In der Woche, in der die Olympischen Winterspiele beginnen, steigt auch für Deutschlands Eisschwimmteam der Saisonhöhepunkt. Bei den Europameisterschaften in Italien gelten Alisa Fatum-Böker und Andreas Waschburger als Titelgarant*innen. Für den Saarländer werden die ersten Rennen als Vater besonders emotional.
© Kilian GraefAndreas Waschburger ist beim Eisschwimmen amtierender Welt- und Europameister
Im Wasser hat Andreas Waschburger beinahe alles schon erlebt. Bei Olympia ist er schon mitgeschwommen, die Ocean’s Seven hat er bezwungen und ist dabei sogar Haien begegnet, auch Welt- und Europameister im Eisschwimmen ist er schon geworden. Und trotzdem erlebt der 39-Jährige in dieser Woche noch eine weitere Premiere: Die Europameisterschaften in Molveno (ITA) werden sein erster Eisschwimmwettkampf als Vater.
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„Die letzten Wochen waren sehr emotional“, verriet der amtierende Welt- und Europameister im Eisschwimmen. Ende Januar kam mit Töchterchen Mila nämlich sein erstes Kind auf die Welt. „Mein Frau Jasmin und ich sind überglücklich“, sagt er. Mit einem emotionalen Extraschub möchte der Polizist nun die am morgigen Dienstag beginnenden EM-Rennen angehen. Bei der vorherigen EM in Oradea (ROU) stellte Waschburger den Weltrekord in 11:24,20 Minuten über den Eiskilometer auf, das ist die Königsdisziplin beim Eisschwimmen. Und auch den Weltrekord über 500 Meter Freistil (5:32,72) hält der Saarländer bis heute.
Eisschollen im Becken: Die Wassertemperatur beträgt nur rund ein Grad
In Rumänien waren die Wassertemperaturen vergleichsweise mild: etwa vier Grad. Erst bei über fünf Grad zählen Weltrekorde nicht. „In Molveno hat das Wasser nur circa ein Grad gerade“, weiß Waschburger. Jeden Tag fischen Freiwillige daher Eisschollen aus dem Freibadbecken, das die Aktiven nach dem Rennen mit einem Blick auf die Dolomiten belohnt. Waschburger meint: „Da ist ein neuer Rekord unrealistisch.“
Eisschwimmen: So lernt man das Frieren richtig
Die Titel über die langen Strecken zu verteidigen, bleibt aber sein großes Ziel. Dabei steht ihm Axel Reymond im Weg. Der Franzose ist zweifacher Weltmeister über die 25 Kilometer im Freiwasser und hat auch schon sieben EM-Medaillen in seiner Sammlung. Bei der Eisschwimm-WM 2025 gab er sich über den Kilometer nur Waschburger geschlagen. „Axel hat einen Trainerwechsel hinter sich und ist fitter als die letzten Jahre“, schätzt Waschburger seinen französischen Haupt-Konkurrenten am Freitag ein. Die 500 Meter am Dienstagnachmittag Freistil werden wohl eine Wundertüte. Der Pole Maksymillian Bem ist als Eischwimm-Neuling nur knapp drei Sekunden über Waschburgers Weltrekord gemeldet. Und auch ein Russe, der unter neutraler Flagge wieder starten darf, ist nach vier Jahren Abwesenheit schwer einzuschätzen.
Wie Andreas Waschburger:Alisa Fatum-Böker will die Titel verteidigen
Noch größer sind die Chancen auf eine Goldmedaille über die Königsdisziplin bei den Frauen. Alisa Fatum-Böker dominiert den Extremsport seit Jahren und ist die erfolgreichste Eisschwimmerin jemals. In den letzten Jahren gewann die Athletin aus Sachsen die 1000 Meter bei internationalen Meisterschaften mit oftmals über einer Minute Vorsprung. Auch auf den 500 Metern dürfte ihr keine bekannte Konkurrentin der letzten Jahre die Stirn bieten können. Doch über diese Disziplin hat Evdokia Brovkova vor, unter neutraler Flagge an Fatum-Bökers Weltrekord heranzuschwimmen.
Andreas Waschburger über das Glücksgefühl beim Eisschwimmen
An einer Serie, die das DSV-Team in Molveno weiterführen könnte, sind sowohl Fatum-Böker als auch Waschburger beteiligt. Bisher holte Deutschland über die 4×250m-Staffel bei jeder EM oder WM eine Medaille. Diese Serie aufrecht zu erhalten, wünscht sich Waschburger. Der frischgebackene Vater fühlt sich trotz zwei schlafloser Nächte und reduziertem Training topfit. „Ich habe mehr Schnelligkeit trainiert“, sagt er. Für den Mann, der im September als Abschluss der Ocean’s Seven noch den 36,5 Kilometer langen Nordkanal in Weltrekordzeit durchquerte, ist das ungewöhnlich. Bei den für Waschburgers Verhältnisse kurzen Strecken jedoch sicher ein gutes Vorzeichen.
Insgesamt sind übrigens 45 Deutsche im Alter zwischen 13 und 73 Jahren bei dieser EM am Start, darunter viele aus dem Weltklassekader des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV), der seit vergangenem Jahr auch für das Eisschwimmen als Dachverband zuständig ist. Mit Tina Deeken, Joseph Rothenaicher und Georg Dreuw sind auch drei Para-Schwimmer in Italien dabei.
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