Maurice Grabowski und Jeremias Pock als College-Helden

Raik Hannemann
Raik Hannemann
19:28

Deutsche Schwimmer glänzen mit jeweils fünf Siegen bei den NCAA-Division-II-Championships. Ihre neue Stärke wollen sie nun auch bei den Deutschen Meisterschaften zeigen.

Maurice Grabowski mit seinem Vater Martin© privat

Maurice Grabowski mit seinem Vater Martin

Nach der Rückkehr aus Evansville im US-Bundesstaat Indiana musste Schwimmer Maurice Grabowski öfter mal staunen. Denn am Montag wurde er in seinem direkten Umfeld plötzlich von vielen Leuten in Boca Raton (Florida) erkannt und auch direkt angesprochen. Fünf Siege bei den Division-II-Championships der College-Liga NCAA sind halt alles andere als alltäglich, dementsprechend hatten auch die Lokalmedien den Deutschen gefeiert.

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„Diese Wertschätzung ist neu und ungewohnt für mich. Aber auch ein schöner Lohn für die harte Arbeit“, sagte der 22-Jährige vom SC Wiesbaden 1911 dazu. Vier Einzelsiege auf der kurzen Yardbahn über 50 und 100 Freistil sowie 100 Schmetterling und 100 Rücken errang Grabowski am vergangenen Wochenende. Dazu siegte er mit der 4×50-Lagenstaffel der Lynn University. Und das jeweils in erstaunlich schnellen Zeiten.

Maurice Grabowski: Erst das EM-Ticket, dann der Bachelor

Doch viel Zeit zum Feiern bleibt nach der erfolgreichen Spring-Break-Woche nicht. Bis Mitte Mai soll der Bachelor im Studienfach International Business Management geschafft sein. Und vorher will sich der Sprinter bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin (23. – 26. April) Tickets für die Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) sichern.

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Über die 50m-Strecken in Freistil, Schmetterling und Rücken rechnet sich Grabowski Chancen auf einen EM-Start aus, auch über 100m Freistil traut er sich mehr zu als ein Staffelticket. „Jetzt wird ein wenig ausgeruht und vor allem ausgeschlafen. Dann geht es in zwei Tagen aber weiter mit der Langbahn-Saison. Mal sehen, was da in diesem Jahr geht. Mein Ziel ist auf jeden Fall ein EM-Finale“, sagte Grabowski. „Zum Glück läuft das mit dem Studium ganz gut, sodass ich genug Zeit in den Sport investieren kann. Für die 50m-Bahn muss ich mir noch etwas mehr Ausdauer antrainieren. Ich werde entsprechend hart arbeiten in den nächsten Wochen.“

Papa Martin ist Schwimmtrainer und flog extra in die USA

Erst im Dezember hatte Grabowski bei der Kurzbahn-EM in Polen sein Nationalmannschaftsdebüt erlebt, nun will er seinen kometenhaften Aufstieg weiter fortsetzen. Eines von Grabowskis Erfolgsgeheimnissen dabei ist fraglos, dass er einen anerkannten Schwimmexperten in der Familie hat. Vater Martin Grabowski war sogar schon als Landestrainer in Hessen tätig, und unterstützt den Sohn nun natürlich auch in allen Lagen. „Mein Vater hat so viel Erfahrung im Schwimmsport, auf die kann ich voll vertrauen. Und er hat sich bei mir auch noch nie getäuscht. Und bei Wettkämpfen kann er mich unheimlich gut beruhigen“, sagt der Filius. Auch am vergangenen Wochenende war der Papa daher vor Ort live dabei.

“Sport ist eine Lebenseinstellung. Erst wenn man reif genug ist im Kopf, kann man auch für sich beschließen, sich die nächsten fünf Jahre voll drauf zu konzentrieren.“

Hinzu kommt, dass Grabowski in seiner Jugendzeit zwar gute technische Grundlagen erhielt, sich aber erst mit 18 voll auf den Schwimmsport konzentrierte. Vorher fuhr er beispielsweise viel Rad fürs Ausdauertraining. Das Potenzial ist damit noch lange nicht ausgereizt. „Schwimmen war nie so mein Ding, bis ich unbedingt ein Stipendium in den USA wollte. Dort hat es mich dann so richtig gepackt. Ich gehe nun alles sehr professionell an und sehe daher erst einmal auch kein Ende der Entwicklung. Sport ist eine Lebenseinstellung. Erst wenn man reif genug ist im Kopf, kann man auch für sich beschließen, sich die nächsten fünf Jahre voll drauf zu konzentrieren.“ Das hat Grabowski getan, nach seinen Siegen beim NCAA-Finale wird sich nun sicher auch leicht ein weiteres Stipendium fürs Master-Studium finden.

Schwimmer Jeremias Pock vom 1. FC Nürnberg Schwimmen vor dem Start über 200m Lagen bei den Deutschen Meisterschaften 2025 in Berlin© Jo Kleindl

Jeremias Pock siegte bei der DM 2024 über 200m Lagen, vor dem Livestream fieberte sein Trainingspartner und Paralympics-Gewinner Taliso Engel mit

Jeremias Pock trotz Rückenproblemen zum Liga-Rekord

Fünf Mal Gold bei den College-Meisterschaften der NCAA gewann aber auch Jeremias Pock. „Dass zwei Deutsche hier die Mehrzahl der Siege abräumen, ist schon ungewöhnlich“, staunte er selbst. Der Nürnberger war auf der Yardbahn über 100 und 200 Brust, beide Lagenstecken und der 4×100-Lagenstaffel erfolgreich. „Nach dem Conference-Finale vor drei Wochen hatte ich im Training mit einigen Rückenproblemen zu kämpfen. Deswegen bin ich froh, dass ich meine Ziele hier dann trotzdem alle erreichen konnte“, sagte Pock. Über 200 Brust verbesserte er sogar noch einmal den Division-Rekord.

Doch nun richtet sich auch für Pock der Blick voll auf die EM-Qualifikation in Berlin. Und wer weiß, vielleicht teilt er sich in Paris ja dann wieder ein Zimmer mit Grabowski so wie bei der Kurzbahn-EM in Polen. Damals trafen sie sich übrigens zum ersten Mal in ihrer Karriere. Mittlerweile sind beide nun College-Helden.