10.000 Dollar Antrittsprämie bei Olympia: Das sagen die Aktiven dazu

Raik Hannemann
Raik Hannemann
12:23

Der jüngste IOC-Beschluss erhält viel Zustimmung, er könnte der Beginn einer spannenden Entwicklung sein.

Lukas Märtens und Oliver Klemet bei der WM in SIngapur© Jo Kleindl

Olympasieger Lukas Märtens und der Olympiazweite Oliver Klemet bei der WM in Singapur

Erstmals in seiner 132-jährigen Geschichte wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) den teilnehmenden Athlet*innen bei Olympischen Spielen Geld zahlen. Jeweils 10.000 US-Dollar – umgerechnet sind das derzeit rund 8.800 Euro – erhalten die Aktiven ab sofort als Unterstützung und Aufwandsentschädigung, völlig unabhängig von der Platzierung. Die bei rund 11.000 Aktiven bei Sommer- und 3.000 Aktiven Winterspielen insgesamt etwa 140 Millionen Dollar teure Änderung beschloss die IOC-Session in Lausanne (SUI) am Mittwoch. Über Formalien wie Beantragungs- und Auszahlungsmodalitäten für den Fond „Fit for the Future Olympian Grant“ soll demnächst noch konkreter informiert werden.

Mit der olympischen Antrittsprämie sorgte die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry aus Simbabwe, 2004 selbst Olympiasiegerin im Schwimmen, für einen überraschenden Strategiewechsel. Ende Mai hatte sie in einem Interview noch gesagt, sie glaube „weiterhin nicht daran, Athleten bei Olympia zu bezahlen“. Später präzisierte sie zwar, sie habe nur von Preisgeldern geredet. Die unüberhörbare Kritik aus Aktivenkreisen konnte sie damit aber nicht einfangen. Und auch nicht jene Medienberichte aus der Welt schaffen, laut denen das IOC seinen Direktor*innen im vorherigen Olympiazyklus mehr als 55 Millionen Dollar an Gehalt zahlte. Es handelt sich hier um einen Kreis von rund einem halben Dutzend Personen. Allerdings ist das IOC mit Gesamteinnahmen von über sieben Milliarden US-Dollar im vergangenen Olympiazyklus auch wie ein Großkonzern zu leiten, auch wenn letztlich 90 Prozent der Einnahmen in den Sportbetrieb (Sportfachverbände, Ausrichter, Hilfs- und Entwicklungsprogramme) reinvestiert werden.

Lukas Märtens und Josha Salchow begrüßen die IOC-Entscheidung

„Wer es zu Olympia schafft, hat über viele Jahre einen hohen Aufwand betrieben. Deswegen ist es auf jeden Fall richtig, uns Athletinnen und Athleten dafür mehr Anerkennung und Wertschätzung entgegenzubringen. Ich freue mich jedenfalls über diese Entwicklung, denn sie geht in die richtige Richtung. Auch wenn es hier erst einmal um eine Summe geht, die im Fußball selbst Spieler abseits der Weltspitze jeden Monat erhalten. Und die in manchen Ländern dann ja auch erst noch versteuert werden muss“, sagte Schwimm-Olympiasieger Lukas Märtens.

Josha Salchow ist deutscher Rekordhalter über 100m Freistil. Bei Olympia in paris wurde er 2024 Sechster© Jo Kleindl

Josha Salchow ist deutscher Rekordhalter über 100m Freistil. Bei Olympia in paris wurde er 2024 Sechster

Auch der deutsche Freistil-Rekordschwimmer Josha Salchow begrüßt die neue Regelung. „Aus meiner Sicht ist das ein Anfang einer Entwicklung innerhalb des IOC. Und wird letztlich darauf hinauslaufen, dass es neben dem Startgeld bald auch noch Prämien für die Top Ten oder auch Rekorde geben wird“, meinte der Heidelberger. Salchow hatte zuletzt bereits in der Diskussion um die umstrittenen Enhanced Games darauf hingewiesen, dass der saubere Sport mehr finanzielle Unterstützung verdient.

Athleten Deutschland hält die Summe noch für zu gering

„Die Etablierung des Fonds ist ein historischer, wenn auch längst überfälliger Schritt. Das IOC wagt damit einen vorsichtigen Einstieg in eine im internationalen Profi-Sport längst gängige Praxis. Und zwar diejenigen an den wirtschaftlichen Gewinnen zu beteiligen, die diese Gewinne durch ihre Leistungen erst ermöglichen”, sagt Leo Köpp, Leichtathlet und Präsidiumsmitglied bei der Interessenvertretung Athleten Deutschland. Und merkte an: „Das angekündigte Fondsvolumen in Höhe von 140 Millionen US-Dollar pro Olympiade stellt weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes des IOC im selben Zyklus dar. Bis zu einer fairen Beteiligung ist noch erheblich Luft nach oben.“ Internationale Interessenverbände wie „Global Athlete“ hatten zuvor bereits die Zahlung von jeweils 25.000 Dollar gefordert.

Soziale Absicherung und arbeitsrechtliche Fragen bleiben ungeklärt

Natürlich wäre eine solche Entwicklung auch für Paralympics, World Games und Deaflympics wünschenswert. Zudem betonte Köpp: „Die offenen Fragen zur sozialen Absicherung und zur arbeitsrechtlichen Stellung von Athletinnen und Athleten werden mit der Einführung des Fonds nicht beantwortet. Ebenso ist klar, dass die Diskussion hinsichtlich weiterer Lockerungen bei den Vermarktungsregelungen damit nicht obsolet geworden ist.“

“Wer es zu den Spielen schafft, investiert Jahre an harter Arbeit, Disziplin und Verzicht. Diese Leistung verdient auch eine direkte finanzielle Anerkennung.”

Auch Max Hartung, Sprecher des Sporthilfe-Vorstands, sagte: „Die Entscheidung des IOC ist ein bedeutender Schritt hin zu mehr Wertschätzung für Olympionikinnen und Olympioniken weltweit. Wer es zu den Spielen schafft, investiert Jahre an harter Arbeit, Disziplin und Verzicht. Diese Leistung verdient auch eine direkte finanzielle Anerkennung. Besonders wichtig ist, dass der Zuschuss den Übergang in die berufliche Karriere unterstützen soll.“

Sporthilfe-Prämien sind ab 2026 steuerfrei

Die Sporthilfe hatte ab 2026 die Olympiaprämien für Medaillengewinner*innen erhöht. Für Gold auf 30.000 Euro (bisher 20.000 Euro). Für Silber auf 20.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Und für Bronze sind es 10.000 Euro. Nicht minder wichtig ist zudem der Fakt, dass für diese Prämien nun keine Steuern mehr bezahlt werden müssen.