Der Vierfach-Weltmeister beginnt auch die neue Saison mit einem dominanten Sieg über 10km. Lea Boy gewinnt Weltcup-Bronze, EM-Ticket auch für Leonie Märtens.
© Istvan Derencsenyi/World AquaticsFlorian Wellbrock hat das Feld von der Spitze aus im Blick
Der beste Freiwasserschwimmer der Welt ist derzeit eindeutig Florian Wellbrock. Der 28-Jährige vom SC Magdeburg gewann nach seinen vier WM-Siegen 2025 in Singapur nun auch den ersten Weltcup der neuen Saison im ägyptischen Urlaubsort Soma Bay überlegen. Bei Sonnenschein, 22 Grad Wassertemperatur und kaum Wellengang hielt Wellbrock die Konkurrenz jederzeit unter Kontrolle und schlug nach 1:50:59,50 Stunden vor Dávid Betlehem (HUN/1:59:01,10) und Domenico Acarenza (ITA/1:51:05,60) an.
„Das war mein dritter Start in Ägypten und zugleich mein dritter Sieg. Ich bin total happy“, sagte Wellbrock im Ziel. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut funktioniert. Das Trainingslager zuvor lief gar nicht so rund, muskulär fühlte es sich schwer an.“
Wie gewohnt hatte er sich gleich nach dem Start an die Spitze gesetzt und das Tempo dann nach Belieben diktiert. So sicherte er sich auch die Zusatzprämie für die Sprintwertung nach der ersten von insgesamt sechs Runden. „Vor dem Rennen habe ich meinen Trainer nach der Strategie gefragt. Er meinte nur, hol dir die erste Runde und das Geld. Was ein Spaß“, so Wellbrock hinterher.
Ungewohnte Nebenrollen für Rasovszky und Paltrinieri
Schon vorher hatte der Deutsche angekündigt, mit Blick auf die Verdienstmöglichkeiten nicht nur in der mit 50.000 US-Dollar dotierten Gesamtwertung diesmal anders als im Vorjahr alle vier Weltcups der Saison bestreiten zu wollen. Das nächste 10km-Rennen findet am 24. April auf Ibiza (ESP) statt. Am Samstag steht in Ägypten auch noch ein Staffelrennen auf dem Programm (11:00 Uhr im Livestream von Eurovisionsport).
Insgesamt verbrachte Wellbrock nur wenige Sekunden nicht an der Spitze des Feldes, und das meist nur der Verpflegung geschuldet. Einzig Kristóf Rasovszky (HUN), der Olympiasieger von Paris (FRA) 2024, zog nach Rennhälfte einmal kurz ernsthaft an. Er vergeudete dabei aber wohl etwas zu viel Kraft. Am Ende reichte es an seinem 29. Geburtstag lediglich zu Rang 16 (1:51:15,50). Auch Wellbrocks Dauerrivale Gregorio Paltrinieri (ITA) wirkte nach Rang sieben (1:51:08,40) nicht sonderlich zufrieden, war der 31-Jährige damit doch nur viertschnellster Italiener.
Moritz Bockes verpasst EM-Qualifikation
Auf Rang 23 landete Oliver Klemet (SG Frankfurt/1:51,27,90). Der Olympiazweite von Paris und WM-Vierte des Vorjahres war wie Wellbrock für die Europameisterschaften in Paris (FRAU/31. Juli – 16. August) bereits qualifiziert. Das EM-Ticket verfehlt hat dagegen Moritz Bockes (SG Stadtwerke München) auf Rang 32 (1:53:25,80). Laut Nominierungsrichtlinie des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) war für einen EM-Start mindestens Rang zwölf der europäischen Rangliste bei maximal drei Startern pro Nation gefordert. Dorthin schaffte es Bockes in Soma Bay aber nicht.
Florian Wellbrock im Interview über seine Saisonplanung
Lea Boy schwimmt mit toller Leistung zu Bronze
Beim Freiwasserschwimmen ist Florian Wellbrock nicht der einzige Dominator. Bei den Frauen ist die ebenfalls von Bundestrainer Bernd Berkhahn in Magdeburg betreute Moesha Johnson derzeit ähnlich überlegen. Die Doppel-Weltmeisterin aus Australien gewann beim Weltcupauftakt in Soma Bay (EGY) das 10km-Rennen am Freitag in 1:58:26,10 Stunden mit deutlichem Vorsprung und wiederholte so wie Wellbrock ihren Vorjahressieg.
Grund zur Freude gab es aber auch im deutschen Team. Lea Boy sicherte sich in 1:59,23,30 Bronze hinter der letztjährigen Gesamtweltcup-Siegerin Ginevra Tadeucci (ITA/1:59:14,70). Die 26-Jährige vom SV Würzburg 05 hing den beiden Topstars in einem beherzten Rennen lange an den Fersen, musste diese erst auf den letzten Kilometern ziehen lassen.
EM-Ticket auch für Leonie Märtens
Jubeln durfte auch Leonie Märtens. Nach längerer Verletzungspause kämpfte sich die 22-Jährige in 2:02:59,30 auf Rang 13 und als Elfte der bereinigten europäischen Rangliste (also maximal drei Starterinnen pro Nation) zum EM-Ticket. Fabienne Wenske (SV Nikar Heidelberg) landete in 2:03:23,30 auf Rang, verpasste die Qualifikation für Paris auf Rang 15 der europäischen Rangliste damit knapp.
Nach Olympia in Paris 2024 erlebt Leonie Märtens nun also auch die europäischen Titelkämpfe in Frankreichs Hauptstadt (31. Juli – 16. August) gemeinsam mit ihrem Bruder Lukas Märtens. Im letzten Jahr hatte sie die WM in Singapur wegen eines Handbruchs dagegen verpasst.