Florian Wellbrock fischt die nächste Goldmedaille aus der Seine

Raik Hannemann
Raik Hannemann
13:53

Mit seinem Triumph auch über 5km macht der Magdeburger ein seltenes Titel-Double perfekt. Oliver Klemet wird Zehnter und Julia Ackermann belegt Rang 13.

Florian Wellbrock mit der Goldmedaille in Paris© Jo Kleindl

Florian Wellbrock mit der Goldmedaille in Paris

In den kommenden Tagen wird Florian Wellbrock im Rahmen der EM-Rennen in Paris (FRA) seine Auszeichnung als Europas bester Freiwasserschwimmer 2025 überreicht bekommen, in Würdigung seiner historischen vier WM-Titel des Vorjahres in Singapur. Derweil arbeitet der Magdeburger weiter an seinem Legendenstatus und sammelt in der Seine fleißig Argumente, dass ihm diese Ehre auch am Ende dieses Jahres wieder zuteilwerden wird.

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Nach dem EM-Gold über 10km am Tag zuvor triumphierte Wellbrock am Mittwoch auch über die 5km-Distanz. Nach 55:40,2 Minuten setzte sich der 28-Jährige vom SC Magdeburg vor Dávid Betlehem (HUN/55:42,6), der schon auf der olympischen Distanz Zweiter hinter ihm gewesen war, und dem Italiener Gregorio Paltrinieri (55:44,7) durch.

„Ich habe hier mit nichts gerechnet und bin nun mit der zweiten Goldmedaille herausgekommen. Das ist unglaublich“, meinte Wellbrock. „Ich habe vorher nicht tiefgestapelt, ich war einfach nur ehrlich. Teilweise musste ich im Saisonverlauf mit den Mädels trainieren, weil ich für die Jungs zu langsam war. Ich habe absolut keine Erklärung für diesen Leistungssprung. Aber es macht natürlich Spaß, wenn es am Ende der Saison dann trotzdem klappt.“

Wellbrock ist erst der vierte Schwimmer mit dem Gold-Double

Der 28-Jährige ist damit erst der vierte Schwimmer in der EM-Geschichte, dem das Gold-Double über diese beiden Strecken gelungen ist. Oliver Klemet (SG Frankfurt) als zweiter Starter des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) kam nach seiner Bronzemedaille am Vortag wieder in die Top Ten und wurde Zehnter (56:34,0).

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Es war erneut eine Demonstration der Stärke von Florian Wellbrock. Wie schon über 10km drückte er dem Rennen auch diesmal wieder seinen Stempel auf und schwamm von Beginn an von der Spitze weg, so wie er es am liebsten hat. In seinem Schlepptau: Betlehem, Sacha Velly (FRA), der lange Zeit die französischen Hoffnungen auf eine Medaille für die Gastgebernation wachhielt, sowie Paltrinieri – wohingegen Olympiasieger Kristóf Rasovszky (HUN) nach einer misslungenen Wende an einer Boje in der letzten Runde endgültig abreißen lassen musste.

Auf dem letzten Kilometer machte Betlehem dann noch einmal ordentlich Druck, wich dafür sogar in eine eigene Spur ein paar Meter neben Wellbrock aus. Vorbei kam er allerdings nicht mehr. Den Sieg – den ersten für Deutschland auf dieser Distanz seit 20 Jahren – ließ sich der Weltmeister nicht mehr nehmen.

Florian Wellbrock schwamm in Paris auch über 5km allen davon© Jo Kleindl

Florian Wellbrock schwamm in Paris auch über 5km allen davon

Veränderungen im Training haben sich ausgezahlt

„Das war beeindruckend, wie die Männer in diesem Rennen gekämpft haben. Einige wollten Revanche für gestern und waren sehr motiviert. Alle sind ans Limit gegangen, aber Florian hat die Geschwindigkeit von Anfang an so hoch gehalten auf einem Niveau, dass da keiner mehr herankam“, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Auch verriet der Coach, dass er für seinen Sportler im Saisonverlauf die Trainingssteuerung weg von intensiveren hin zu extensiveren Belastungen umstellte, um ihn wieder in Form zu bringen. Zudem wurde die Erholung vor dem Saisonhöhepunkt ausgedehnt. „Wir arbeiten schon seit 2014 zusammen, haben im Training immer mal etwas verändert. Jetzt war es wieder an der Zeit, etwas zu verändern, um den Körper dazu zu bringen, so effektiv zu arbeiten und solche Erfolge zu leisten. Der Körper verändert sich, das Höchstalter für Ausdauerleistungen liegt aber noch höher. Also kann Florian noch ein paar Jahre so erfolgreich sein“, so Berkhahn.

Vier Mal Gold wie in Singapur ist weiterhin möglich

Geholfen hat Wellbrock zweifellos auch seine neue Gelassenheit, die er nach der Olympia-Enttäuschung von 2024 (Rang acht) in der Mentalarbeit mit seiner Psychologin erarbeitet hat. „Im Endeffekt ist es nur Sport. Es ist irgendwo ein Hobby. Klar, wir verdienen damit unser Geld. Aber man sollte es nicht zu wichtig im Leben nehmen. Das ist meiner Erkenntnis aus den letzten zwei, drei Jahren. Das Mindset hat sich entsprechend verändert“, erzählte Wellbrock.

Am Ende könnte sich so trotz weniger Trainingsintensität sogar der Erfolg des Vorjahres wiederholen lassen. „Ich habe das schon mal kurz im Hinterkopf bekommen, dass man das eventuell wiederholen könnte mit vier Goldmedaillen wie in Singapur. Aber ich halte da weiter lieber den Ball flach und gucke, dass ich gut regeneriere und morgen wieder klarkomme.“

Gute Erholung wünscht sich auch Oliver Klemet, der nach 10km-Bronze zwar sehr forsch ins Rennen startete, aber nach einer misslungenen Attacke bei Rennhälfte viele Positionen verlor. Danach entschied er sich, seine Kräfte lieber schon für den Knockout Sprint am Freitag zu schonen.

Erfolgreich in Paris: Oliver Klemet, Bundestrainer Bernd Berkhahn und Florian Wellbrock© Jo Kleindl

Erfolgreich in Paris: Oliver Klemet, Bundestrainer Bernd Berkhahn und Florian Wellbrock

Julia Ackermann mit überzeugendem EM-Debüt

Bei den Frauen schwamm Ginevra Tadeucci (ITA) ebenfalls zur zweiten Goldmedaille. In 1:02:31,2 Stunden siegte sie erneut vor Viktoria Mihalyvari Farkas (HUN/1:02:33,4) und Landsfrau Barbara Pozzobon (ITA/1:02:35,1). Julia Ackermann, nach der gesundheitsbedingten Absage von Fabienne Wenske einzige Deutsche im Feld, belegte 1:03:17,7 Rang 13.

Nach ihrem JEM-Triumph vor zwei Wochen in Ungarn gelang Ackermann damit ein überzeugendes Debüt in der offenen Klasse. „Die erste und die letzte Runde waren ganz gut, ich bin ganz zufrieden. Man merkt natürlich, dass die anderen hier viel mehr Erfahrung haben“, sagte Ackermann. Die 19-Jährige empfahl sich mit ihrer Leistung auf jeden Fall für den Staffeleinsatz am Samstag. „Dort zu schwimmen, ist schon ein kleiner Traum von mir“, gestand sie.