Talente wie Johanna Döhler oder Mieke Leiße möchten später mal in die Fußstapfen einer Elena Semechin treten. Beim Karriereaufbau helfen auch IDM und World Series.
© privatDas deutsche Team bei der zweiten Station der World Series in Italien
Die zweifache Paralympics-Siegerin Elena Semechin (32) will kurz nach der Geburt ihres Sohnes am kommenden Freitag bereits ihr Comeback bei der Para Swimming World Series in Barcelona (ESP) geben. Ihr sechs Monate alter Klaus ist in Spanien mit dabei. Doch auch schon am vergangenen Wochenende drehte sich beim Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) viel um das Thema Nachwuchs: Bei der zweiten Weltcupstation in Lignano Sabbiadoro (ITA) bestritten viele Zukunftshoffnungen die ersten internationalen Rennen des Jahres.
Alle Ergebnisse der 2. World Series-Station in Italien
Kimi Brückner (Silber 100m Brust S13), Johanna Döhler (Bronze 100m Freistil S13) und Nisanur Kocabas (Bronze 100m Brücken S6) schafften es in den Jugendfinals der World Series sogar aufs Podest. Hinzu kamen 14 weitere Platzierungen in den Jugendfinals. Neben den drei Medaillengewinner*innen erfüllten dort auch Mieke Leiße (S13) und Charlotte Kast (S13) sogar schon die Normzeiten für die Europameisterschaften, den internationalen Saisonhöhepunkt im Elitebereich.
„In diesem Jahr sind international keine Nachwuchs-Titelkämpfe angesetzt. Deswegen haben wir nationale Sondernormen für eine EM-Teilnahme der jüngeren Aktiven erstellt, die den Übergang in die offene Klasse erleichtern“, erklärt Bundestrainerin Ute Schinkitz. „Wir haben in Deutschland nicht all zu viele Talente beim Para Schwimmen, aus diesem Grund möchten wir bestmöglich ihren Weg unterstützen. Geschenkt bekommt natürlich niemand etwas, deswegen freue ich mich gerade sehr über die schon in Italien gezeigten Leistungsentwicklungen.“
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Die IDM als Finale des nationalen Qualifikationszeitraums
Weitere Steigerungen sind bald schon möglich, der Qualifikationszeitraum findet erst beim doppelten Heimspiel in Berlin seinen Höhepunkt. In der Hauptstadt finden die World Series (07. – 09. Mai) und die IDM (10. –12. Mai) in diesem Jahr direkt hintereinander statt. Im schnellen Pool der SSE bietet sich somit bei Bedarf sogar die doppelte Chance auf Bestzeiten und Normerfüllungen. Vorher sorgt ein Trainingslager auf Lanzarote für eine optimale Vorbereitung. Und vielleicht sogar für einen zusätzlichen Motivationsschub. „Wir versprechen uns durchaus eine Sogwirkung, wenn auch andere Kinder mitbekommen, welche Möglichkeiten es bei uns im Para Schwimmen gibt“, so Schinkitz.
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„Ich möchte 2028 in Los Angeles ins Finale kommen und eine Medaille“, sagt Johanna Döhler schon jetzt. Schließlich war die sehbeeinträchtigte Berlinerin als 14-jähriges Mannschaftsküken schon bei den Paralympics 2024 in Paris (FRA) dabei, belegte dort Rang neun (400m Freistil) und zwölf (200m Lagen). Im Vorjahr verzichtete die Schülerin im Sinne eines behutsamen Karriereaufbaus dann auf die WM in Singapur, räumte stattdessen bei den Europäischen Para Jugendspielen (EPYG) in Istanbul (TUR) dreimal Gold, zweimal Silber und Bronze ab.
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Ungewöhnlicher Wechsel vom Wasserball zum Para Schwimmen
Zu Gold schwamm dort auch Mieke Leiße. Die 15-Jährige trainierte trotz nur fünf Prozent Sehfähigkeit bei der SG Essen schon lange inklusiv mit Kindern ohne Beeinträchtigung, ließ sich dann aber erst vor der vergangenen Saison für eine Startklasse beim Para Schwimmen klassifizieren. „Wenn ich im Wasser bin, fühle ich mich extrem gut und frei. Man vergisst seine Behinderung. Man hat einfach die Orientierung, die man jeden Tag im Training hat und das gibt Sicherheit“, erklärt sie. Der Schritt in den Leistungssport sei aber auch aus anderem Grund der richtige Schritt gewesen: „Ich habe gemerkt, dass man viel erreichen kann – selbst Dinge, mit denen man gar nicht gerechnet hätte.“ Unrealistisch ist der Traum von LA2028 bei ihr so auch nicht mehr.
Nach Kalifornien könnte es aber auch Linus Harms schaffen. Der 21-Jährige wagte vor zwei Jahren den Quereinstieg ins Schwimmtraining, nachdem er trotz Semiparese (Halbseitenlähmung) lange Zeit Wasserball bei den Orcas des OSC Potsdam gespielt hatte. In Italien erhielt er nun erstmals eine internationale Klassifizierung für die Startklasse S10. „Linus profitiert von der Schwimmausbildung im Wasserball und ist besonders über 50m Freistil schon recht schnell. Jetzt heißt es, neben dem spezifischen Training vor allem auch im Start- und Wendenbereich hart zu arbeiten“, sagt Bundestrainerin Schinkitz. Und hofft, dass schon bei der IDM in Berlin erste Fortschritte sichtbar werden.