer der beiden Stationen den höchsten Punktwert erreicht hat, aber noch nicht über die Platzierung für Los Angeles qualifiziert war. Wichtig dabei: Beim Wasserspringen werden stets nur Quotenplätze für das eigene Land gelöst. Welche Athlet*innen diesen Quotenplatz letztendlich wahrnehmen, entscheidet sich erst zu einem späteren Zeitpunkt. Hierzulande war dafür in der Vergangenheit das Ergebnis der Deutschen Meisterschaften im Olympiajahr maßgeblich.

Ich finde es sehr spannend und herausfordernd. Nur Weltcups innerhalb von zwei Wochen ist hart. Wenn jemand krank oder verletzt sein sollte, gibt es keine weitere Chance.

Mit dem neuen Qualifikationsmodus wolle man sicherstellen, dass sich die stärksten und wettbewerbsfähigsten Teams so kurz vor den Olympischen Spielen wie möglich qualifizieren, heißt es der Mitteilung von World Aquatics. Christoph Bohm als Chef-Bundestrainer des Deutschen Schwimm-Verbands e.V. (DSV) meint: „Ich finde es sehr spannend und herausfordernd. Nur Weltcups innerhalb von zwei Wochen ist hart. Wenn jemand krank oder verletzt sein sollte, gibt es keine weitere Chance. Früher galt: WM-Medaille im Jahr zuvor und dann der Weltcup oder ein anderer Wettkampf im Olympiajahr. Aber wir nehmen diese neue Herausforderung natürlich an.“

Auch im Einzel eröffnet der Weltcup im Wasserspringen den Weg zu Olympia

In den Einzeldisziplinen spielen die Weltmeisterschaften für die Olympiaqualifikation nach wie vor eine wichtige Rolle. Allerdings lösen dort nur noch die ersten acht der WM 2027 einen Quotenplatz für ihr Land statt wie bisher die besten zwölf. „Auch im Einzel wird es also herausfordernder“, sagt Bohm. Je ein Platz wird über kontinentale Meisterschaften im Jahr 2027 vergeben, wobei aber Aktive, die bereits bei der WM einen Platz sichern konnten, keinen weiteren mehr holen dürfen – und dafür auch nicht der oder die Zweitplatzierte nachrückt.

Alle Details zur Olympiaqualifikation im Wasserspringen

Alle noch offenen Startplätze – pro Disziplin maximal zwei pro Nation und insgesamt 68 pro Geschlecht – werden dann ebenfalls bei den ersten beiden Weltcups 2028 vergeben. Dabei zählt die jeweils höchste Punktleistung bei einer der beiden Stationen. Auch im Einzel wird die Serie damit entscheidend aufgewertet.

Damit ist nun für fast alle Schwimmsportarten der Weg nach Los Angeles bereitet. Zuvor hatte das IOC bereits die Qualifikationsmodi für das Becken- und Freiwasserschwimmen sowie für das Synchronschwimmen veröffentlicht. Der noch offene Modus für Wasserball wird voraussichtlich auf der nächsten Sitzung des IOC-Exekutivkomitees behandelt.