Goldene EM-Woche für das deutsche Eisschwimmen

Kilian Graef
Kilian Graef
21:18

Die deutschen Aktiven dominieren bei den Eisschwimm-Europameisterschaften in Molveno. Alisa Fatum-Böker gewinnt in Italien vier Titel, Andreas Waschburger zwei.

Erfolgreiche Woche für das EIschwimmen im DSV mit vielen Medaillen für das EM-Team© Hylo Sport / Aaron Lombardozzi

Erfolgreiche Woche für das EIschwimmen im DSV mit vielen Medaillen für das EM-Team

Knapp viereinhalb Minuten schon kämpft sich Andreas Waschburger (SSG Saar Max Ritter) durch das nur knapp zwei Grad kalte Wasser. Das Rennen im Freibad von Molveno (ITA) läuft gut, der Saarländer führt nach knapp bei der Hälfte der Königsdisziplin. Doch plötzlich kommen Zweifel beim 39-Jährigen auf. „Ich habe ans Abbrechen gedacht.“ Schon vor dem Rennen fühlte er sich angeschlagen, bekam schlecht Luft. „Vielleicht war es die Höhe“, mutmaßt Waschburger im Nachhinein, der Wettkampfort liegt schließlich mitten in den Dolomiten. Außerdem ist gerade der Zeitpunkt erreicht, an dem sich das Gefühl in Händen und Füßen wegen der Kälte beinahe komplett verabschiedet. Doch Waschburger beißt sich durch.

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„Bei der Wende habe ich nochmal kräftig durchgeatmet und ein bisschen Tempo rausgenommen“, sagt er. Die Fans am Wettkampfpool bekommen von alldem aber nichts mit. Sie jubeln Waschburger ununterbrochen zu und sehen, wie der amtierende Weltmeister und Weltrekordhalter seinen Vorsprung Bahn für Bahn ausbaut. Nach 11:46,27 Minuten schlägt Waschburger vor dem Franzosen Axel Reymond und dem Polen Filip Lewicki als Erster an. Und sichert sich nach den 500m Freistil am Dienstag seinen zweiten Titel bei den Europameisterschaften im Eisschwimmen. Hinzu kommen noch je eine Silber- und Bronzemedaille bei dieser EM.

Über 1000 Meter schneller angegangen als beim 500m-Sieg

Alisa Fatum-Böker (SSV Leutzsch) verfolgt das Geschehen – so gut es beim Wieder-warm-werden geht. Die zitternde Sächsin hat den Kilometer schon hinter sich. Und den Wettkampf einmal mehr dominiert. „Ich habe schon vorher anhand der 500 und 250 Meter herumgerechnet, welche Zeit ich über den Kilometer schaffen kann“, sagt Fatum-Böker. Und trotzdem ist sie überrascht von sich selbst. Die erste Hälfte geht sie noch schneller an als bei ihrem Sieg im 500m-Rennen. Dennoch bricht die erfahrene Eisschwimmerin hintenraus nicht ein. Und schnappt sich den Titel mit über einer Minute Vorsprung. „Das war auf jeden Fall mein bestes Rennen“, sagt sie.Es ist eine von insgesamt sogar fünf Medaillen, die die erfolgreichste Eisschwimmerin der Historie in Molveno gewinnt. Viermal Gold und einmal Bronze. In Italien kämpft sich Fatum-Böker mal bei Schneefall, mal bei Regen und mal bei starkem Wind durch das Wasser. „Das macht uns nichts aus“, sagt Fatum-Böker. „Am schönsten ist es wegen der Kulisse aber bei Schnee.“ Zum Traum von einer Integration des Eisschwimmens in die Olympischen Winterspiele passt das ja auch am besten.

© Hylo Sport / Aaron Lombardozzi

Zum EM-Abschluss wieder eine Staffelmedaille

Während des letzten EM-Rennens am Samstag schaut dann sogar einmal die Sonne heraus. „Das macht für den Kopf noch mal viel aus“, sagt Fatum-Böker. In der 4x250m-Freistil-Staffel holen die deutschen Stars zusammen mit Marie-Therese Bartl (Serwus Burghausen) und Kilian Graef (SC Regensburg) zum Abschluss der EM Bronze. Über die prestigeträchtigen langen Strecken ist Deutschland mit Abstand das erfolgreichste Team. „Ich bin begeistert“, sagt der zuständige Trainer Stefan Hetzer.

Denn Ines Hahn (Serwus Burghausen/Berliner TSC) holt auch noch 500m-Silber, Fatum-Böker über 250m Freistil und 100m Schmetterling Gold und Waschburger sowie Marie-Therese Bartl Silber. Ines Hahn wird auch Vizeeuropameisterin über 200m Lagen, knapp vor Sarah-Anne Richter (SSG 1881 Erlangen). Christina Gockeln (SG Mallersdorf-Pfaffenberg) erkämpft Bronze über 100m Brust, Bartl wird über 100m Schmetterling ebenfalls Dritte. In der Para-Wertung gewinnen Tina Deeken (SSF Obernkirchen), Joseph Rothenaicher (Serwus Burghausen) und Georg Dreuw (Hansa 21 Simmerath) eine Medaille.

Saisonfinale bei den Deutschen Meisterschaften

Für viele Eisschwimmer*innen geht die Saison nun am 20./21. Februar mit den Deutschen Meisterschaften in Neuhermsdorf (Zollhaus Open) zu Ende. Für Andreas Waschburger war bereits die EM der letzte Wettkampf in diesem Winter. „Mein Fokus liegt jetzt auf der Umrundung von Manhattan“, sagt Waschburger. Mitte Juni will der Weltrekordhalter über die Ocean‘s Seven die 48 Kilometer in New York (USA) absolvieren. Für Fatum-Böker endet die Saison dagegen erst mit der WM der Winterschwimmer*innen in Finnland im März.

Andreas Waschburger über das Glücksgefühl beim Eisschwimmen

Zum WM-Abschluss machte der Weltverband IISA noch eine Ankündigung: Die nächsten Titelkämpfe werden 2027 nicht wie ursprünglich geplant in Frankreich, sondern in Oradea (ROU) steigen. „Es könnte meine letzte WM mit Ambitionen werden“, kündigte Waschburger eine Reise nach Rumänien schon mal an.

Eisschwimmen EM in Molveno© Hylo Sport / Aaron Lombardozzi

Das Eisschwimmen erlebte eine EM vor olympiawürdiger Kulisse in Molveno