Gold und Bronze in der Seine: Traumstart für Wellbrock und Klemet

Raik Hannemann
Raik Hannemann
14:56

Nach Olympiasieg und WM-Triumphen wird Deutschlands Topschwimmer nun erstmals Europameister und versöhnt sich mit Paris. Hier erklärt er seine mentale Meisterleistung dabei.

Demonstration der Stärke: Florian Wellbrock nach seinem ersten EM-Triumph in Paris© Jo Kleindl

Demonstration der Stärke: Florian Wellbrock nach seinem ersten EM-Triumph in Paris

Nach 15 Jahren hat Deutschland wieder einen Europameister im Freiwasserschwimmen! Florian Wellbrock triumphierte am Dienstag bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) über 10km und schlug nach 1:55:18,3 Stunden als Erster an. Der Magdeburger siegte vor Dávid Bethlehem (HUN/1:55:20,5), dahinter machte sein Trainingskollege Oliver Klemet (SG Frankfurt) als Dritter in 1:55:24,8 den Traumstart in der Seine für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) perfekt.

Alle EM-Ergebnisse in Paris

„Ich bin Olympiasieger und mehrfach Weltmeister geworden, nur diese eine Medaille hat mir noch gefehlt. Dieses Puzzleteil nun zu haben für das Gesamtbild, das bedeutet mir sehr, sehr viel“, erklärte Wellbrock im Anschluss. „Ich hatte ja auch noch eine Rechnung offen mit dieser Stadt. Um so schöner, dass es heute mit einer Goldmedaille geklappt hat nach diesem schwierigen Jahr. Ich habe Rennen verloren, die ich so nicht hätte verlieren dürfen. Deswegen war das heute Pokern auf hohem Niveau. Keiner wusste so richtig, was passiert – weder der Trainer noch ich. Umso größer ist nun die Genugtuung.“

Trotz Trainingsausfall mutig an die Spitze

Nach dem ungewohnten Leistungsabfall im Frühjahr hatte Wellbrock selbst vor den Europameisterschaften die Erwartungen noch gebremst. Nach mehreren Krankheiten im Jahresverlauf mit entsprechendem Trainingsausfall mache er sich kaum Medaillenhoffnungen, meinte der 28-Jährige noch kürzlich, schon das Erreichen der Top Ten wäre daher ein Erfolg. Doch davon war im Rennen nichts mehr zu spüren.

Gleich zu Beginn des Rennens hatte sich Wellbrock im knapp 26 Grad warmen Wasser wie gewohnt an die Spitze gesetzt und das Tempo im Feld diktiert. Fast durchgehend schwamm er vorne, nur in der vorletzten von insgesamt acht Runden ließ er Bethlehem und Klemet kurzfristig vorbei, um dann auf dem letzten Kilometer aber umso eindrucksvoller zurückzuschlagen.

Taktisch cleverer Führungswechsel vor der Endphase

„Rein physisch hätte ich heute nicht gewinnen dürfen. Nach der schwierigen Saison war das eine mentale Meisterleistung, deswegen bin ich jetzt emotional dabei. Ich habe nach fünf, sechs Runden gemerkt, dass es muskulär hart wird. Das ist genau die Metakennzahl, wo es bei mir auch im Training ein bisschen bergab ging. Zwischenzeitlich David und Olli vorzulassen, um Reserven zu sparen für die letzten 500, 600 Meter, war sehr, sehr clever. Wichtig war auch, das Pack zu verlieren, weil die Medaille damit quasi sicher war. Dann fällt es leichter, noch mehr ins Risiko zu gegen Hintenraus muss dann gekämpft werden, das habe ich heute geschafft“, so Wellbrock.

Zugleich versöhnte sich der Vierfach-Weltmeister des Vorjahres mit Paris, nachdem es vor zwei Jahren bei Olympia nicht gut gelaufen und Wellbrock dort als Achter leer ausgegangen war. Bei der EM wurde diesmal erneut in der Seine, aber an einer anderen Stelle etwas weiter westlich an der Pont de Grenelle geschwommen, an der sich übrigens eine kleinere Kopie der berühmten New Yorker Freiheitsstatue befindet. Die Strömung im Fluss war zudem weit weniger stark als noch 2024.

Florian Wellbrock (r.) und Oliver Klemet nach dem 10km-Rennen bei der EM in Paris© Jo Kleindl

Florian Wellbrock (r.) und Oliver Klemet nach dem 10km-Rennen bei der EM in Paris

Oliver Klemet gewinnt seine erste EM-Medaille

Oliver Klemet hatte bei den Olympischen Spielen Silber gewonnen, nun schwamm er am Ort seines bislang größten Erfolgs erneut aufs Treppchen. Auch für den 24-Jährigen von der SG Frankfurt war es die erste EM-Medaille. Ebenso wie Wellbrock hatte auch Klemet sich gleich zu Beginn vorne einsortiert, in der vierten Runde fiel er dann kurzzeitig zurück, kämpfte sich aber rasch wieder heran. Im Endkampf zeigte er sich als Teamplayer, so dass weder er noch Wellbrock bei den Positionswechseln Zeit gegenüber Betlehem einbüßten.

„Das war ein guter Start in die EM, das beste Ergebnis der Saison. Der Saisonstart war schwierig nach dem Armbruch, aber zuletzt waren die Zeiten im Training schon wieder so, dass ich hier eine Medaille gewinnen wollte. Das hat gleich im ersten Rennen geklappt, deswegen bin ich zufrieden“, sagte Klemet. Und wer weiß, vielleicht kommt ja schon morgen beim 5km-Rennen (ab 10:00 Uhr, Livestream beim ZDF) weiteres Edelmetall hinzu.