Auf den Spuren von Mark Spitz: Das sind die Schwimmstars der JEM in München

Raik Hannemann
Raik Hannemann
08:00

Bei den Titelkämpfen im Olympiapark sind Talente dabei, die schon 2028 bei Olympia ganz oben stehen könnten. Wir stellen diese hier schon einmal vor.

Die Britin Amalie Smith ist die große Favoritin auf ihrer Paradestrecke 400m Lagen© pa/Insidefoto | Andrea Staccioli / Deepbluemedia

Die Britin Amalie Smith ist die große Favoritin auf ihrer Paradestrecke 400m Lagen

Durch die sieben Goldmedaillen von Mark Spitz (USA) wurde Münchens Olympia-Schwimmhalle in der Sportwelt 1972 berühmt. Mit den Junior*innen-Europameisterschaften im Schwimmen findet vom 07. – 12. Juli nach langer Zeit wieder ein internationales Highlight im 50m-Pool unter dem ikonischen Zeltdach im Olympiapark statt. Insgesamt 599 Aktive aus 46 Ländern sind dabei am Start. Welche Toptalente sich dort auf den Spuren damaliger Stars wie Shane Gould (AUS) oder Roland Matthes (DDR) bewegen und womöglich schon bei den nächsten Spielen 2028 auch deren Bekanntheitsgrad erreichen könnten, zeigen wir in der folgenden Übersicht.

JEM 2026: Startlisten und Ergebnisse

Als Amalie Smith (GBR) im vergangenen Jahr ihr erstes JEM-Gold auf den beiden Lagenstrecken gewann, war sie gerade mal 15 Jahre alt. Und gehörte damit zu den jüngsten Schwimmerinnen, die bei einer JEM derzeit zwischen 15 und 18 Jahre alt sein dürfen. Seither wird sie in der Schwimmszene als kommende Rivalin von Superstar Summer McIntosh (CAN) gehandelt. Ihre Bestzeiten drückte Smith in diesem Frühjahr weiter deutlich in Richtung absolute Weltspitze, so dass nach der Mission Titelverteidigung in München auch noch Starts bei den Commonwealth Games in Glasgow (GBR/24. – 29. Juli) und den Europameisterschaften in Paris (FRA/10. –16. August) anstehen. Bei letzterer ist Smith über 400m Lagen dann wie in München wieder Goldfavoritin – und das mit gerade mal 16 Jahren.

Olympiasieger Hubert Kos lotst Ungarns JEM-Talent zu Bob Bowman nach Austin

Schon mit zwölf Jahren brach Vivien Jackl (HUN) die Jahrgangsrekorde von Ungarns Superstar Krisztina Egerszegi, musste aber wegen der damaligen Altersgrenze noch ein Jahr auf den ersten JEM-Start warten. Dort war sie in den Jahren vor Smith bereits zweimal über 400m Lagen erfolgreich, orientierte sich dann aber mehr in Richtung Freistil-Langstrecken und wurde dort 2024 sogar schon Europameisterin bei den Erwachsenen über 1500m Freistil. Mit dem Wechsel in die offene Klasse schaltet Jackl zur nächsten Saison den Turbo an, fädelte über Landsmann und Olympiasieger Hubert Kós gerade den Wechsel in die Trainingsgruppe von Starcoach Bob Bowman an der University of Texas in Austin (USA) ein.

Dort misst sich dann tagtäglich mit Assen wie Léon Marchand (FRA) oder auch Anna Elendt (GER). „Ich freue mich sehr auf dieses neue Kapitel in meinem Leben“, sagte Jackl den ungarischen Medien. Aber erst steht in München das wohl längste Programm aller JEM-Teilnehmerinnen an: Jackl ist gemeldet für die 200m Schmetterling, 400m Freistil und Lagen, 800m und 1500m Freistil sowie für die 4x200m Freistilstaffel.

Die Ungarin Vivian Jackl gewann schon mehrfach Gold bei der JEM© Istvan Derencsenyi/World Aquatics

Die Ungarin Vivian Jackl gewann schon mehrfach Gold bei der JEM

Italiens Zukunftshoffnung Bianca Nannucci trainiert bei Frankreichs Starcoach

Italien ist für seine starke Nachwuchsarbeit im Schwimmen bekannt, die Karriere von Bianca Nannucci (ITA) lief allerdings größtenteils außerhalb dieses Systems. Bis zum Jahr 2023 lebte sie aufgrund der beruflichen Karriere ihrer Eltern meist in Spanien oder vorher auch lange in den USA, sie besitzt deswegen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ihr schwimmerisches Talent wurde nach der Rückkehr in die Heimat aber schnell erkannt. Innerhalb von zwei Jahren stieg Nannucci zur Junioren-Europameisterin über 200m Freistil auf, anschließend wurde sie im ersten WM-Finale 2025 in Singapur gleich Siebte.

Zu Beginn der aktuellen Saison wechselte sie dann zu Frankreichs Starcoach Fred Vergnoux, der schon Mirea Belmonte (ESP), Florent Manadou (FRA) und im Vorjahr dann auch Summer McIntosh (CAN) zu grandiosen Erfolgen verhalf. Nannucci gefällt es so gut dort, dass sie das zuvor geplante US-Studium nun auf jeden Fall sausen lassen will. „Ich habe noch viel zu verbessern, und ich glaube, das ist die beste Entscheidung für mich“, sagte sie den italienischen Medien. Man darf gespannt sein, was das für das Abschneiden bei der JEM in München und später auch bei der EM in Paris heißt. Beide Male heißt das Programm 200m, 400m und 800m Freistil, hinzu kommt die 4x200m-Staffel.

Bianca Nannucci© pa/ZUMAPRESS.com | Domenico Cippitelli

Italiens schnelle Freistilschwimmerin Bianca Nannucci

Das gemeinsame Training mit Isabel Gose macht Linda Roth schneller

Schon lange gilt Linda Roth als großes Talent in Deutschland, schließlich gewann die seit kurzem 18-Jährige bei den nationalen Nachwuchstitelkämpfen mehrfach die meisten Goldmedaillen. Im vergangenen Sommer wechselte die Schülerin dann aus Stuttgart an den Bundesstützpunkt Magdeburg und trainiert seither in der Topgruppe von Bernd Berkhahn mit ihrem Vorbild Isabel Gose zusammen. Die Folge war ein beeindruckender Leistungssprung, der für die JEM die Qual der Wahl mit sich brachte. Deutsche Meisterin wurde Roth in diesem Jahr zwar auf den Lagenstrecken, für München hat sie als Europas Jahresschnellste über 400m Freistil und Jahreszweite über 200m Freistil nun aber die größeren Chancen. Und da sie auch die schnellste Deutsche über 100m Freistil war in diesem Jahr, kann sie auch sicher wieder den Staffeln helfen. Wie in den vergangenen beiden Jahren schon, auch da gewann Roth bereits Staffelmedaillen. Diesmal geht vielleicht noch mehr. Und nach den Rennen in München geht es auf jeden Fall gemeinsam mit Vorbild Gose noch zur EM nach Paris.

© Jo Kleindl

Linda Roth ist in der JEM-Meldeliste die Schnellste über 200m und 400m Freistil

Nicht nur in Litauen gilt Tajus Juska als eines der derzeit größten Talente im Schwimmsport. Er gewann 2024 daheim in Vilnius schon mit 15 Jahren JEM-Gold. Und war damals der erste Schwimmer weltweit, der die 100m Freistil in diesem Alter unter 49 Sekunden kraulte. Im Jahr danach legte Juska dann sogar zweimal JEM-Gold und auch JWM-Gold nach. Natürlich schaut die Szene jetzt gespannt darauf, ob nun in München die nächsten Entwicklungsschritte folgen. Und Juska seinem JEM-Siegvorgänger David Popovici (ROU) leistungsmäßig weiterhin folgen kann. Wundern würde es nicht. Gerade im Sprint hat Litauen durch Brustschwimmerin Ruta Meilutyte schon viele Erfolge produziert in den vergangenen 15 Jahren.

Luca Hoek kommt mit starken neuen Bestzeiten zur JEM

Im Sprint gibt es noch ein weiteres Wunderkind. Der Spanier Luca Hoek Le Guenedal gewann bereits im Vorjahr die 100m Freistil bei der JEM und wurde anschließend 14. bei der WM. Am vergangenen Wochenende kraulte der 18-Jährige nun bei den spanischen Meisterschaften auf Mallorca neue Landesrekorde über 100m Freistil (47,72 Sekunden) und 200m Freistil (1:46,10 Minuten). Dass der Sohn einer Französin und eines Niederländers nicht für deren Heimat schwimmt, liegt auch an Spaniens Nationaltrainer Ben Titley. Der Brite, der vorher schon in Kanada ein erfolgreiches Leistungszentrum aufbaute, erkannte und überredete das Talent, bei ihm am Stützpunkt zu trainieren. Die mit Ausdauertraining und Technikumstellungen erzielten Fortschritte will Luca Hoek nun auch in München zeigen. Und anschließend auch bei der EM in Paris vorn mitmischen.

 

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Bereits im vergangenen Jahr gewann Grigorii Vekovischev (AIN) Goldmedaillen bei JEM und JWM. Und schnappte den Sieg über 400m Freistil dabei einem gewissen Johannes Liebmann weg. Der ein Jahr ältere Deutsche ist inzwischen zum Europarekordler über 800m Freistil aufgestiegen. Aber auch Vekovischev will bis LA 2028 nach ganz oben im Elitebereich. Und dabei seinem zehn Jahre älterem Bruder Mikhail nacheifern. Der gewann schon Medaillen und sogar Titel bei Olympia, WM und EM. Die Aktiven aus Russland starten in München übrigens als neutrale Teilnehmende ohne Hymne und Flagge.

 

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Trainer von Paul Biedermann gibt Selbstvertrauen

In Deutschland hat Mitja Bauer in diesem Jahr alle Rekorde auf den Rückenstrecken verbessert. Der 17-Jährige startet gerade so richtig durch und will diese Entwicklung natürlich in München mit guten JEM-Leistungen krönen. Wie Florian Wellbrock stammt Bauer aus Bremen. Und zog dann vor zwei Jahren in den Osten Deutschlands, um dort seine Schwimmkarriere zu forcieren. Zu seinen Trainern in Leipzig gehört neben Sebastian Zechlin auch Frank Embacher. Letzterer verhalf bekanntlich schon Paul Biedermann zu Titeln und Weltrekorden. „Herr Zechlin habe ich sehr viel Input in Sachen Schwimmtechnik, aber auch Ernährung und gesunde Lebensweise gegeben. Herr Embacher bringt ganz viel Erfahrung mit. Wenn ich eine Trainingsserie schwimme, kann er mich gut mit anderen Generationen vergleichen“, sagte der Youngster.  „Ich bin dankbar, wie ich hier aufgenommen wurde. Ein besseres Team kam man sich gar nicht vorstellen.“

Mitja Bauer© Tino Henschel

Schon im vergangenen Jahr nahm Mitja Bauer (SSG Leipzig) erfolgreich an der JEM teil