Diesen Tipp hat Anna Elendt für den Schwimm-Nachwuchs

Raik Hannemann
Raik Hannemann
16:39

Die Weltmeisterin gab dieser Tage ein spannendes Interview im Podcast „Kannste so nicht sagen“. Und lieferte dabei interessante Einblicke in ihren Trainingsalltag.

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Unter seinesgleichen spricht man meist etwas offener. Schwimm-Weltmeisterin Anna Elendt war gerade zu Gast beim Podcast „Kannste so nicht sagen“, den Basketball-Weltmeister und NBA-Star Moritz Wagner mit seinem Athletiktrainer Arne Greskowiak betreibt. Letzterem bot die 24-Jährige dabei einem äußerst interessanten Blick hinter die Kulissen ihrer Karriere. Reinhören bei Spotify, Apple und Co. lohnt sich da nicht nur für Schwimmfans.

Anders als Dollar-Millionär Wagner geht Anna Elendt trotz aller Erfolge bekanntlich halbtags arbeiten. Bei einem Financial-Technology-Konzern ist sie dank einer Green Card als Projektmanagerin in Teilzeit tätig, nachdem sie im Herbst 2024 ihr Studium für Sportmanagement und Wirtschaft erfolgreich beendet hatte. Sie ist froh, dass sie sich so ihr Leben in den USA finanzieren kann, und dass ihr ihre Vorgesetzte bei sportlichen Erfordernissen auch vieles sehr unterstützend möglich macht. Elendt verrät aber auch, dass ihr richtig langweilig wurde vor lauter Videospielen und Serienschauen in der Zeit nach dem Studium, bevor sie mit dem Job anfing. „Da hatte ich nach zwei Monaten das Gefühl, dass mein Gehirn geschrumpft ist“, gestand die Schwimmerin. Die Arbeit sei oft auch ein guter Ausgleich, wenn es im Training mal nicht so gut lief.

Abends geht Anna Elendt schon um Neun ins Bett

Anna Elendt bei der Ehrung der Sportlerinen des Jahres im Kurhaus Baden Baden

Anna Elendt bei der Ehrung der Sportlerinen des Jahres im Kurhaus Baden Baden

Offenherzig erzählt Anna Elendt, dass ihr gerade in der Anfangszeit nach dem Umzug nach Austin (Texas) – auch wegen ihres damals noch nicht so perfekten Englischs – vieles schwer gefallen sei. Anfangs hätten sich ihre Aufsätze so angehört, „als hätte sie ein Viertklässler geschrieben“. Aufgeben stand aber nie zur Debatte. Sie wollte das Stipendium, in jedem der vier Jahre fast 80.000 US-Dollar wert, unbedingt bestmöglich für sich nutzen

Staunen lässt viele sicher die Info, dass sie dort an drei Wochentagen morgens bereits um 05:20 Uhr aufstand, an den anderen beiden 06:30 Uhr. Was zur Folge hatte, dass sie meist schon gegen 20:00 Uhr mit ihrer Einschlafroutine begann, um spätestens 21:15 Uhr einzuschlafen und so auf die im Leistungssport so wichtige Regenerationszeit zu kommen.

Trainerin verbot allen Schwimmerinnen das Radfahren

Auch die Strenge ihrer US-Coaches wird thematisiert. So habe Carol Capitani allen Frauen aus der Trainingsgruppe das Radfahren auf dem Campus verboten, weil es schon zu oft Armbrüche gab. Für jemand wie sie, die daheim in Hessen jeden Tag mit dem Rad zu Schule gefahren war, eine unheimliche Einschränkung. Zumal so zur Trainingsbelastung immer noch sechs Kilometer Fußweg am Tag hinzukamen in den ersten beiden Jahren.

Auch Star-Coach Bob Bowman könne so richtig laut werden. Sie habe zuletzt mal daneben gestanden und gedacht: „Oh Gott, brüll mich bitte nicht so an. Sonst fange ich an zu weinen.“ Aber natürlich profitiere sie davon, dass der Coach von Rekordolympiasieger Michael Phelps (USA) aus Arizona nach Texas kam und dort so viele Topleute anzieht, mit denen sie nun zusammentrainieren kann. Neben mehrfachen Olympiasieger*innen Summer McIntosh (CAN) oder Léon Marchand (FRA) fühle sie sich auch als Weltmeisterin durchaus „wie eine kleine Maus“ in der Nahrungskette. Zumal sie im Training auch öfter mal überrundet werde als Brustschwimmerin. „Das sind aber alles unheimlich liebe Menschen und es macht einfach auch unheimlich viel Spaß, mit denen zusammen zu trainieren.“

Anna Elendt bejubelt ihren WM-Triumph in Singapur© Istvan Derencsenyi/World Aquatics

Anna Elendt bejubelt ihren WM-Triumph in Singapur

Ergebnisse im Nachwuchs sagen noch nicht alles aus

Einen ganz wichtigen Rat hat Anna Elendt am Ende für all jene Talente, die sie vielleicht als Vorbild sehen und ihr nacheifern wollen: „Erst einmal nur auf sich selber gucken.“ Und das eigene Ding machen. Gerade in jungen Jahren seien Vergleiche mit anderen, die vielleicht schon zehn Zentimeter größer sind, wenig aussagekräftig.  Sie selbst sei als Kind lange klein gewesen und relativ spät in die Pubertät gekommen, daher habe sich auch erst spät gezeigt, welche Möglichkeiten sie im Sport haben wird.

Und wer weiß, vielleicht war Welt- und Europameisterin ja noch nicht das letzte Wort. Wir werden es sehen. Und freuen uns schon auf die nächsten Rennen von Anna Elendt hierzulande bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin (23. – 26. April). Reinschauen lohnt sich auch hier.

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