Frankreichs Topstar bringt die Halle in Paris erneut zum Beben, auch der Magdeburger Weltrekordler zeigt sich davon beeindruckt.
Verkehrte Welt für Lukas Märtens. Der Schwimmer, der in den vergangenen beiden Jahren jeweils Gold im ersten Rennen von Olympia und WM gewann, war bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) mit seiner Paradestrecke erst ganz zum Schluss im letzten Einzelrennen dran. Der 24-Jährige vom SC Magdeburg gewann dort die 32. Medaille für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) bei diesen Titelkämpfen (und die 14. beim Beckenschwimmen), in ungewohnter Weise schillerte diese diesmal aber in Bronze.
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Nach 3:44,57 Minuten schlug Märtens hinter Superstar Léon Marchand (FRA/3:43,14) und dem erst 16 Jahre alten Oliver Papai (HUN/3:44,46) an, der zweite deutsche Finalist Oliver Klemet (SG Frankfurt) belegte Rang fünf (3:45,16). „Ich bin trotzdem zufrieden. Das ist jetzt meine dritte Medaille hier, das habe ich vorher auch nicht geschafft und das ist damit ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Märtens. „Wer mich kennt, weiß aber auch, dass ich da noch einen Tick mehr herausholen wollte. Für mich gilt es jetzt, neue Dinge zu lernen, um künftig auch mit so einer Atmosphäre wie hier klarzukommen. Jeder in der Halle hier, außer vielleicht meine Eltern, war für Léon Marchand. Das haben wir so noch nicht erlebt. Und damit umzugehen, ist gar nicht so leicht. Daran muss man nun sportpsychologisch arbeiten, damit man das dann in Los Angeles noch mehr ausblenden kann.“
© Jo Kleindl
Im Jahresverlauf war Märtens mehrfach schneller unterwegs als Marchand beim EM-Sieg
Für diese EM hatte sich Märtens mit seinem Trainer Bernd Berkhahn für ein ungewöhnliches Programm entschieden. Sechs Rennen über 200m Freistil standen dabei vor dem Hauptrennen an: drei im Einzel (Siebter nach drei Runden) und dazu insgesamt drei mit Silber und Bronze belohnte Staffeleinsätze. Auf das erhoffte Tempo kam Märtens dabei aber aus bislang ungeklärten Gründen nie, am Ende auch auf seiner Paradestrecke nicht. Dort traute er sich dann nicht einmal mehr, das gewohnte Tempo anzuschlagen. Dabei war er doch selbst bei einem lukrativen Einladungswettkampf im März (3:43,04) und auch bei den Deutschen Meisterschaften im April (3:41,76) quasi aus dem Training heraus schnellere Zeiten geschwommen.
„Ich würde nicht sagen, dass die Belastung vorher zu hoch war. Das war einfach der siebte Wettkampftag, das ist es ganz normal, dass mal leer geht“, resümierte Märtens. „Das ist normal, dafür sind wir alle Menschen. Außer vielleicht Johannes (Liebmann, Anm. d. Red.), der gestern was anderes gezeigt hat. Letztlich können wir zufrieden sein. Wir haben hier als Team einfach super abgerissen.“
Salchow führt die Lagenstaffel auf Rang fünf
Auch dank Klemet, der am Tag nach 1500m-Bronze auch wieder lange auf Kurs vierte EM-Medaille lag, den dann aber die Kräfte doch verließen. „Ich dachte eigentlich, dass heute Nachmittag noch ein bisschen mehr drin ist, aber es war dann schon ein bisschen viel über die letzten zwei Wochen hinweg. Dann hat es sich ganz ausgereicht, aber ja, ich glaube, man kann mit der EM zufrieden sein“, sagte er.
Außerdem belegten Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV/54,09)), Melvin Imoudu (Potsdamer SV/58,76), Kaii Liam Winkler (SG Neukölln Berlin/51,32) und Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg/47,38) am Sonntag über 4x100m Lagen in 3:31,55 Minuten Rang fünf. Der Sieg ging an die Neutralen Athleten aus Russland (3:28,67) vor Italien (3:28,86) und Frankreich (3:29,03).
© Jo KleindlJosha Salchow, Melvin Imoudu, Kaii Laim Winkler und Cornelius Jahn (v.l.) schwimmen mit der Lagenstaffel auf Platz fünf.
Insbesondere Salchow deutete das Staffelergebnis als versöhnlichen Abschluss eines EM-Jahres, in dem mit Studienabschluss und Berufseinstieg lange andere Prioritäten für ihn galten. „Das Rennen war gut. Auch die Atmosphäre in der Halle, das ist so laut, da springst du rein, dann ist Stille, das ist schon komisch. Es war toll, nochmal im Finale gestanden zu haben, mein erstes und einziges Finale diesmal ja leider. Von daher bin ich zufrieden. Ich denke, daraus wird man gute Schlüsse ziehen können für die nächste Saison.“
Salchow verwies auf das hohe Niveau der Titelkämpfe, nicht nur wegen der vielen Welt und Europarekorde. „Wir haben gesehen, wie stark das Niveau auf den 100 Meter Kraul der Männer gestiegen ist. Wir sehen, dass im Schwimmsport allgemein irgendwie das Niveau krasser geworden ist, egal welche Lage, egal welches Geschlecht. Ich habe nichts zu verlieren, daher werde ich die nächsten zwei Jahre auf Risiko gehen und viel ausprobieren anstelle mich auf bestehende Muster zu verlassen. Denn damit bin ich bisher weit gekommen, ich will aber auf jeden Fall noch weiter“, so Salchow.
EM 2026 in Paris: DSV-Ergebnisse am 16. August
| Strecke | DSV-Starter*in | Persönliche Bestzeit | Deutscher Rekord |
|---|---|---|---|
| Vorläufe ab 09:30 Uhr | |||
| 400m Freistil Frauen | Isabel Gose | 04:06,37 | 2. (Q) |
| Maya Werner | 04:05,40 | 1. (Q) | |
| Linda Roth | 04:08,42 | 5. | |
| 400m Freistil Männer | Lukas Märtens | 03:46,33 | 8. (Q) |
| Oliver Klemet | 03:45,22 | 1. (Q) | |
| Johannes Liebmann | 03:47,88 | 11. | |
| Sven Schwarz | 03:46,68 | 9. | |
| 4x100m Lagen Frauen | Lise Seidel, Anna Elendt, Angelina Köhler, Nina Holt | 03:57,12 | 2. (Q) |
| 4x100m Lagen Männer | Cornelius Jahn, Melvin Imoudu, Kaii Liam Winkler, Josha Salchow | 03:32,18 | 4. (Q) |
| Finals ab 18:30 Uhr | |||
| 50m Freistil Männer Finale | 00:21,81 | ||
| 50m Brust Frauen Finale | Anna Elendt | 00:30,35 | 5. |
| 200m Lagen Männer Finale | 01:55,76 | ||
| 200m Schmetterling Frauen Finale | 02:05,26 | ||
| 100m Rücken Männer Finale | 00:52,27 | ||
| 400m Freistil Frauen Finale | Maya Werner | 04:03,73 | 3. |
| Isabel Gose | 04:02,41 | 2. | |
| 400m Freistil Männer Final | Oliver Klemet | 03:45,16 | 5. |
| Lukas Märtens | 03:44,57 | 3. | |
| 4x100m Lagen Frauen Finale | Lise Seidel, Anna Elendt, Angelina Köhler, Nina Holt | 03:56,21 | 4. |
| 4x100m Lagen Männer Finale | Cornelius Jahn, Melvin Imoudu, Kaii Liam Winkler, Josha Salchow | 03:31,55 | 5. |