Janis McDavid empfiehlt sich in Berlin mit deutschem Rekord für die EM. Starke Leistungen auch von Nachwuchstalent Nisanur Kocabas.
© Jo KleindlDeutschland, Berlin, Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark – 07.05.2026: Para Swimming World Series Berlin 2026 – Day 1 Prelims, Elena Semechin (SB12), Germany (Photo by JoKleindl | www.swimpixel.com)
Nach einem Jahr Pause kehrt die Para Swimming World Series zurück nach Berlin. Und gleich am ersten Wettkampftag sorgte die Veranstaltung wieder für ganz große Emotionen. So feierte die zweimalige Paralympics-Siegerin Elena Semechin nur siebeneinhalb Monate nach der Geburt ihres Sohnes Klaus am Donnerstag ein beeindruckendes Comeback.
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Die 32-Jährige schwamm die 100m Brust in 1:16,16 Minuten und erfüllte damit die A-Norm für die Europameisterschaften in Kocaeli (TUR/07. – 12. September). In ihrer Startklasse S12 war die stark sehbeeinträchtigte Berlinerin damit die Schnellste, in der startklassenübergreifenden Punktewertung der Weltserie wurde Semechin Sechste. Den Sieg holte sich dort die Britin Alliyah Richards (S14/1:12,14) vor der Brasilianerin Beatriz de Araujo Flausino (S14/1:12,49). Die Weltmeisterin von 2025 aus Südamerika war im Vorlauf in 1:11,52 sogar neuen Weltrekord geschwommen.
Taliso Engel noch schneller als bei der Schwimm-DM
„Ich bin total happy mit der Zeit“, sagte Semechin, deren Weltrekord gut dreieinhalb Sekunden schneller ist. „Man merkt zwar, was mir noch fehlt. Mein Körper hat sich durch mein Baby verändert, so ist das nun mal. Ich hatte aber auf jeden Fall Spaß. Das ganze Prozedere bei einem Wettkampf wieder zu durchleben, ist immer wieder spannend.“ Der erste Schritt in Richtung drittes Paralympics-Gold in LA 2028 sei damit schon mal getan, weitere sollen im Saisonverlauf nun sukzessive folgen.
Für einen deutschen Sieg in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) sorgte zum Auftakt gleich mal Taliso Engel. Der Nürnberger aus der Startklasse 12 holte in 1:02,20 Minuten über 100m Brust mit Abstand die meisten Punkte. „Das hat sich gut angefühlt und war noch mal ein bisschen schneller als vor zwei Wochen bei der Schwimm-DM. Das lässt für die weiteren Rennen hier einiges erhoffen“, sagte Engel. Über 50m und 200m Brust dürften in den kommenden Tagen, in denen im Anschluss an die World Series auch noch die Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM/10.– 12 Mai) stattfinden, sogar die Weltrekorde wackeln.
© Jo KleindlTaliso Engel ist immer noch in Topform und siegt bei der World Para Series in Berlin
Deutscher Rekord und EM-Norm für Janis McDavid
Als Zweiter schaffte es auch Josia Topf (S3) aufs Podium, über 50m Rücken liefert er mit 47,22 Sekunden eine Topzeit ab. Zudem wurde der Paralympics-Sieger und Weltmeister aus Erlangen noch Vierter über 50m Schmetterling (50,39 Sekunden). „Im Rücken haben wir richtig Fortschritte gemacht in den letzten Monaten. Ich mache ja eine Delfinwelle, und da muss man immer mit dem richtigen Rhythmus durchkommen.“
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Einen neuen deutschen Rekord in seiner neuen Startklasse S1 erzielte im schnellen Becken der SSE Janis McDavid über 50m Rücken (1:30,79), mit dieser A-Norm kann er nun wie die ebenfalls überzeugenden Topleute Gina Böttcher, Verena Schott oder Maurice Wetekam die Türkei-Reise im Spätsommer fest einplanen. Für McDavid werden es die ersten internationalen Titelkämpfe sein.
Der deutsche Nachwuchs nutzt seine EM-Chance
Viel Grund zur Freude lieferten aber auch der Nachwuchs. So blieb Nisanur Kocabas (SB5/Jahrgang 2012) mit ihren 1:59,08 über 100m Brust sogar unter der A-Norm für die EM. Die Nachwuchs-Norm erfüllten zudem Tabea Nele Teschauer (SB7/100m Brust), Judith Pein (SB14/100m Brust), Johanna Döhler (SB 13/100m Brust), Charlotte Kast (S7/100m Freistil), Balint Koeszegvary (S10/100m Freistil) und Philip Hebmüller (SB13/100m Brust). „Wir möchten gern ein großes Team zur EM schicken. Die heute gezeigten Leistungen belegen, dass diese Planung nicht aus der Luft gegriffen sind“, freute sich Bundestrainer Ute Schinkitz. Jubeln konnte auch Julian Füllgraf, der im Vorlauf über 100m Freistil in 56,82 Sekunden einen deutschen Rekord für die Startklasse 14 aufstellte.
Losgegangen war die stark besetzte Veranstaltung in der SSE am Donnerstagabend mit einem Sieg von Topstar Gabriel Araújo. Der 24-Jährige aus der Startklasse 2, nach fünf Paralympics-Siegen und neun WM-Titeln kürzlich beim Laureus World Sports Awards als Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet, bekam über 100m Freistil für seine Zeit von 1:56,01 Minuten die meisten Punkte. Eine erstaunliche Leistung, denn der Mann hat keine Arme und verkürzte Beine. Am Ende des Abends gewann er dann in 53,09 auch noch Silber über 50m Schmetterling.
© Jo KleindlElena Semechin schwimmt schon wieder sehr schnell in Berlin