Yara Fay Riefstahl, Linda Roth, Mitja Bauer und Louis Hoffmann versetzen die Olympia-Schwimmhalle ins Ekstase. Auch andere wie Larus Thiel glänzen mit starken Auftritten.
© Tino HenschelGlückliche Medaillengewinner*innen: Louis Hoffmann, Mitja Bauer, Yara Fay Riefstahl und Linda Roth (v. l.)
Der Medaillensatz ist schon mal komplett für das Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV). Nachdem Linda Roth (SC Magdeburg) und Louis Hoffmann (SG Neukölln Berlin) bereits Gold und Bronze bei den Europameisterschaften der Junior*innen in München gewonnen hatten, erkämpften beide gemeinsam mit Yara Fay Riefstahl (SC Chemnitz) und Mitja Bauer (SSG Leipzig) am Freitag nun Silber in der Mixed-Staffel über 4x100m Lagen. Das sorgte erneut für eine ohrenbetäubende Stimmungsexplosion in der Olympia-Schwimmhalle von 1972, die an diesem Finalabend auch von Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause und Schwimmlegende Michael Groß (Spitzname Albatros) mit ihrem Besuch beehrten.
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Nach 3:48,25 Minuten fehlten lediglich elf winzige Hundertstel zu Sieger Italien, aber nach dem Anschlagduell mit vier Teams innerhalb einer halben Sekunde sah das niemand als ärgerlich an. Im Gegenteil! „Das Team Deutschland auf der Tribüne war so stark. Man hat es bei jedem Zug gehört. Ich war richtig gehyped und wollte das Ding irgendwie nach Hause bringen“, meinte Brustschwimmer Hoffmann, der das Team zwischenzeitlich sogar in Führung gebracht hatte. Auch Riefstahl, am Vortag als Favoritin und dann Fünfte über 100m Schmetterling noch leer ausgegangen, wollte ihre Genugtuung nicht verbergen: „Sagen wir es mal so: Die Enttäuschung von gestern war schon ziemlich hart. Und heute die Silbermedaille gewinnen zu können, ist einfach unbeschreiblich.“
Bauer und Hoffmann vorher auch im 200m-Rennen vorn dabei
Bauer hatte zuvor auch schon Rang fünf über 200m Rücken belegt, nach 1:59,55 Minuten fehlten dem 17-Jährigen von der SSG Leipzig dort nur 36 Hundertstel zu Bronze. Gold ging an Nathan Muratory (FRA/1:55,88). Hoffmann war zudem Sechster über 200m Brust geworden. Beim Sieg von Doruk Yogurtcouglu (TUR/2:09,43) war der 18-Jährige von der SG Neukölln Berlin mit seinen 2:15,49 Minuten noch nicht sonderlich zufrieden, da er im Halbfinale von 1,2 Sekunden schneller unterwegs gewesen war.
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„Die letzten Tage addieren sich auf. Ich weiß nicht, ob die so einen großen Einfluss hatte, aber dreimal 200 Brust hintereinander, das merkt man ordentlich im Rennen“, meinte Hoffmann. Mobilisierte in der Staffel dann aber noch einmal all seine Kräfte und glänzte mit einem Split von 59,66 Sekunden. Eine Zeit, die auch beim 100m-Einzelrennen gute Chancen mit sich bringen dürfe.
© Tino HenschelLarus Thiel konnte sich im Finale nochmals steigern und wurde starker Fünfter
Larus Thiel steigert sich im 50m-Finale ein drittes Mal
Aber auch andere Aktive des DSV-Teams setzten am vierten JEM-Tag starke Akzente. So kraulte Larus Thiel über 50m Freistil in 22,33 Sekunden auf Rang fünf, Gold ging hier an Jan Foltyn (CZE/22,10). „Ich habe mich von Vorlauf zu Halbfinale zu Finale jedes Mal gesteigert. Das ist sehr gut“, freute sich Thiel. Dass nur acht Hundertstel zur Medaille fehlten, sah der 17-Jährige von der SG Bayer vor allem positiv. Denn als Sportler aus dem Jahr 2009 darf er nächstes Jahr noch einmal bei der JEM starten: „Ich habe noch ein Jahr. Alle anderen hier sind älter als ich. Ich habe Bock“, meinte Thiel, der in München noch einen weiteren Start über die 50m Schmetterling hat.
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Im Finale über 200m Rücken wurde Mira Helget in 2:14,85 Minuten Siebte, hier gab es mit Jeanne Lechevalier (FRA) und Fanni Viktoria Kokas (HUN/beide 2:10,76) zwei Siegerinnen. Die 17-Jährige vom AMTV-WTB Hamburg dürfte dabei sicher bei der JEM im nächsten Jahr von den Erfahrungen von München dann profitieren.
Auch am Samstag wird das DSV-Team in den Finals wieder eine gute Rolle spielen. Denn nach ihrem Gold über 200m Freistil gewann Linda Roth (SC Magdeburg) ihr Halbfinale über 100m Freistil in 54,87 Sekunden, nur Kseniia Sorokina (NA/54,64) war im zweiten Lauf noch etwas schneller.
15-Jährige Wegrotzki erkämpft Finalplatz
Für eine kleine Überraschung sorgte zudem Evelyn Wegrotzki (SG HT 16 Hamburg) mit ihrem Finaleinzug als Fünftschnellste über 200m Schmetterling. Die 15-Jährige verbesserte dabei ihre persönliche Bestzeit um fast eine Sekunde auf 2:13,70 Minuten. Am schnellsten unterwegs war hier bislang Serafima Fokina (NA/2:10,27). Yara Fay Riefstahl hatte aufs Halbfinale verzichtet, um sich für die Staffel zu schonen. Das erwies sich als gute Entscheidung.
„Ich habe natürlich aufs Finale gehofft, aber es nicht erwartet. Deswegen bin ich umso fröhlicher, dass es geklappt hat“, sagte Wegrotzki. Da das Teamküken erst 2010 geboren ist, kann es noch zweimal an einer JEM teilnehmen. Die Erfahrungen von München werden ihr dafür nach eigener Aussage „viel Rückenwind“ geben. Und die Stimmung bei dieser Heim-EM sorgt sicher auch für unvergessliche Erinnerungen. Wegrotzki schreibt der Halle jedenfalls einen großen Anteil am Erfolg zu. „Es bedeutet mir sehr viel, dass alle so anfeuern. Ich hatte es auch gehört, während ich geschwommen bin.“
Für die Finals über 800m Freistil haben sich außerdem Juliana Buttler (SC Magdeburg) und Moritz Erkmann (SC Chemnitz) qualifiziert. Buttler verzichtet allerdings auf den Einsatz am Samstag, um sich voll auf das 400m-Rennen am Sonntag zu konzentrieren.
© Tino HenschelSchwimmlegende Michael “Albatros” Groß weilte als Ehrengast bei der JEM in München, übernahm auch die Siegerehrung