Auch Anna Elendt, Linda Roth, Lukas Märtens und Melvin Imoudu beeindrucken mit Topleistungen in Hannover zum Auftakt der ersten Deutschen Sprint- und Lagenmeisterschaften.
© Jo KleindlLise Seidel gewinnt das erste Schwimm-Gold in Hannover
Bei der Premiere der Deutschen Sprint- und Lagenmeisterschaften im Rahmen der Finals 2026 in Hannover haben sich Lise Seidel (SC Chemnitz) und Björn Kammann (AMTV-FTV Hamburg) die ersten Goldmedaillen erkämpft. Beide sicherten sich am Donnerstag den Sprinttitel im Elimination Race über 50m Rücken.
Finals 2026: Zeitplan und alle Ergebnisse
Die Tribünen in Hannovers altehrwürdigem Stadionbad waren rappelvoll, und das Publikum konnte die Leidenschaft und vor allem auch die Leidensfähigkeit von Deutschlands Topschwimmer*innen geradezu spüren bei diesem neuen Format. Nach dem ersten Lauf schieden die zwei langsamsten Aktiven aus, nach dem zweiten Lauf weitere drei. Im dritten 50m-Sprint wurden dann die Medaillen aufgeteilt. Lise Seidel setzte sich dabei vor Viktoria Hoffmann (SG Lübeck) und Lina Kröger (SG Essen) durch, blieb dabei als einzige Starterin auch dreimal unter 30 Sekunden.
Lise Seidel: Starker Auftritt nach Nasen-OP und Abi-Prüfung
„Ich habe anfangs unterschätzt, wie hart das ist“, meinte Seidel, die zuvor schon Schnellste über die 200m Rücken im Rahmen der Lagenmeisterschaften gewesen war. Die überzeugenden Auftritte geben ihr nach einem herausfordernden Frühjahr mir Nasen-Operation und Abitur-Prüfung nun aber viel Schwung für die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August). „Das war schon sehr wichtig für mein Selbstvertrauen, jetzt freue ich mich auf die EM“, sagte Seidel.
Kammann feierte seine Erfolge bisher vor allem als Schmetterling, wilderte nun aber erfolgreich im fremden Revier. Weil er das beste Stehvermögen zeigte und sich die Kräfte wohl auch am besten einteilte, konnte er im letzten Lauf dann sogar den deutschen Rekordhalter Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin) und Maurice Grabowski (SC Wiesbaden) hinter sich lassen.
Björn Kammann in der Laktat-Schlacht mit dem besten Stehvermögen
„Ich bin sehr stolz, auch wenn ich vorher schon ein wenig damit geliebäugelt habe“, meinte Kammann. „Es war sehr interessant und bis zum Ende spannend, weil man die Gegner nicht wirklich einschätzen konnte. Es tut am Ende auch deutlich mehr weh als in einem 200-Meter-Rennen, weil das Laktat zwischendrin durch die Pausen noch einmal deutlich höher springt als gewohnt.“ Die neue Schwimmdiziplin kam damit bei Fans wie Aktiven gut an. Und schürte schon Vorfreude auf die Sprint-Entscheidungen in den anderen drei Schwimmarten am Samstag und Sonntag.

Ole Braunschweig, Björn Kammann und Maurice Grabowski (v.l.) bei der Siegerehrung auf der Maschessebühne
Neu sind auch die Deutschen Lagenmeisterschaften, bei denen in der gleichen Schwimmart auf zwei verschiedenen Streckenlängen gepunktet werden kann. Die Führung bei Halbzeit sicherte sich dabei beispielsweise Linda Roth (SC Magdeburg). Die frischgebackene Junioren-Europameisterin gewann ein packendes Rennen über 200m Freistil in 1:58,56 Minuten knapp vor Maya Tobehn (Dresdener SC/1:58,69) und Maya Werner (SC Magdeburg/1:58,86). Das verspricht viel Spannung für die Fortsetzung des Duells am Freitag mit den 100m Freistil.
Linda Roth nach JEM-Triumph weiterhin in Topform
„Ich bin glücklich. Nach der JEM sind wir erst einmal wieder ins Training eingestiegen. Deswegen hätte ich nicht gedacht, dass es so schnell wird. In München sind die 100 Meter nicht so gut gelaufen. Aber ich hoffe, dass es hier nun morgen reichen wird“, meinte die erst 18 Jahre alte Roth.
Mit klarem Vorsprung gewann dagegen Roths Vereinskollege Lukas Märtens die 200m Freistil (1:47,09). „Das liegt voll im Plan für die EM, auch wenn derzeit noch etwas Spritzigkeit fehlt“, meinte der Olympiasieger, der am Donnerstag nebenher auch noch fünf Trainingskilometer abspulte.
Fans im Stadionbad beflügeln Weltmeisterin Anna Elendt
In der Lagenmeisterschaft fürs Brustschwimmen gingen Weltmeisterin Anna Elendt (SG Frankfurt) und Europameister Melvin Imoudu (Potsdamer SV) mit starken 100m-Zeiten in Führung. Elendt schlug nach 1:06,95 Minuten an, Imoudu war in 1:00,72 Tagesschnellster. Beide sind vor dem 200m-Rennen am Freitag damit Favoriten auf den Titel. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich aus vollem Training hier unter einer 1:07 schwimmen und bin daher megahappy. Aber ich habe vorher das Publikum auf der vollen Tribüne gesehen und mir dann gedacht, vielleicht solltest du einfach ein bisschen schneller schwimmen.“ Das hat gut geklappt und zur gelungenen Premiere der neuen Titelkämpfe im Rahmen der Finals von Hannover beigetragen.
© Jo KleindlWeltmeisterin Anna Elendt glänzt in Hannover über 100m Brust mit einer Topzeit