Para Schwimmen: Neun EM-Titel und insgesamt 27 Medaillen für Team Deutschland

Raik Hannemann
Raik Hannemann
12:17

Mit Tanja Scholz, Verena Schott und Elena Semechin gewinnen gleich drei Mütter Gold bei den Titelkämpfen in der Türkei.

Verena Schott (r.) und die erst 13 Jahre alte Nisanur Kocabas freuen sich über ihre EM-Erfolge© Dominik Türk / 24passion / DBS

Verena Schott (r.) und die erst 13 Jahre alte Nisanur Kocabas freuen sich über ihre EM-Erfolge

Was für ein grandioses Finale eines ereignisreichen Schwimmsport-Sommers: Bei den Europameisterschaften im Para Schwimmen in Kocaeli (TUR) gewannen die Aktiven aus Deutschland in der vergangenen Woche insgesamt 27 Medaillen, neun davon in Gold. Tanja Scholz (PSV Union Neumünster) machte nach ihrem Paralympics-Sieg 2024 und bislang acht WM-Triumphen dabei ihre Titelsammlung mit gleich drei EM-Siegen (und einmal Silber) perfekt, in zwei Disziplinen krönte die 42-Jährige ihre Leistungen dabei sogar mit insgesamt drei Weltrekorden. Noch mehr Edelmetall, nämlich gleich zwei komplette Medaillensätze, gewann Verena Schott (BPRSV Cottbus) in der Türkei. Dabei war 37-Jährige im vergangenen Jahr zum dritten Mal Mutter geworden.

Alle Resultate der EM 2026 im Para Schwimmen

Auch andere Trümpfe stachen gewohnt zuverlässig. Knapp ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes gewann Elena Semechin (Berliner Schwimmteam) neben Gold über 100m Brust erstmals seit einigen Jahren auch wieder eine Medaille auf einer Nebenstrecke (50m Freistil), auch Taliso Engel (SG Bayer) blieb im Brustschwimmen das Maß aller Dinge. Josia Topf (SV Motor Babelsberg) stellte sich neuer Konkurrenz in seiner Startklasse, schwamm Bestzeiten und konnte sich am Ende über seinen ersten EM-Titel und insgesamt fünf Medaillen freuen. Gold gab es trotz einer Saison mit vielen Verletzungsproblemen auch wieder für seine Vereinskollegin Gina Böttcher.

Edelmetall für drei junge EM-Debütant*innen

„Wir haben gezeigt, dass wir trotz mehrerer Herausforderungen sehr, sehr gut gearbeitet haben und machen uns mit diesen Ergebnissen gestärkt auf den Weg Richtung Weltmeisterschaften 2027 und Paralympics Los Angeles 2028“, lobte denn auch Bundestrainerin Ute Schinkitz. „Wir nehmen das als Motivation und freuen uns riesig, dass wir als Team so gut performt und den Nachwuchs integriert haben. Das war bombastisch.“ Die Euphorie ist nachvollziehbar: Gleich elf von 22 Athlet*innen aus dem Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) gewannen Medaillen, darunter mit Florian Reiter (Silber) sowie Bálint Köszegváry und der erst 13-jährigen Nisanur Kocabas (jeweils Bronze) auch drei Debütant*innen.

„Es ist ein wunderbares Gefühl, es ist ein Märchen für mich. Mein Titel-Set ist komplett, jetzt kann ich nach Hause“, hatte Scholz schon am ersten Tag gesagt. Natürlich blieb sie trotzdem bis zum Schluss, und triumphierte bei tollen warmen Bedingungen insgesamt sogar dreimal. Nach den 50m Freistil zum Abschluss schwärmte Scholz dann wieder. „Ich bin durchs Wasser geflogen und die Bahn war so schnell vorbei wie schon lange nicht mehr. Ich hatte so viel Spaß. Es war einfach genial.“ Da gratulierte auch DSV-Bundestrainer Bernd Berkhahn, der Scholz einst vor ihrem schweren Unfall in Elmshorn trainierte: „Herzlichen Glückwunsch, Tanja. Großartig“, schrieb er auf Instagram.

Tanja Scholz mit Ehemann Oliver in der NDR Talkshow© pa/ABB

Para Schwimmerin Tanja Scholz mit Ehemann Oliver

Verena Schott: Sechs EM-Medaillen nach dem dritten Kind

Über ihre grandiose EM-Ausbeute von sechs Medaillen staunte aber auch Verena Schott. „Meine Karriere ist wirklich schon sehr lang, aber das habe ich noch nie erlebt. Ich liebe meinen Sport, ich liebe es zu schwimmen und mich mit anderen zu messen – das gibt mir Kraft und Motivation. Ich bin unfassbar glücklich und nach einer holprigen Saison richtig stolz auf mich, dass ich mich so zurückgekämpft und das erreicht habe. Das war wirklich krass.“ Dass Töchterchen Stella die Titelkämpfe vor Ort miterleben konnte, empfand sie als angenehm. „Das war ein schönes Gefühl, dass die Kleine dabei war und mich sogar bei der Siegerehrung erkannt hat – da war ich total happy“, so Schott.

Ihren Sohn Klaus und eine Betreuerin dabei hatte auch Elena Semechin. Die 33-Jährige sagte nach ihrem insgesamt achten EM-Titel: „Ich hatte ein sehr herausforderndes Jahr als frische Mama und musste mich erstmal eingrooven. Die Goldmedaille ist die Belohnung für die Arbeit. Früher hat sich alles um mich gedreht, um mein Training, um meine Erholung. Jetzt dreht sich alles um Klaus und ich muss mich irgendwie anpassen. Das ist schon eine Challenge für mich, die richtige Balance zu finden. Ich wünsche mir, dass es in Zukunft einfacher wird, das alles zu managen und zu organisieren.“

Auch Taliso Engel setzt seine Erfolgsserie weiter fort

Denn letztlich hat sie das gleiche Ziel wie Taliso Engel. Nämlich, die beeindruckenden Erfolgsserien in den nächsten Jahren weiter fortzusetzen. Engel betonte am Rande der EM, dass er bis LA 2028 denke. „Ich will mich als Athlet entwickeln, werde weiter Vollgas geben und will im Training wie im Wettkampf alles abreißen. Daher versuche ich, mich nicht auf den Erfolgen auszuruhen, sondern trotzdem weiter besser zu werden mit harter Arbeit und Disziplin, die ich Tag für Tag ins Training stecke. Ich konnte meinen Titel verteidigen und bin wieder Europameister geworden, auch wenn ich mit der Zeit nicht zufrieden bin.“

Taliso Engel© Jo Kleindl

Seit Jahren im Brustschwimmen erfolgreich: Taliso Engel holt auch bei der EM 2026 Gold

Deutsche EM-Erfolge im Para Schwimmen

Gold

Tanja Scholz (PSV Union Neumünster) 50m Brust (SB2) 56,44 (WR)

Tanja Scholz (PSV Union Neumünster) 150m Lagen (SM4) 2:40,35 (WR)

Tanja Scholz (PSV Union Neumünster) 50m Freistil (S4) 37,21

Verena Schott (BPRSV Cottbus) 200m Lagen (SM6) 3:07,51

Verena Schott (BPRSV Cottbus) 100m Brust (SB5) 1:46,13

Gina Böttcher (SV Motor Babelsberg) 100m Freistil (S4) 1:30,02

Elena Semechin (Berliner Schwimmteam) 100m Brust (SB13) 1:15,85

Taliso Engel (SG Bayer) 100m Brust (SB13) 1:02,07

Josia Topf (SV Motor Babelsberg) 50m Freistil (S3) 42,62

 

Silber

Verena Schott (BPRSV Cottbus) 100m Rücken (S6) 1:29,41

Verena Schott (BPRSV Cottbus) 400m Freistil (S6) 5:43,72

Mira Jeanne Maack (Berliner Schwimmteam) 100m Rücken (S8) 1:18,55

Josia Topf (SV Motor Babelsberg) 150m Lagen (SM3) 2:53,93

Elena Semechin (Berliner Schwimmteam) 50m Freistil (S12) 28,37

Florian Reiter (Berliner Schwimmteam) 100m Brust (SB14) 1:07,63

Tanja Scholz (PSV Union Neumünster) 50m Rücken (S4) 50,68

 

Bronze

Gina Böttcher (SV Motor Babelsberg) 150m Lagen (SM4) 3:03,14

Gina Böttcher (SV Motor Babelsberg) 50m Freistil (S4) 42,49

Gina Böttcher (SV Motor Babelsberg) 200m Freistil (S4) 3:10,95

Josia Topf (SV Motor Babelsberg) 100m Freistil (S3) 1:39,14

Josia Topf (SV Motor Babelsberg) 200m Freistil (S3) 3:39,07

Josia Topf (SV Motor Babelsberg) 50m Rücken (S3) 48,01

Verena Schott (BPRSV Cottbus) 100m Freistil (S6) 1:16,65

Verena Schott (BPRSV Cottbus) 50m Schmetterling (S6) 37,82

Philip Hebmüller (SG Neuss) 100m Brust (SB13) 1:08,74

Bálint Köszegváry (SC Delphin Lübeck) 400m Freistil (S10) 4:29,37

Nisanur Kocabas (SV Motor Babelsberg) 100m Brust (SB5) 1:59,94