Bei den Norddeutschen Meisterschaften in Magdeburg ist der Youngster schneller als Weltmeister Florian Wellbrock, Oliver Klemet und auch Sven Schwarz. Ob es für Paris reicht, hängt nun trotzdem vor allem an seinen Abiturabschluss.
© Tino HenschelMit Johannes Liebmann wächst ein weitere Langstreckenschwimmer im Weltklasseformat heran
Mit den Norddeutschen Meisterschaften „Lange Strecke“ in Magdeburg begann für die Freiwasserschwimmer*innen im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) am Samstag bereits die Qualifikation für die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August). In Beckenrennen über 5km kann man bis 07. März seine Zeit fürs Qualifikations-Ranking einbringen, nur auf dieser Strecke wird gemäß Nominierungsrichtlinie das EM-Ticket auf diese Weise vergeben. Los ging es dabei mit einer faustdicken Überraschung, denn Johannes Liebmann (SC Magdeburg) schlug dabei alle Topstars!
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In der Schwimmhalle in der Großen Diesdorfer Straße, in die wegen eines Bauschadens in der Elbeschwimmhalle längere Zeit ausgewichen werden muss, absolvierte der bis März noch 18-Jährige die 60 Bahnen mit beeindruckender Gleichmaß und schlug nach 51:46,49 Minuten an. Das bedeutet ein Durchschnitt von rund 1:02 Minuten pro 100 Meter – zu diesem Saisonzeitpunkt eine sehr beeindruckende Ausdauerleistung. Der Olympiazweite Oliver Klemet (SG Frankfurt) hatte bereits nach rund 1500 Metern abreißen lassen müssen, er wurde in 52:20,76 Minuten Zweiter. Liebmanns Vereinskollege Florian Wellbrock, als Weltmeister auf dieser Strecke für die EM gesetzt, hatte das Tempo bis 3,5 Kilometer diktiert. Er ging nach einer harten Trainingswoche dann aber vom Gas und schlug nach 52:51,31 Minuten an.
Johannes Liebmann unterbietet über 1500m bereits die U23-Norm für Paris
„Das war schon richtig gut“, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn am Abend. Zweieinhalb Stunden nach den 5km war Liebmann dann nämlich auch noch die 1500m Freistil geschwommen und hatte dort in 15:06,27 Minuten den WM-Zweiten Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover/15:15,91) hinter sich gelassen. Damit unterbot er auch schon mal die U23-Norm für Paris, bis zu vier Startplätze werden bekanntlich vergeben für den Saisonhöhepunkt im Sommer. Und am Sonntag kraulte Liebmann die 800m Freistil in 7:56,60 Minuten, diesmal mit dem WM-Dritten Lukas Märtens (SC Magdeburg) als Pacemaker bis zur Rennhälfte.
„Ich hatte zwei Einheiten weniger in dieser Woche und war deswegen ausgeruhter als meine Kollegen. Aber ich würde schon gern mit zur EM. Deswegen ist es schön zu wissen, dass nun auch Freiwasser eine Option sein kann“, meinte Liebmann, der auch schon eine JEM im Freiwasser bestritten hat. Nach dem Gewinn von mehreren JEM-Medaillen in den vergangenen beiden Sommern im Becken war ihm im Dezember als Viertem der Kurzbahn-EM in Polen ein tolles Debüt in der Nationalmannschaft gelungen, samt Junioren-Weltrekord zum Abschied aus dem Nachwuchsalter. Nun macht er den etablierten Kräften offenbar weiter Druck.
Anstrengendes Schuljahr wegen Endspurt im Abitur
Sein weiterer Saisonverlauf wird nun allerdings vor allem von den anstehenden Abiturprüfungen beeinflusst. „Das wird ein schwieriges Frühjahr. Noch wissen wir nicht, was das Saisonziel sein kann“, sagte Berkhahn. Zum Auftakt des Freiwasser-Weltcups in Soma Bay (EGY/27. – 28. März) kann Liebmann wegen der schulischen Anforderungen nicht mitschwimmen nach dem Höhentrainingslager in Spanien zuvor. Ein Weltcupstart ist für einen EM-Ticket im Freiwasser laut DSV-Nominierungskriterien aber gefordert. Eine Woche später beginnt dann schon die EM-Qualifikation im Becken, bei der er wegen der Prüfungstermine dann wohl nur einen einzigen Schuss beim „Pokal der Gothaer“ haben wird. Am Freitag während der Deutschen Meisterschaften in Berlin (23. – 26. April) und am Montag danach sind nämlich seine Abi-Prüfungen angesetzt.
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„Wir müssen schauen, was tatsächlich geht“, meinte Liebmann. Fest steht nach den Norddeutschen Meisterschaften jedoch schon eines: Ein JEM-Start im Freiwasserschwimmen, den er mit seiner Leistung vom Samstag wohl schon sicher hat, wäre für so ein Talent eigentlich zu wenig.
© Tino HenschelJohannes Liebmann ist eines der großen Schwimmtalente in Deutschland